Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c37.s5: § 76. Hämorrhoiden
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c37.s5
- Language
- German
§ 76. Hämorrhoiden
c37.s5.1
Das vorhin bei den Geschlechtskrankheiten erwähnte *arśas*, urverw. mit ἕλκος, ulcus, hat ursprünglich gewiss Knoten oder Geschwüre jeder Art bezeichnet. So sagt C. 4, 14, 4 (vgl. Su. 2, 2, 11), dass einige ausser dem After auch die Vagina, den Penis, Hals, Gaumen, Mund, die Nase, Ohren, Augenlider und die Haut als Sitz der *arśas* betrachten, in seinem Werk aber diese Bezeichnung auf *arśas* am After beschränkt sei. Die überall im Orient häufigen Hämorrhoidalknoten (schon vedisch, vgl. ZIMMER 393), die als Fleischauswüchse, Geschwülste (*māṁsāṅkura*, *māṁsakīlaka*) bezeichnet werden (A. 3, 7, 1f.), sind im Allgemeinen mit Durchfall und Dysenterie (*atisāra*, *grahaṇī*) verwandt, indem diese drei Leiden sich gegenseitig hervorrufen und auf Verdauungsstörungen beruhen (C. 4, 14, 98). Daher erscheint als Ursache von *arśas* besonders ungeeignete Ernährung, Übermass im Essen, scharfe oder sauere, salzige, heisse Speisen, Fasten u. dgl., ferner Mangel an Bewegung, Schlafen am Tage, Reiten, Hocken, Alkoholismus, geschlechtliche Ausschweifungen, Unterdrückung der Ausscheidungen, Kummer, Zorn u. a. Vorzeichen sind: träge Verdauung, Durchfall oder Verstopfung, Flatulenz, häufiges Aufstossen, Schwäche, Abmagerung, Wadenkrampf, Schwindel, geschwollene Augen, Abgeschlagenheit der Glieder, Kolik, Mangel an Esslust, Verdauungslosigkeit, Schläfrigkeit u. a. (Su. M. S. A.). *Arśas* ist entweder angeboren oder erworben, trocken oder nass, gewöhnlich werden sechs Formen unterschieden. 1. Von Wind sind die Knötchen am After windreich, trocken, prickelnd, dunkelrot, rauh, ungleich, hart, verschiedenen Früchten gleichend. 2. Von Galle sind die *arśas* rot, gelb oder schwarz mit blauem Gipfel, einer Papageienzunge, Leber oder dem Mund eines Blutegels ähnlich, und lassen dünnes Blut ausfliessen. 3. Von Schleim sind die *arśas* weiss, hart, rund, glatt, gewissen Fruchtkernen oder Kuhzitzen ähnlich, nahe bei einander, platzen und nässen nicht, jucken aber stark. 4. Von den drei Grundsäften erscheinen alle Symptome. 5. Von Blut gleichen die *arśas* den Luftwurzeln der Ficus indica, Korallen oder *kākaṇantikā* (rot mit einem schwarzen Tupfen), sonst sind sie wie von Galle, entsenden aber bei Verstopfung eine Menge von verdorbenem, heissem Blut, auch treten die gewöhnlichen Folgen von Blutungen ein, indem der Kranke blass, schwach und stumpf wird. 6. Angeborene, d. h. ererbte *arśas* sind übel aussehend, rauh, weisslich, der damit Behaftete ist von Geburt ab sehr mager und schwach, bleich, traurig, zornmütig, leidet an Harnverhaltung und Verstopfung, Harnstein und Harngries und anderen Beschwerden. Auch bei den obigen 5 Formen treten angehaltene, spärliche, schleimige, schmerzende, blutige Stühle, Harnbeschwerden, Verfärbung der Haut und der Nägel und andere Begleiterscheinungen auf. Als der Sitz der *arśas* werden die drei Hautfalten (*valī*) oder Muskeln (*peśī*) im After bezeichnet. In der äusseren Hautfalte, und wenn sie noch nicht alt sind, sind *arśas* leicht heilbar, in der mittleren und nach einem Jahr schwer heilbar, in der innersten und wenn sie angeboren sind oder auf den drei Grundsäften beruhen unheilbar. Über die *arśas* an den Genitalien s. § 75. Als eine Form von *arśas* werden auch warzenartige Auswüchse an der Haut (*carmaskīla*) betrachtet (C. 6, 14; Su. 2, 2; S. 3, 7; A. 3, 7; M. 79–89; V. 139 ff.; Bh. 2, 2, 1 ff.).
c37.s5.2
Die Hämorrhoiden sind je nach den Symptomen zu behandeln, indem man bei Durchfall die gleichen Mittel wie bei Wind-Durchfall anwendet, bei Verstopfung wie bei *udāvarta*, bei reichlichem Bluterguss wie bei Blutsturz verfährt (Vṛ. 5, 5 f.). Im Allgemeinen sind entweder Arzneien, Ätzmittel, das Messer oder Feuer anzuwenden, doch hebt C. 6, 14, 25 die Gefährlichkeit der drei letzteren Methoden hervor, die bei fehlerhafter Anwendung Impotenz, Geschwülste, Kolik und andere Schmerzen, übermässigen Blutverlust, Neubildung von Knoten und selbst den Tod herbeiführen können. Auch H. Bh. V. beschränken sich im Wesentlichen auf zahlreiche Recepte für die verschiedensten Pillen, Öl- und Butterabkochungen u. s. w. zum innerlichen Gebrauch und für Klystiere, Stuhlzäpfchen, Einreibungen, Breiumschläge. Dagegen beschreiben Su. S. A. ausführlich die Operation an dem Hämorrhoidarier, der in liegender Stellung, gebunden und von Dienern gehalten, damit er nicht zuckt, den After emporstrecken muss, worauf der Knoten geätzt oder gebrannt wird, und zwar alle sieben Tage je ein Knoten; grosse Knoten bei starken Patienten sind aufzuschneiden und dann zu brennen (Su. 4, 6; S. 4, 10; A. 4, 6; Vṛ. 5; V. Bh. l. c.).
Cites (7)
- Aṣṭāṅgahṛdayasaṃhitā — Vāgbhaṭa, Sanskrit
- Carakasaṃhitā — Agniveśa (Āyurveda) & Caraka, Sanskrit
- Suśrutasaṃhitā — Suśruta & Nāgārjuna (siddha/alchemist), Sanskrit
- Śārṅgadharasaṃhitā — Śārṅgadhara (physician), Sanskrit
- Mādhavanidāna (Rugviniścaya) — Mādhavakara, Sanskrit
- Bhāvaprakāśa — Bhāvamiśra 1550, Sanskrit
- Siddhayoga (Vṛndasuni) — Vṛndasuni, Sanskrit