Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c5.s1: § 6. Die Entzifferung
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c5.s1
- Language
- German
§ 6. Die Entzifferung
c5.s1.1
— Die Entzifferung des linksläufigen indischen Alphabetes, der *kharoṣṭhī lipi*¹, ist, wie die des ältesten Brāhma-Alphabetes, eine Errungenschaft europäischer Gelehrter, unter denen besonders MASSON, I. PRINSEP, CH. LASSEN, E. NORRIS und A. CUNNINGHAM zu nennen sind². Die erste Grundlage zu derselben lieferten die Münzen der indo-griechischen und indo-skythischen Könige mit griechischen und Prakrit-Inschriften. Die Resultate, welche die Identifikation der Namen und Titel ergaben, wurden durch die Entdeckung der Shahbazgarhi-Version der A. Ed. und E. C. BAYLEY'S Kangra-Inschrift in Brāhmī und Kharoṣṭhī teils bestätigt, teils berichtigt und erweitert. Die Charactere der A. Ed. sind bis auf einige Gruppen (s. u.) sicher gelesen, ebenso bieten die Inschriften der Śaka keine Schwierigkeiten. Dagegen leisten noch bedeutende Stücke der späten Inschriften des Parther *Guduphara* und der Kuṣanakönige *Kaniṣka* und *Huviṣka* der Lesung und Deutung Widerstand.
c5.s1.2
¹ S. o. § 1 über den Namen; vgl. Gurupūjākaumudī, 68 ff.
c5.s1.3
² P.IA 1, 178—85; 2, 128—143; W.AA 242 ff.; J.ASB 23, 714; C.ASR 1, VIII; Centenary Rev. 2, 69—81; C.CIS 3 ff.; SENART, IP 1, 22 ff.; ZDMG 43, 129 ff.