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Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c7.s1.t8: B. Der Mond

Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c7.s1.t8

Language
German

B. Der Mond

c7.s1.t8.1

Über den Mond (Candra, Candramās) erfahren wir in den vedischen Schriften, abgesehen von den Stellen, in denen er mit Rücksicht auf seine Ab- und Zunahme, dem Soma, „dem berauschenden Trank der Götter, insonderheit des Gewittergottes“ gleichgesetzt wird, im allgemeinen recht wenig.

c7.s1.t8.2

Im Ṛgveda wird der Mond in einer Anzahl von Liedern, die an Soma Pavamāna gerichtet sind, in denen aber auf den wirklichen Himmelskörper angespielt wird, „der Junge“ (śíśu ¹), diváh śíśu ²), yúvan ³)) genannt, Atharvav. X. 7. 33 wird er zusammen mit der Sonne als „Auge des höchsten Brahma“ (divó . . . akṣí) bezeichnet, Atharvav. VIII. 2. 15 wird er ein Sohn der Aditi (Ādityá) genannt und I. 3. 4 desselben Textes heisst er ebenso wie Mitra, Varuṇa und Sūrya „Vater des Rohres, mit hundertfacher Manneskraft“ (śarásya pitáraṃ candráṃ śatá-vṛṣṇyam).

c7.s1.t8.3

Besonders gilt er als der Herr der Nakṣatra, und es wird gesagt, dass er mit ihnen hinaufstieg oder dass er in ihrer Mitte wohnt.

c7.s1.t8.4

Atharvav. V. 24. 10: „Der Mond ist der Herr der Nakṣatra, er soll mich beschützen“ (candrámā nákṣatrāṇām ádhipatiḥ sá māvatu). Atharvav. VI. 86. 2: „Der Mond herrscht über die Nakṣatra“ (candrámā nákṣatrāṇām īśe). Ṛgv. X. 85. 2 (Atharvav. XIV. 1. 2): „... so ist in dieser Gestirne Mitte Soma hingestellt“ (átho nákṣatrāṇām eṣáṃ upásthe sóma áhitaḥ). Atharvav. XIX. 19. 4: „Der Mond stieg hinauf mit den Nakṣatra“ (candrámā nákṣatrair

c7.s1.t8.5

1) Ṛgv. IX. 74. 1, 85. 11, 86. 31. 36, 96. 17, 102. 1, 104, 1, 105. 1, 109. 12, 110. 10.
2) Ṛgv. IX. 33. 5.
3) Ṛgv. IX. 9. 5. 67. 29, Atharvav. IX. 10. 9.

c7.s1.t8.6

údakrāmat). XIX. 8. 1: „Günstig mögen mir sein diese Nakṣatra ..., zu welchen der Mond aufwartend hingeht ...“ (yáni nákṣatrāṇi ... prakalpáyāṃś candrámā yány éti ...).

c7.s1.t8.7

Wahrscheinlich gehört hierher auch die folgende Stelle Atharvav. XIII. 1. 22: „Von schöner Farbe, erhaben, herrlich ist die Herrin [des Nakṣatra] Rohiṇī, Rohita's ergebene Genossin“ (ánuvratā róhiṇī róhitasya sūríḥ suvárṇā bṛhatí suvārcāḥ).

c7.s1.t8.8

Wie die Sonne, so wird auch der Mond mit den Wassern in Beziehung gebracht. Er soll sich entweder in den Wassern — gemeint sind jedenfalls die Wasser des Luftraums oder Himmels — bewegen oder aus der Verbindung des Soma mit den Wassern hervorgegangen sein.

c7.s1.t8.9

Rgv. I. 105. 1 (Atharvav. XVIII. 4. 89): „Der Mond bewegt sich in den Wassern, der schön gefiederte [Aar] am Himmel läuft; ...“ (candrámā apsv àntár á suparṇó dhāvate diví). Rgv. VIII. 82. 8: „Der wie in den Wassern der Mond in den Schalen gesehen wird, der Soma, den trink ...“ (yó apsú candrámā iva sómaś camúṣu dáḍṛśe, píbéd ...). Atharvav. IX. 10. 9: „Der Mond, der läuft auf dem Rücken des Wassers ...“ (vidhúṃ dadrāṇáṃ salilásya pṛṣṭhé ...). Śatapathabr. IV. 6. 7. 12: „Und in dem Havirdhāna richtet dieses Männliche, der Soma seinen Sinn auf das Weibliche, das Wasser; aus dieser Verbindung entstand der Mond. Von Nahrung in der Tat wird Nahrung hervorgebracht, nämlich der Mond von Wasser und Soma“ (áthaitad vṛṣā sómaḥ yóṣā apó havirdhāné 'dhyeti, tásmān mithunác candrámā jātó, 'nnád vai tad ánnam jātaṃ, yád adbhyáś ca sómāc ca candrámās ...).

c7.s1.t8.10

Mehrere Stellen des Rgveda äussern sich dahin, dass der Mond sein Licht von der Sonne erhalte.

c7.s1.t8.11

Rgv. IX. 71. 9: „Wie ein Stier, der die Herde umwandelt, hat er gebrüllt, angenommen hat er die Helle der Sonne“ (ukṣéva yūthá pariyánn arāvíd ádhi tvíṣīr adhita súryasya ...). Rgv. IX. 76. 4: „... er, der geschmückt wird in der Sonne Strahl, der Vater der Lieder von unerreichter Weisheit“ (... yáḥ súryasyaśireṇa mṛjyáte pitá matīnám ásamaṣṭakāvyaḥ). Rgv. IX. 86. 32: „Der Sonne Strahlen hat er um sich gehüllt, ausspinnend den dreifachen Faden, wie er es weiss“ (sá súryasya raśmíbhiḥ pári vyata tántuṃ tanvánās trivṛtam yáthā vidé).

c7.s1.t8.12

Zur Zeit des Neumondes tritt der Mond in die Sonne ein. Diese Anschauung, die das Verschwinden des Mondes zur Zeit des Neumondes erklären soll und später in den Purāṇa ausdrücklich gelehrt wird, wird schon in manchen Stellen der vedischen Literatur deutlich ausgesprochen.

c7.s1.t8.13

Rgv. IX. 71. 2: „Wie völkertötende Kraft geht er brüllend, diese asurische Farbe lässt er herabfliessen, seine Hülle verlässt er, zu des Vaters Stelldichein kommt er, er schafft sich so eine angenommene Hülle“ (prá kṛṣṭíhéva śúśá eti róruvad asuryàṃ várṇaṃ ní riṇīte asya tám, jáhāti vavrím pitúr eti niṣkṛtám upaprúṭaṃ kṛṇute nirṇíjaṃ tánā). Rgv. X. 55. 5 und ähnlich Atharvav. IX. 10. 9: „Den Mond, der läuft im Kreise der vielen (Atharvav.: auf dem Rücken des Wassers), den hat, den jungen, der Alte von sich gegeben; schau des Gottes tiefe Weisheit in [ihrer] Grösse: Heute (gestorben ist er gestern) hat er aufgeatmet“ (vidhúṃ dadrāṇáṃ sámane bahūnāṃ (Atharvav.: salilásya pṛṣṭhé) yúvānam śántam palító jagāra, devásya paśya kāvyam mahitvádyā mamára sá hyáḥ sám āna). Rgv. X. 138. 4: „... mit Monde gleichsam hat Sūrya das Gut der Burgen erlangt, der Besungene hat mit dem Strahlenden die Feinde zerschmettert“ (māséva sūryo vásu púryam ā dade gṛṇānáḥ śátrūmṛ aśṛṇād virúkmatā). Wohl auch folgende Stelle gehört hierher. Rgv. V. 47. 3 (Vājasaneyi-Saṃh. XVII. 6. 3. 4; Taittirīya-Saṃh. II. 10. 5; Kāṭhaka-Saṃh. XVIII. 3, XXI. 8; Śatapathabr. IX. 2. 3. 18): „Ein Stier, ein Meer, ein roter Vogel ist er eingetreten in des vormaligen Vaters Wohnstätte . . .“ (ukṣā samudró aruṣáḥ suparṇáḥ púrvasya yónim pitúr á viveśa . . .). Aitareyabr. VIII. 28. 8: „Der Mond fürwahr tritt in der Neumondnacht in die Sonne ein; er verschwindet, ihn unterscheiden sie nicht“ (candramā vā amāvāsyāyām ādityam anupraviśati, so 'ntardhīyate, taṃ na nirjānanti). Aitareyabr. VIII. 28. 14: „Aus der Sonne wird der Mond geboren“ (ādityād vai candramā jāyate). Śatapathabr. I. 6. 4. 18: „Und der eine, der hier brennt [d. i. die Sonne], ist sicherlich kein anderer als Indra, und der Mond ist kein anderer als Vṛtra. Aber der erstere ist von einer Natur, die dem letzteren feindlich ist, und deswegen, obgleich dieser [der Mond — Vṛtra] früher in grosser Entfernung von jenem [der Sonne — Indra] aufgegangen ist, schwimmt er nun zu ihm hin und tritt in seinen Rachen ein“ (tad vā eṣá evéndraḥ, yá eṣa tápaty, áthaisá evá vṛtro yác candrámāḥ, sò 'syaiṣa bhrátṛvyajanmeva, tásmād yady ápi purā vídūram ivoditó 'thainam etāṃ rātrim úpaiva nyáplavate, sò 'sya vyáttam ápadyate). 19: „Nachdem er ihn verschlungen hat, geht er [die Sonne — Indra] auf, der andere wird weder im Osten noch im Westen gesehen . . .“ (tám grasitvódeti, sa ná purástān ná paścád dadṛśe . . .). 20: „Nachdem er [die Sonne — Indra] ihn leer gesaugt hat, wirft er ihn aus, und er [der Mond] also ausgesaugt, wird am westlichen Himmel gesehen, und er nimmt wieder zu; er nimmt wieder zu, um ihm [der Sonne] als Nahrung zu dienen“ (tám nirdhīya nírasyati. sá eṣá dhī-táḥ paścád dadṛśe sa púnar ápyāyate, sá etásyaivánnādyāya púnar ápyāyate). Śatapathabr. IV. 6. 7. 12: „Und der Mond ist die Nahrung dessen, der dort brennt“ (candrámā hyètasyánnam yá eṣa tápati). Śatapathabr. X. 6. 2. 3: „Die Sonne ist zweifellos der Esser, die Spenden für ihn sind der Mond“ (ādityo vā 'attā, tásya candrámā eváhitayaḥ). Śatapathabr. XI. 1. 6. 19: „Einer von ihnen wurde der Esser der Nahrung, und der andere wurde die Nahrung. Agni [Feuer und Sonne] wurde der Esser der Nahrung, und Soma [Soma-trank und Mond] wurde die Nahrung . . .“ (anyataró 'bhavad ánnam anyatarò 'nnádā evágnir ábhavad ánnam sómo 'nnádāś ca . . .). Bṛhadāraṇyaka-Up. I. 4. 6: „Alles nun, was es hier Feuchtes gibt, das erschuf er aus dem Samen; dieser aber ist der Soma; denn diese ganze Welt ist nur dieses: Nahrung und Nahrungesser. Der Soma ist die Nahrung, Agni ist der Nahrungesser“ (atha yat kimcedam ādram, tad retaso 'sṛjata, tad u soma, etāvad vā 'idam sarvam, annam caivánnādaś ca, soma evánnam agnir annādaḥ).

c7.s1.t8.14

Während der Neumondnacht soll der Mond auf der Erde weilen. Diese Anschauung findet man auch in den Purāṇa vertreten, nach deren Lehre der Mond in der Neumondnacht in die Äste und Sprossen der Bäume eintritt und deswegen das Abreissen eines Astes oder Blattes während dieser Zeit einem Brāhmaṇen-Mord gleichkommt ¹).

c7.s1.t8.15

Śatapathabr. VI. 2. 2. 16: „. . . Während dieser Nacht [des Neumondes] wohnt er hier [auf der Erde], und es möchte genau so sein, wie wenn er ihn geschlachtet hätte, während er in der Nähe stand“ (sá etāṃ rātrim ihá vasati, tad yáthopatiṣṭhantam ālābhetaivam tad iti).

c7.s1.t8.16

Sonne und Mond gehen abwechselnd auf und bewegen sich rund um den Ozean.

c7.s1.t8.17

1) Siehe weiter unten II (jüngere Periode) Kapitel 2 B 2 b.

c7.s1.t8.18

Während der Sonnenlauf das Jahr bestimmt, dient der Lauf des immer wiedergeborenen Mondes dazu, innerhalb desselben die Zeiten zu bestimmen.

c7.s1.t8.19

Rgv. X. 68. 10 (Atharvav. XX. 16. 10): „... Etwas Unnachahmliches, was keiner wiedertut, hat er getan, wodurch Sonne und Mond abwechselnd aufgehen“ (anānukṛtyám apunáś cakāra yát súryāmásā mithá uccárātaḥ). Rgv. X. 85. 18 (Atharvav. VII. 81. 1, XIII. 2. 11, XIV. 1. 23; Maitrāyaṇī-Saṃh. IV. 12. 2; Taittirīyabr. II. 7. 12. 2, 8. 9. 3): „Nach Osten und nach Westen kommen mit ihrem Zauber die beiden jungen Spielenden zum Opfer (Atharvav.: rund um den Ozean); alle Welten beschaut der eine, die Zeiten bestimmend wird der andere wiedergeboren“ (pūrvāparáṃ carato māyáyaitaú śíśū kríḷantau pári yāto adhvarám (Atharvav.: ’ṛṇavám), víśvāny anyó bhúvanābhicáṣṭa ṛtúṃr anyó vidádhaj jāyate púnaḥ). Rgv. X. 85. 19 (Atharvav. VII. 81. 2, XIV. 1. 24; Maitrāyaṇī-Saṃh. IV. 12. 2; Kāṭhaka-Saṃh. X. 12; Taittirīya-Saṃh. II. 3. 5. 3, 4. 14. 1; Taittirīyabr. III. 1. 3. 1): „Immer wieder neu wird er geboren, als der Tage Wahrzeichen geht er vor der Uṣas einher; kommend bestimmt er den Anteil den Göttern, fortdauern wacht lange der Mond das Leben“ (návo navo bhavati jāyamā́nó ’hnāṃ ketúr uṣásām ety ágram, bhāgáṃ devébhyo ví dadhāty āyán prá candrámās tirate dīrghám áyuḥ). Atharvav. VIII. 8. 23: „Das Jahr ist der Wagen... und der Mond ist der Fuhrmann“ (saṃvatsaró ráthaḥ... candrámāḥ sárathiḥ). Vājasaneyi-Saṃh. XXIII. 10: „Die Sonne wandert einsam, der Mond wird wiederholt geboren“ (súrya ekākí carati candrámā jāyate púnaḥ).

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