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Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c32.s7: § 13. Die centralasiatischen Handschriften

Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c32.s7

Language
German

§ 13. Die centralasiatischen Handschriften

c32.s7.1

— Die berühmte Bowerhs. stammt aus einem buddhistischen Stūpa in Kaschgarien (China), ist aber wahrscheinlich von eingewanderten Hindus geschrieben, in dem indischen Guptaalphabet, und zwar nach den palaeographischen Kriterien um 450 n. Chr.

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Das Schreibmaterial ist Birkenbast, aber länglich zugeschnitten wie die süd- und westindischen Palmblattkss. Von den sieben in dieser Hs. enthaltenen Sanskrittexten sind drei rein medicinischen Inhalts. Das erste medicinische Werk enthält zunächst einen Panegyrikus auf den Knoblauch (*laśuna*), dann verschiedene Recepte, besonders für Augenleiden. Das zweite, weit umfangreichere Werk, Navanītaka (d. h. Quintessenz) benannt, handelt in den 14 erhaltenen *adhy.* über Pulver, Butterdecocte, Öle, vermischte Recepte, Klystiere, Elixire, Brühen, Aphrodisiaca, Augensalben, Haarfärbemittel, Terminalia Chebula, Bitumen, Plumbago zeylanica und Kinderpflege. Das dritte Werk enthält 14 Arzneiformeln in nur 72 Versen. Auch der sechste Text, ein Schlangenzauber gegen den Biss einer Cobra, hat einen medicinischen Charakter. Die Sprache dieser Texte ist altertümlicher als bei C. Su. Die ebenso mühsame als vollständig gelungene Entzifferung und Übersetzung und sorgfältige, mit photographischen Facsimiles und erklärenden Anmerkungen ausgestattete Edition der Hs. wird HOERNLE verdankt¹.

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¹ The Bower Manuscript ed. by A. F. R. HOERNLE, Parts I—VII (Calcutta 1893—7, VII, 240 S., 54 Tafeln Fol.). Vgl. auch HOERNLE, Proc. ASB. 1891, April, 54—65; IA. 21, 29—45. 129—45. 349—69; JASB. 60, 1, 2, 79—96; 1, 3, 135—95; BÜHLER, WZKM. 5, 103—10. 302—10; Ac. 40, 138 f.; JRAS. 1891, 689—94; Palaeogr. § 22; JOLLY, ZDMG. 53, 374—80 und Festgruss an ROTH 18 ff.; OLDENBURG, Zap. 12, 8—36.

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HOERNLE hat auch die Bearbeitung der anderen in der gleichen Gegend gefundenen Hss. begonnen, die auch grossenteils indische Recepte oder Zaubersprüche enthalten und teilweise noch älter sind als die Bowerhs. So kommen in der um 350 n. Chr. geschriebenen Macartneyhs., einer leider sehr schlecht erhaltenen Papierhs., die Namen mehrerer bekannten Heilpflanzen wie *arka*, *priyaṅgu* und die Metalle: Gold, Silber, Eisen, Kupfer und Zinn vor².

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² HOERNLE, Proc. ASB. 1895, 84 f.; The Weber Mss. JASB. 62, 1, 1, 1—40; Three further Collections JASB. 66, 1, 213—60; A Collection of Antiquities from C. Asia, JASB. 68, XXXII, 110 S.; A Note, pres. to the XII. Congress (Oxford 1899); An Epigraphical Note, JASB. 69, 1, 2, 93—134; WEBER Manuscripts Part IX (S. 1).

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Die grosse Bedeutung der Bowerhs. für die Geschichte der indischen Medicin liegt darin, dass sie das Bestehen derselben schon im 4.—5. Jahrhundert n. Chr. sicher erwiesen und damit auch allen Zweifeln über die Glaubwürdigkeit der arabischen Nachrichten ein Ende gemacht hat. Die Lehre von den drei Grundsäften, von der Verdauung, dem Einfluss der Jahreszeiten, die Formen der Arzneien, die Namen der Krankheiten, treten hier wesentlich ebenso auf, wie in den bisher besprochenen Werken, und manche lange Recepte der Bowerhs. kehren in den medicinischen Saṃhitās fast wörtlich wieder. Quecksilber, Opium, auch die Pocken kommen hier noch nicht vor.

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