Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c9.s3.t4: Die Städte der Vyantara
Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c9.s3.t4
- Language
- German
Die Städte der Vyantara
c9.s3.t4.1
Lage und Beschreibung der Städte der Vyantara nach dem Lokaprakāśa. Die Städte der Vyantara liegen unter der Erde, wie schon im Anfang dieses Abschnittes gesagt worden ist. Sie sind unzählbar, aussen rund, innen viereckig, mit tiefen Festungsgräben und mit Mauern umgeben, voll von grossen Werkzeugen wie die Waffe Śataghnī usw., schwer zu betreten, nicht zu bekämpfen, geschützt, von Kimkara-Gottheiten behütet, mit wohlriechenden Blumen und Wohlgerüchen versehen. Die grössten Städte haben eine Breite wie der Jambūdvīpa, die mittleren wie Videha, die kleinsten wie Bharata. Das ist die kurze Schilderung des Lokaprakāśa ³).
c9.s3.t4.2
1) Sthānāṅga Bl. 463b; Lokaprakāśa S. 397 f.
2) Lokaprakāśa S. 397 f.
3) S. 390 f.; s. auch Jīvābhigamasūtra Bl. 429.
c9.s3.t4.3
Umfangreicher und eingehender ist die Schilderung der Trailokyādīpikā¹), die die Anschauungen der Digambara enthält. Nach diesem Texte liegen in Kharāṃśa oder Kharabhāga 14 000 Wohnungen der Bhūta, in Paṅkabhāga 16 000 Wohnungen der Rākṣasa. Die Wohnungen der übrigen sind unter der Erde, in der Mittelwelt, überall. In Añjanadvīpa, Vajradhātudvīpa, Suvarṇadvīpa, Manahśilādvīpa, Vajradvīpa, Rajatadvīpa, Hiṅguladvīpa, Hāritāla liegen die Städte der Indra der 8 Abteilungen der Vyantara, für jeden je 5 zu einer Gruppe vereinigt. Sie tragen die Namen des betreffenden Indra, die in der Mitte mit pura, die übrigen, die diese nach den Hauptrichtungen der Windrose umlagern, in der Reihenfolge von Osten nach Süden mit prabha, āvarta(ka), kānta und madhyama zusammengesetzt. So heissen z. B. die 5 Städte des südlichen Indra der Kinnara „Kinnarendra“: Kinnarapura (Mitte), Kinnaraprabha (Osten), Kinnarāvarta (Süden), Kinnarakānta (Westen) und Kinnaramadhyama (Norden). Sie sind so gross wie der Jambūdvīpa, mit Jinatempeln und mit heiligen Säulen veriert. In ihnen liegen grosse Hallen, deren Mauern 62¹/₂ Yojana hoch, unten 12¹/₂ Yojana und oben 2¹/₂ Yojana breit sind. Die Türen sind 62¹/₂ Yojana hoch und 31¹/₄ Yojana breit. Die Höhe der Paläste beträgt 75 Yojana. In der Mitte derselben liegt die Juwelenhalle (ratnamaṇḍapa) mit Namen Sudharmā. Die Länge derselben beträgt 12¹/₂ Yojana, ihre Breite 6¹/₄ Yojana, ihre Höhe 9 Yojana. Die Höhe der Türen an dieser Halle beträgt 2 und ihre Breite 1 Yojana. An den vier Hauptrichtungen der Städte stehen vier Caitya-Bäume, und an deren Fuss stehen wieder nach den vier Hauptrichtungen Jina-Statuen, die von den Bewohnern dieser Erdstädte verehrt werden. Im Anfang dieses Abschnittes sind bereits ihre Caitya-Bäume genannt worden. Diese stehen auf dreifachem Edelsockel und sind an der Spitze mit den Abbildungen von Siddha geschmückt. Ausserhalb der Städte liegen, 2000 Yojana von denselben entfernt, nach den vier Hauptrichtungen Wälder, 50 000 Yojana breit und 100 000 Yojana lang. Sie prangen mit den Caitya-Bäumen Aśoka, Saptaparṇa, Cūta und Campaka. Nach den Zwischengegenden liegen ausserhalb der Städte Hetärenhäuser, 84 000 Yojana im Durchmesser. Jeder Indra hat zwei Hetären, die eine Lebensdauer von 1 Palyopama haben und folgende Namen tragen:
c9.s3.t4.4
¹ Bl. 61b ff.; ähnlich Trailokyasāra Bl. 30a f.
c9.s3.t4.5
| Namen der Indra: | Kinnarendra | Kimpuruṣendra | Satpuruṣendra | Mahāpuruṣendra |
| Namen der Hetären: | Madhurī Madhurālāpā | Madhurasvarabhāminī Puruṣādipriyā | Pṛthukā Somasamjñākā | Pradarśinī Bhogākhyā |
| Namen der Indra: | Atikāyendra | Mahākāyendra | Gītaratindra | Gītakirtīndra |
| Namen der Hetären: | Bhogāvatī Bhujamginī | Nāgapriyā Sutoṣā | Ghoṣā Vimalapriyā | Susvarā Ninditākhyā |
| Namen der Indra: | Māṇibhadrendra | Pūrṇabhadrendra | Bhīmendra | Mahābhīmendra |
| Namen der Hetären: | Bhadrā Subhadrakā | Mālinī Padmamālā | Sarvaśrī Sarvasainikā | Rudrākhyā Rudradarśā |
| Namen der Indra: | Svarūpendra | Pratisvarūpendra | Kālendra | Mahākālendra |
| Namen der Hetären: | Sūtakāntā Bhūtabhūtapriyā | Dattā Mahābhujamginī | Ambikā Karālākhyā | Surasenā Sudarśanā |
c9.s3.t4.6
Hinsichtlich der Art ihrer Lage unterscheidet man ferner Städte, Paläste und Wohnungen. Die Städte (pura) in der Mitte (madhadeśe) sind rund, haben einen Maximaldurchmesser von 100 000 und einen Minimaldurchmesser von 1 Yojana, die Paläste (bhavana) liegen tief (adhaḥstha) und haben einen Maximaldurchmesser von 12 200 und einen Minimaldurchmesser von 3/4 Yojana. Die grössten haben eine Tiefe (gādha) von 300 Yojana, die kleinsten eine solche von 1/4 Yojana. In ihrer Mitte liegt eine Bergkuppe mit einem Jina-Tempel auf der Gipfelfläche. Die Bergkuppe der grössten Städte hat eine Höhe von 100, die der kleinsten eine solche von 1/12 Yojana. Die Terrasse der grössten Städte ist 1/2 Yojana, die kleinsten 25 Dhanus hoch.
c9.s3.t4.7
Die Vānavyantara-Gottheiten. Ausser den Vyantara- gibt es nach der Lehre der Digambara noch Vānavyantara-Gottheiten. Ihre Namen, Entfernung vom Erdboden und Lebensdauer sind folgende¹):
c9.s3.t4.8
¹ Trailokyadīpikā Bl. 63b, 64b; Trailokyasāra Bl. 31a.
c9.s3.t4.9
| Namen der Vānavyantara-Götterklassen | Ihre Entfernung vom Erdboden | Ihre Lebensdauer | Namen der Vānavyantara-Götterklassen | Ihre Entfernung vom Erdboden | Ihre Lebensdauer |
| 1 Ākāśotpādaka | 20 000 Hasta | 1/2 Palyopama | 7 Anutpanna | 20 000 Hasta | 60 000 Jahre |
| 2 Prītimkara | 20 000 " | 1/4 " | 8 Utpanna | 20 000 " | 50 000 " |
| 3 Bhujaga | 20 000 " | 1/8 " | 9 Kūṣmāṇḍa | 10 000 " | 40 000 " |
| 4 Mahāgandha | 20 000 " | 84 000 Jahre | 10 Antaravāsin | 10 000 " | 30 000 " |
| 5 Gandha | 20 000 " | 80 000 " | 11 Digvāsin | 10 000 " | 20 000 " |
| 6 Pramāṇaka | 20 000 " | 70 000 " | 12 Nityotpādaka | 1 " | 10 000 " |
Linked texts (3)
- Tiloyasāra — Nemicandra Siddhāntacakravartin, Śaurasenī Prakrit
- Saṃgahaṇīrayaṇa — Śrīcandrasūri, Māhārāṣṭrī Prakrit
- Lokaprakāśa — Kṣemendra, Sanskrit