Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c32.s5: § 11. Medicinische Glossare
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c32.s5
- Language
- German
§ 11. Medicinische Glossare
c32.s5.1
Die pharmaceutischen Zusammenstellungen gehören zu den wichtigsten Bestandteilen der medicinischen Litteratur, sind aber als ein Teil der Lexikographie schon von Zachariae behandelt¹, daher soll hier nur eine kleine Ergänzung vom pharmakologischen Standpunkt gegeben werden. Wenn der Dhanvantarinighaṇṭu² das älteste Werk dieser Art ist, so kann er doch nicht sehr alt sein, da er sich mit der pharmaceutischen Verarbeitung und therapeutischen Verwendung des Quecksilbers und anderer Metalle sowie der Edelsteine schon vertraut zeigt. So werden dem Quecksilber (*pārada*) 213 noch 7 andere Namen beigelegt, nach 214 befreit es von Würmern und Lepra, verlängert das Leben, stärkt die Augen u. s. w., doch nur in erstarrtem Zustand (*mūrchita*), während es in seiner natürlichen Form den Tod bringt. Von Magneteisen gibt es 5 Arten, darunter das römische (*romakānta* 211). In dem *suvarṇādivarga* werden folgende Metalle und Mineralien nach ihren guten und schlimmen Wirkungen erörtert: Gold, Silber, Kupfer, Zinn, Messing, Blei, Weissmessing, Eisen, damascirter Stahl(?), Eisenfeile(?), Quecksilber, Zinnober, Scheindiamant, Smaragd, Diamant. Unter den pflanzlichen Mitteln wird das Opium (*aphūka*, *ahiphena*, *aphenaka*) und der Mohnsamen (*khastila*) erwähnt (232). Vgl. § 26. In dem 1374 abgefassten Madanavinoda des Madanapāla¹ und dem noch jüngeren Rājanighaṇṭu des Narahari⁴ werden allerdings neben den obigen Mineralien noch eine ganze Reihe von anderen erwähnt. Über einige jüngere medicinische Glossare s. o. § 1 f., § 4. Man darf wohl annehmen, dass die Aufzählung der Nahrungs- und Heilmittel, ihre Gruppirung nach *varga* und die Angabe ihrer *guṇa* bei C. Su. S. A. aus den medicinischen Glossaren stammt, aber die erhaltenen Werke dieser Art scheinen durchweg jünger zu sein als die alten medicinischen Saṃhitās. Zu den Glossaren sind auch die diätetischen Werke wie Pathyāpathyanighaṇṭu von Trimalla (gedruckt Benares 1869), Pathyāpathyaviniścaya von Viśvanāthasena (16. Jahrh.?) und die medicinischen Kochbücher wie Kṣemakutūhala, Bhojanakutūhala⁵ zu stellen.
c32.s5.2
¹ Grdr. I, 3b, § 27. — 2 Ānandāśr. Series 33 (mit Rājanighaṇṭu, Poona 1896, 440, 165 S.). — 3 ed. JĪB. VIDY. (Calcutta 1875, 141 S.).
c32.s5.3
⁴ Vgl. AUFRECHT, ZDMG. 41, 487; GARBE, Die indischen Mineralien (Leipzig 1882) und Verz. Nr. 174.
c32.s5.4
⁵ Vgl. AUFRECHT, ZDMG. 51, 329; L. 2939; IO. 972 f.; BURNELL 72 f.
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