Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c38.s1: § 86. Nasenleiden
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c38.s1
- Language
- German
§ 86. Nasenleiden
c38.s1.1
— Nach Su. gibt es 31, nach Bh. 34 Nasenleiden (*nāsāroga*), nach S. A. allein 18 *pīnasa*. Nach M. ist bei *pīnasa* »verstopfte Nase« die Nase verstopft, trocken oder voll von Schleim, erhitzt und der daran Erkrankte hat weder Geschmack noch Geruch. Bei unreifem oder acutem *pīnasa* besteht Schwere im Kopf, Appetitlosigkeit, dünner Ausfluss aus der Nase, Undeutlichkeit der Stimme, öfteres Ausspeien; bei reifem *pīnasa* bestehen die gleichen Symptome, aber der Schleim bleibt zähe in der Nase stecken, die Stimme und das Aussehen des Schleims sind normal. Bei *pūtināsya*, »Stinknase« (Ozäna) ist der Atem aus Mund und Nase übelriechend. Bei *nāsikāpāka* »Nasenentzündung« bilden sich stark eiternde Geschwüre. *Pūyarakta* »Eiterblut«, d. h. Ausfluss von mit Blut vermischtem Eiter, ist die Folge von Störungen der Grundsäfte oder von Verletzungen. Von Niesen (*kṣavathu*) gibt es 2 Arten. Bei *bhraṁśathu* tritt ein zäher, salziger Schleim, bei *dīpta* »brennend« heisser Hauch aus der Nase aus, bei *pratīnāha* »Verstopfung« ist sie verstopft, bei *srāva* »Ausfluss« flüssig, bei *nāsāpariśoṣa* »Nasentrocknung« die Respiration durch Eintrocknen des Schleims in der Nase sehr gehemmt. Eingehend werden die fünf Arten von Schnupfen oder Katarrh (*pratiśyāya*) beschrieben. Bei längerer Dauer wird dieses mit *pīnasa* verwandte Leiden unheilbar, es entstehen Würmer in der Nase, wie dies nach CHEVERS noch jetzt bei »Peenash« häufig vorkommt, Taubheit, Blindheit, Geruchlosigkeit, gefährliche Augenleiden, Geschwulst, Verdauungsschwäche und Husten. Von verschiedenen Arten von Geschwüren, Schwellungen und Nasenpolypen, die als *arbuda*, *śotha* und *arśas* bezeichnet werden, gibt es 7 + 4 + 4 = 15 Arten, ausserdem 4 Arten von *raktapitta* d. h. Nasenbluten (M. 358—65, vgl. Su. 6, 22—4; C. 6, 26, 62—5; S. 6, 23; A. 6, 19; Bh. 2, 4, 127 ff.; V. 771 ff.).
c38.s1.2
Gegen diese Krankheiten werden besonders Einträufelungen (*avapīḍa*) und andere Nasenmittel (*nasya*) verordnet, so gegen *pīnasa*, *pūtināsya*, *bhraṁśathu*, *nāsāsrāva*, *nāsāśoṣa*, *pratiśyāya*. Viele Recepte beziehen sich auf *pīnasa*, *pratiśyāya*, auch wird den daran Leidenden Aufenthalt in einem gegen Winde geschützten Haus vorgeschrieben, sie sollen sich mit einem schweren Tuch den Kopf umhüllen, kaltes Wasser, den Umgang mit Frauen, sehr trockene Speisen, Kummer und Sorgen, frische geistige Getränke meiden; bei frischem Schnupfen wende man Räucherungen an (C. 6, 26, 76—87; Su. 6, 23 f.; S. 6, 24; A. 6, 20; Vṛ. 60; Bh. V. 1. c.).
c38.s1.3
§ 87. Mundkrankheiten. — Die Krankheiten der Mundhöhle (*mukharoga*) zerfallen in Erkrankungen der Lippen, des Zahnfleisches, der Zähne, der Zunge, des Gaumens, Halses und der ganzen Mundhöhle, im Ganzen sollen es 65 sein. Die Lippen werden durch Störungen der Grundsäfte oder des Blutes, Fleisches oder Fettes rauh, hart, steif, schmerzhaft, gelb, rot, geschwollen u. s. w., es entsteht ein Ausschlag, oder es bilden sich Würmer, Eiter oder wässeriger Ausfluss u. s. w. Zahnfleisch. *śītāda* Skorbut, *dantapuppuṭa* Zahngeschwulst, *dantaveṣṭa* Entzündung des Zahnfleischs mit blutiger Eiterung, *śaushira* schmerzende Geschwulst an den Zahnwurzeln, *mahāśaushira* brandige Entzündung des Zahnfleisches, *paridara* Aufspringen, Bluten des Zahnfleisches, *upakuśa* Entzündung des Zahnfleisches mit hässlichem Geruch aus dem Munde, *vaidarbha* Geschwulst an den Zahnwurzeln durch Verletzung derselben, *khalivardhana* überzähliger Zahn, *karāladanta* hervorstehender Zahn, *adhimāṁsaka* Geschwulst am Weisheitszahn, *dantamūlagatā nāḍī* Zahnfistel. Zähne. *dālana* Zahnweh, *kṛmidantaka* »Wurmzahn«, Caries, *bhañjanaka* Abbrechen der Zähne, *dantaharṣa* empfindliche Zähne, *dantaśarkarā* Zahnstein, *kapālikā* harter, perniciöser Zahnstein, *śyāvadantaka* braune, brandige Zähne. Zunge. Von Wind ist sie aufgesprungen und gefühllos, von Galle heiss und mit rötlichen Erhöhungen bedeckt, von Schleim schwer und dick, mit dornartigen Auswüchsen übersät. Eine starke Schwellung auf der Zunge mit Eiterung an der Zungenwurzel heisst *alāsa*, Glossitis, eine Geschwulst wie eine zweite Zunge *upajihvā*, Ranula. Gaumen. *galaśuṇḍī* geschwollene Mandeln, *tuṇḍikerī* Abscess an den Mandeln, *adhruṣa* (*abhruṣa*) eine rote, sehr schmerzhafte Geschwulst mit Fieber, *kacchapa* »Schildkröte«, eine schmerzlose Geschwulst, wohl Hypertrophie der Mandeln, *tālvarbuda* Geschwulst in der Mitte des Gaumens, *māṁsasaṁghāta* »Fleischanschwellung«, schmerzloser Tumor, *puppuṭa* schmerzlose Geschwulst von der Grösse einer Beere, *tāluśoṣa* Gaumenentzündung, *tālupāka* Abscess am Gaumen. Über Halsleiden s. § 64. Mund. *sarvasara* d. h. überall hin verbreitet, Pusteln im ganzen Mund, schmerzend oder schmerzlos, drei Arten, von Wind, Galle und Schleim (M. 337—51 und Dutt, Nidāna 206 ff. Vgl. C. 26, 67 f.; Su. 2, 16; S. 6, 25; A. 6, 21; Bh. 2, 4, 135 ff.; V. 738 ff.).
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Bei Erkrankungen der Lippen sind besonders Salben anzuwenden, ferner Gurgelwasser und andere Mundmittel, Blutegel, locale Wärme u. a., bei Affectionen des Zahnfleisches besonders Blutentziehung, ferner Gurgelwasser, Pulver äusserlich am Zahnfleisch, Pflaster, Herausschneiden des verdorbenen Fleisches an den Zahnwurzeln und Herausziehen der kranken oder überzähligen Zähne, gleichviel ob sie locker oder fest sind, Brennen u. a. Gegen Zahnweh werden lauwarmes Gurgelwasser, Abkochungen, Erwärmungen, Räucherungen, Nasenmittel empfohlen, Zahnstein ist ohne Beschädigung der Zahnwurzeln zu beseitigen, lockere Zähne zu ziehen; saure Früchte, kaltes Wasser, trockne oder sehr harte Dinge darf man bei Erkrankungen der Zähne nicht geniessen, auch nicht die üblichen Stöckchen zur Reinigung der Zähne kauen. Bei Erkrankungen der Zunge sind ätzendes Gurgelwasser, Scarificirung, Räucherung, Nasenmittel u. a. anzuwenden. Geschwollene Mandeln soll man herausziehen und ein Stück davon abschneiden, auch die sonstigen Geschwülste am Gaumen sollen operirt oder scarificirt werden, bei Entzündung und Abscess am Gaumen ist besonders Gurgelwasser zu geben. Bei Affectionen des ganzen Munds sind salzige Pulver, Gurgelwasser, Nasenmittel u. dgl. indicirt (C. 6, 26, 100--8; Su. 4, 22; S. 6, 26; A. 6, 22; Vṛ. 58; Bh. V. l. c.).
c38.s1.5
§ 88. Kopfleiden. -- Erkrankungen des Kopfes (*śiroroga*) entstehen durch Rauch, Hitze, Frost, Übermass im Schlafen oder Wachen oder im Genuss von Wasser und geistigen Getränken, Unterdrückung der Thränen oder Weinen, Würmer, widrige Gerüche und andere Ursachen (S. A.). 1. Von Wind entstehen plötzlich heftige Kopfschmerzen, die in der Nacht besonders stark werden, aber durch Verbände und Wärme abnehmen. 2. Von Galle entsteht Hitze im Kopf wie von glühenden Kohlen, durch Anwendung von Kälte und Nachts tritt Besserung ein. 3. Von Schleim ist der Kopf schwer, steif und kalt, Augenlider und Mund geschwollen. 4. Von den drei Grundsäften: Combination dieser Symptome. 5. Von Blut sind die Symptome wie bei Galle, ausserdem Druckempfindlichkeit. 6. Von Schwund des Fettes und anderer Grundbestandteile im Kopf entsteht heftiges Kopfweh, das durch Erwärmung, Blutentziehung und dergleichen Mittel zunimmt. 7. Von Würmern kommt Blut und Eiter aus der Nase. 8. Von der Sonne, *sūryāvarta*. In den Augen und Augenbrauen tritt bei Sonnenschein starker Schmerz auf, der Nachts aufhört (Sonnenstich?). 9. *anantavāta*, heftige Schmerzen im Nacken, den Augen, Augenbrauen und Schläfen. 10. *ardhāvabhedaka* »halbseitiger Schmerz«, Migräne. 11. *śaṅkhaka* »Schmerz in den Schläfen«, ein sehr gefährliches Leiden (M. 404—11; Su. 6, 25. Vgl. C. 6, 26, 66; S. 6, 27; A. 6, 23; Bh. 2, 9, 80 ff.; V. 836 ff.).
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§ 89. »Windkrankheiten« (*vātavyādhi*). — Diese, zumeist nervösen Leiden verursacht durch Füllung der leeren Kanäle der Wind entweder am ganzen Körper oder in einzelnen Körperteilen, wenn er gestört wird durch unpassende oder ungenügende Nahrung, Überanstrengung, Blutverlust, Sorgen, Kummer u. s. w. Symptome: Contraction und Steifheit der Gelenke, die
c38.s1.7
Die Behandlung ist teils eine innerliche, mit verschiedenen Butterabkochungen und Regelung der Diät, teils äusserlich mit Nasenmitteln, Pflastern, Waschungen, Untertauchen des Kopfes in kaltem Wasser, Umschlägen, Aderlässen, Räucherungen, Erwärmungen u. a. (C. 6, 26, 88—99; Su. 6, 26; S. 6, 28; A. 6, 24; Vṛ. 62; Bh. V. l. c.).
Cites (8)
- Carakasaṃhitā — Agniveśa (Āyurveda) & Caraka, Sanskrit
- Bhāvaprakāśa — Bhāvamiśra 1550, Sanskrit
- Aṣṭāṅgahṛdayasaṃhitā — Vāgbhaṭa, Sanskrit
- Suśrutasaṃhitā — Suśruta & Nāgārjuna (siddha/alchemist), Sanskrit
- Aṣṭāṅgasaṃgraha — Vāgbhaṭa, Sanskrit
- Śārṅgadharasaṃhitā — Śārṅgadhara (physician), Sanskrit
- Mādhavanidāna (Rugviniścaya) — Mādhavakara, Sanskrit
- Siddhayoga (Vṛndasuni) — Vṛndasuni, Sanskrit