Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c4.s4: IV. Combinationen verschiedenartiger Pâdas innerhalb desselben Verses
Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c4.s4
- Language
- German
Contents
- c4.s4.t1 1. Gâyatrî- und Jagatî-Pâdas — 66 parts
- c4.s4.t2 2. Verbindungen viersylbiger Pâdas — 29 parts
- c4.s4.t3 3. Anderweitige Verbindungen verschiedenartiger Pâdas in demselben Verse — 12 parts
IV. Combinationen verschiedenartiger Pâdas innerhalb desselben Verses
1. Gâyatrî- und Jagatî-Pâdas
c4.s4.t1.1
Bildungen von Versen aus verschiedenartigen Pâdas kommen — abgesehen von vereinzelten Ausnahmefällen, von Anomalien ohne typische Geltung und von den Combinationen der selbständig nicht auftretenden viersylbigen Pâdas — nur als Verbindungen von Gâyatrî- und Jagatî-Pâdas vor. Dies ist auch sehr erklärlich. Denn was die Jagatî- und Trishtubh-Reihe anlangt, so bewirkte die fast bis zur Identität gehende Aehnlichkeit derselben zwar einerseits, dass sie häufig nachlässiger Weise mit einander vertauscht wurden: eben deshalb aber konnte andrerseits ihre absichtliche, contrastirende Verwendung innerhalb desselben Verses nicht als wirkungsvoll empfunden werden. Ebenso wenig eigneten sich Triṣṭubh- und Gâyatrî-Pâdas zur Verbindung: der Ausgang der ersteren auf die Senkung, der letzteren auf die Hebung brachte eine Verschiedenheit ihres Characters mit sich, welche ihrer Verbindung innerhalb des eine gewisse rhythmische Einheitlichkeit verlangenden Rahmens einer Ṛic offenbar im Wege stehen musste ¹). Nur zwischen dem Jagatî- und Gâyatrî-Pâda war zugleich ein fühlbarer Contrast vorhanden und daneben in der Uebereinstimmung des Rhythmus, in welchen beide Reihen ausgehen, gewissermaassen die Auflösung dieses Contrastes gegeben. So haben sich hier in grosser Mannichfaltigkeit feste, zum Theil recht häufig gebrauchte Verbindungsformen entwickelt. Es tritt bei ihnen, wie begreiflich, als Ausgangspunct des Ganzen in der Regel die auch in der Zahl der ihr zugehörigen Pâdas meistens überwiegende Gâyatrîreihe auf. Die Jagatî-Reihe folgt dann, indem sie anhebt wie jene, aber um sich zu einem bewegteren Tonfall zu steigern. Die in ihrem Ausgang gegebene Rückkehr zum Rhythmus der Gâyatrî kann als das den Abschluss des Ganzen ausmachende Zurücklenken zum Anfangspunct angesehen werden (Uṣṇih); es kann indessen dieses Zurücklenken (wie vornehmlich bei der Bṛihatî) noch deutlicher marquirt werden, indem hinter den Jagatî-Pâda wieder eine Gâyatrî-Reihe tritt. Vielfach hat dieselbe mit der vorangehenden zwölfsylbigen Reihe das Schlusswort oder mehrere Schlussworte gemein: eine Art Reim, welcher die Uebereinstimmung zwischen dem Jagati-Ausgang und dem Gâyatrî-Ausgang mit doppeltem Nachdruck hervorhebt, und der, wie man sieht, bei der Verbindung eines dieser Elemente mit Trishtubh-Reihen undenkbar wäre.
c4.s4.t1.2
¹ Vergl. meine Ausführungen ZDMG. XXXVIII, 479.
c4.s4.t1.3
Als die beiden Hauptformen derjenigen aus achtsylbigen und zwölfsylbigen Reihen combinirten Verse, die nicht allein in distichischer Verbindung heimisch sind, treten die Ushnih und die Brihatî hervor. Bezeichnen wir den Gâyatrî-Pâda mit a, den Jagatî-Pâda mit b, und Pâdas, welche mit dem vorangehenden in der eben beschriebenen reimartigen Verbindung stehen, mit einem vorgesetzten *, so ist die Ushnih = a a b ¹), die Brihatî = a a b a. Seltener und offenbar auf einen bestimmten Verfasser oder Kreis von Verfassern beschränkt ist die Atyashti = b b *a, a, b *a (I, 127 fgg.; IX, 111) ²), welcher, bei demselben Verfasserkreise sich findend, die Atishakvarî (a a *a, a a, b *a) an die Seite zu stellen ist (I, 137).
c4.s4.t1.4
¹ Wir sehen hier von der unten zu erörternden zweiten Form der Ushnih ab, die aus lauter Gâyatrî-Reihen und einer viersylbigen Hinzufügung besteht.
c4.s4.t1.5
² Dass hier wie überall gelegentlich ein Trishtubh-Pâda statt der Jagatî erscheint, versteht sich von selbst; ebenso dass die reimartige Responsion bisweilen ungenau ist (I, 127, 1 am Ende; 129, 5 Ende u. s. w.) oder ganz fehlt (I, 127, 11 am Ende). Auch einzelne andre Abnormitäten in dem Bau dieser langen und complicirten Strophe sind derartig, dass an Fehler der Ueberlieferung zu denken kein Grund, zum Theil auch keine Möglichkeit ist: so das Eintreten von b statt des Mittelstücks a a I, 135; 7. 8; die Vertretung des normalen Schlusses b *a durch b a *a I, 127, 6, durch a *a I, 129, 8; der Anfang b a *a (statt b b *a) I, 129, 9. Bedenklicher ist das Fehlen der drei ersten Pâdas I, 139, 5, offenbar auf Corruptel zurückzuführen der schon oben (S. 39) besprochene unregelmässige Ausgang von I, 129, 11.
c4.s4.t1.6
Es folgen einige Formen, die meist nur in einem Sûkta des Rigveda erscheinen, in diesem aber vollständig oder nahezu vollständig durchgeführt sind ³):
c4.s4.t1.7
³ Unten werden einige weitere Typen hinzugefügt werden, welche ausser den Elementen a und b auch viersylbige Pâdas enthalten.
c4.s4.t1.8
b a VIII, 29 ¹). b a b IX, 110, 1-3. b b a a X, 93, 5-12 ²); vergl. X, 18, 11; 132, 2. 6 ³). b b b a VIII, 35. b b b a a V, 87 (Vers 1 wohl eher b b a b a).
c4.s4.t1.9
¹ Doch sollten wir die 10 Verse dieses Liedes wahrscheinlich vielmehr zu 5 Versen von der Form b a b a zusammenlegen; vergl. den Abschnitt über die Saṃhitâordnung.
c4.s4.t1.10
² Nur Vers 9 zeigt in seiner überlieferten Gestalt das Aussehen b a a a a; Aenderungen scheinen aber unentbehrlich, welche wahrscheinlich zu der Form b b a a hinzuführen haben werden. — Vor und hinter den Versen von der Form b b a a finden sich in demselben Hymnus andre Bildungen, insonderheit Verse aus zwei Trishṭubh- und zwei Gâyatrî-Pâdas.
c4.s4.t1.11
³ Auch X, 132, 1 scheint dieser Typus herzustellen. Erweitert liegt er in Vers 7 vor: b b a a * a.
c4.s4.t1.12
Es kommt zu den hier aufgeführten Formen eine grosse Menge vereinzelter Combinationen der Elemente a und b hinzu, wie sie die frei schaltende Erfindung der Lieddichter hervorbrachte, oft um sie nie wieder, ausser in dem einen Verse, für welchen sie sich zufällig dargeboten hatten, zu wiederholen. Besonders die Dânastuti-Abschnitte, am wenigsten hieratischer Strenge der Form unterworfen, sind an derartigen Versen recht reich; bei ihnen wie an den übrigen analogen Stellen — meistens in einzelnen Hymnen, welche die specielle Heimath solcher freien Bildungen sind — wird sich die Kritik vor Versuchen, die regelmässig gebrauchten Formen herzustellen, hüten müssen. Bisweilen handelt es sich übrigens genau genommen wohl nicht um eine in der Schöpfung ungewöhnlicher Combinationen sich ergehende Intention der Dichter, sondern es passirte ihnen, dass, während sie eine Reihe von Gâyatrî- oder Anushṭubhversen bauten, irgend ein einzelner Pâda als Jagatî-Pâda zu Stande kam. So finden sich in sonst regelmässigen Gâyatrî-Liedern Verse wie die folgenden:
c4.s4.t1.13
VIII, 28, 4 yathâ vaṣanti || devâs tathed asat tad eshâm nakir â minat arâvâ cana martiaḥ. IX, 60, 3 ati vârân || pavamâno' asishyadat kalaṣâñ abhi dhâvati indrasya hârdi âviṣan.
c4.s4.t1.14
Schwerlich wäre es gerechtfertigt, durch Tilgung von tathed asat den ersten Vers, durch die von pavamâno den zweiten in eine regelmässige Gâyatrî zu verwandeln; die Anomalie, die hier vorliegt, ist häufig genug ¹) und begreiflich genug, um sich als solche zu behaupten.
c4.s4.t1.15
¹ Vergl. die analogen Fälle von Vermischungen von Triṣṭubh und Gâyatrî unten S. 117.
c4.s4.t1.16
Im Einzelnen haben wir aufzuführen:
c4.s4.t1.17
I, 23, 19; VIII, 28, 4; 98, 9 ²); IX, 60, 3 baa. — X, 158, 2 aab? — I, 175, 1 abaa (offenbar für aaaa, welches in den folgenden vier Versen vorliegt) ³). — I, 187, 11 aba*a? — X, 170, 4 aabb. — X, 22, 3. 11 baaa⁴). — X, 150, 4. 5 bbb*a. — I, 105, 8 aabaa (für aaaaa). — VIII, 35, 23 baaaa (desgleichen). — VI, 15, 3 bbbb*a⁵). — X, 140⁶): Vers 1. 2 abba; 3-5 baba⁷); 6 bbba. — IV, 1, 1-3: bb*abb*b;
c4.s4.t1.18
² Vergl. unten S. 114.
c4.s4.t1.19
³ Aehnlich IX, 98, 11 aaba (Bṛihatî) statt einer Anuṣṭubh.
c4.s4.t1.20
⁴ Stellvertretend für das in diesem Sûkta herrschende Metrum: ein Triṣṭubh-Pâda mit drei folgenden Gâyatrî-Reihen.
c4.s4.t1.21
⁵ Eine am Ende eines Tṛica auftretende Erweiterung der Jagatî (bbbb).
c4.s4.t1.22
⁶ Von diesem Sûkta heisst es Taitt. Saṃh. V, 2, 6, 1 samudram vai nâmaitac chandaḥ. Vergl. Ind. Stud. VIII, 108.
c4.s4.t1.23
⁷ Das Metrum Sato bṛihatî, das in regelmässiger Verwendung nur als zweite Hälfte der Pragâtha-Strophe existirt (ZDMG. XXXVIII, 478 A. 3). III, 28, 3 findet sich eine vereinzelte Sato bṛihatî, die vielleicht als mit der vorangehenden Triṣṭubh eine Strophe bildend aufzufassen ist; V, 56, 3. 7 stehen Sato bṛihatîs in regelloser Vertheilung zwischen Bṛihatîs.
c4.s4.t1.24
bb*ab*a; bb*abab*a ¹). — VIII, 30 aaa; baa; aaba; aaaa. — X, 144 aaa; aab*a; aaa; aab?; abba; baba.
c4.s4.t1.25
¹ Es sei auf die Aehnlichkeit dieser Verse mit der oben (S. 100) besprochenen Atyashti hingewiesen.
c4.s4.t1.26
Ferner folgende in Dânastutis vorliegende Formen: VIII, 19, 34-37 aab; baba; baa; aaaaa ²). — VIII, 46, 21-24: aaaaa; baaaa; aaa; aaaaa. — Ebendaselbst 29-33: aaa; b*a; aax ³); aaaa*a; aaa. — VIII, 70, 13-15 aba; aaaa; baa. — X, 93, 14. 15 trisht. trisht. b(?)a; ba*a*a.
c4.s4.t1.27
² Vorher (32. 33) steht ein kâkubha pragâtha; vielleicht sind auch diese Verse als zuweien strophenartig verbunden anzusehen; vergl. Prâtiś. 1010.
c4.s4.t1.28
³ x ist ein Pâda von zehn Sylben, eine Gâyatrî-Reihe um einen Jambus vermehrt.
c4.s4.t1.29
Die Combinationen der achtsylbigen und zwölfsylbigen Reihe, die wir bisher nur als Einzelverse kennen gelernt haben, stellen zugleich ein Gebiet oder genauer das Gebiet dar, auf welchem sich Verbindungen zweier unter einander verschiedener Verse zu Strophen entwickelt haben — Bildungen, die denselben Widerstreit und dieselbe Auflösung des Widerstreits von Gâyatrî- und Jagatî-Rhythmus, wie sie innerhalb der Brihatî und Ushnih auftreten, in weiterem Rahmen, mit mannichfaltigerer Gruppirung der metrischen Massen zur Darstellung bringen ⁴). Neben der bereits erwähnten Brihatî (aaba) erscheinen als Elemente regelmässig gebrauchter Strophenformen noch die in selbständiger Verwendung nur ausnahmsweise begegnenden Verse Kakubh (aba) und Satobrihatî (baba); aus ihnen werden zweiversige Strophen so gebildet, dass der erste Vers immer mit a, der zweite mit b anfängt, beide aber mit a aufhören. So entsteht der Kâkubha Pragâtha von der Form aba, baba, und neben ihm mit vollkommener durchgeführtem Gleichgewicht der beiden Verse, so dass jeder derselben vier Pâdas hat, der Bârhata Pragâtha: aaba, baba ¹). Dass innerhalb der umfassenden Einheit dieser Strophen die einzelnen Verse so, wie wir ihre Abgrenzung angedeutet haben, als untergeordnetere Einheiten empfunden wurden, beweist der Bau der Pragâthas an und für sich zur Genüge; dasselbe folgt auch daraus, dass am Ende des ersten Verses die grammatische Construction des Textes einen Abschnitt zu zeigen pflegt, und endlich wird es durch die sogleich zu besprechenden Nebenformen des Pragâtha bestätigt, dass eben an jener Stelle ein vorläufiger Endpunct des metrischen Verlaufes angenommen werden muss.
c4.s4.t1.30
⁴ Zum Folgenden vergleiche man meine in der ZDMG. XXXVIII, 476-480 gegebenen Auseinandersetzungen.
c4.s4.t1.31
¹ Dass die Pragâthastrophen ursprünglich so vorgetragen wurden, wie sie in der Ueberlieferung aussehen, und dass die Wiederholungen einzelner Pâdas, durch welche sie in drei Brihatîs verwandelt wurden, secundär sind, habe ich in der ZDMG. a. a. O. nachzuweisen versucht.
c4.s4.t1.32
An die erwähnten beiden Hauptformen des Pragâtha schliessen sich Nebenformen in erheblicher Menge an. Die meisten derselben haben in einigen bestimmten, metrisch besonders buntscheckigen Sûktas wie V, 53, VIII, 10. 46 ihren Sitz, so dass wir sie nicht auf Fehler der Ueberlieferung, sondern auf die Freiheiten, welche einzelne Liedverfasser sich in ausnahmsweisem Umfang gestattet haben, zurückführen können und müssen. Einige andre Formen finden sich unter regelmässige Pragâthas eingemischt, aber weisen eine so begreifliche Anomalie auf und schützen sich durch ihr übereinstimmendes Erscheinen an verschiedenen Stellen der Texte gegenseitig so, dass auch sie der kritischen Beanstandung entzogen sind.
c4.s4.t1.33
Ich stelle diejenigen Formen voran, die sich als aus den Grundtypen des Pragâtha durch leicht verständliche Erweiterungen hervorgegangen erweisen.
c4.s4.t1.34
1) Die Erweiterung besteht in einem Pâda von der Form a. Derselbe tritt an das Ende des Schemas und ist mit dem vorangehenden Pâda durch die oben (S. 99) characterisierte reimartige Responsion verbunden: VI, 48, 6. 15¹). 21. — Ein Erweiterungs-Pâda mit Responsion tritt an das Ende der Bṛihatî, einer ohne dieselbe an das der Satoḅṛihatî: VI, 48, 7. 8.
c4.s4.t1.35
¹ Hier kommt die Anomalie dazu, dass der zweite Pâda der Satoḅṛihatî die Form b statt a hat.
c4.s4.t1.36
2) Die Erweiterung von der Form ba steht hinter der Satoḅṛihatî; es wird also die Gruppe ba, welche zweimal wiederholt die Satoḅṛihatî ausmacht, noch ein drittes Mal wiederholt. VII, 32, 1-3; VIII, 19, 25-27; IX, 107, 1-3; 14-16²).
c4.s4.t1.37
² Vergl. ZDMG. a. a. O. 480; Prâtiśâkhya 1017.
c4.s4.t1.38
3) Wie wir oben (S. 101 Anm. 3) neben dem Typus b b a a den Typus b b a a*a, neben dem Atyashṭi-Ausgang b*a die Form ba*a (S. 100 Anm. 2) gefunden haben, so entwickelt sich aus der Erweiterung durch zwei Pâdas ba diejenige durch drei Pâdas ba*a. Pragâthas mit dieser Erweiterung sind VI, 48, 11-13. 16-18³); VII, 66, 14-16; VIII, 4, 19-21. Der metrische Character von VII, 66, 16, wie er in diesem Zusammenhang sich mit unzweifelhafter Klarheit herausstellt, zeigt, dass dieser bekannte Vers zu lesen ist, wie er im Ṛigveda überliefert ist:
c4.s4.t1.39
³ Auf diesen Pragâtha folgt noch eine Bṛihatî (V. 19), deren Zugehörigkeit zu dem Vorangehenden dahingestellt bleiben muss.
c4.s4.t1.40
tac cakshur deva- || hitam śukram uccarat
paśyema śaradaḥ śatam
jîvema śaradaḥ śatam —
c4.s4.t1.41
wogegen der in den andern Zweigen der vedischen Textüberlieferung (Vāj. Saṃh., Maitr. Saṃh., Taitt. Āraṇy., Hiraṇy. Gṛihya, Gobhila) gemachte Versuch, durch Einfügung von purastāt vor ṣukram den Gāyatrī-Rhythmus durch das Ganze durchzuführen¹), sich als das Werk eines Interpolators erweist.
c4.s4.t1.42
¹ Wobei allerdings der erste Pāda es nur auf sieben Sylben bringt (tac cakṣur devahitam).
c4.s4.t1.43
4) Ein Anhang von vier Pādas (b b a*a) findet sich in dem Pragātha VII, 96, 1-8.
c4.s4.t1.44
5) Die Erweiterung des Pragātha durch die Hinzufügung einer zweiten Sato bṛihatī begegnet nicht bei normalen Pragāthas, wohl aber bei anomalen Strophenformen, von welchen weiter unten die Rede sein wird. —
c4.s4.t1.45
Den erweiterten Formen des Pragātha müssen diejenigen angereiht werden, welche im ersten Verse nur das Element a enthalten (in 3- resp. 4facher Wiederholung, als Gāyatrī oder Anuṣṭubh): so V, 61, 8. 9 (in einer Dānastuti); VIII, 46, 8. 9; 101, 3. 4; 103, 10. 11; ferner mehrfach so, dass nicht die reguläre Sato bṛihatī, sondern eine anomale Combination der Elemente a und b an zweiter Stelle steht.
c4.s4.t1.46
Es bleiben endlich auch hier eine Anzahl vereinzelter Bildungen übrig, Erfindungen des Moments und im Ganzen auf wenige Stellen der Saṃhitā beschränkt, an denen sie dann in grösseren Massen zu begegnen pflegen. Ein Sūkta, das mir zu den Hauptsitzen solcher Pragāthaformen zu gehören scheint, ist V, 53. Ludwig²) rechnet dasselbe zu den Stücken, in welchen Verse aus achtsylbigen und zwölfsylbigen Pādas gemischt vorkommen »ohne symmetrische strophische (Pragātha-) Gliederung«; ebenso findet Grassmann in diesem Liede eine Aneinanderreihung solcher Verse »ohne strenges Gesetz und ohne dass mit Sicherheit Zusammenfügung aus verschiedenen Liedern nachzuweisen wäre«. Das Vorhandensein eines strengen Gesetzes, einer durchgeführten Symmetrie in diesem Sûkta wird auch gewiss Niemand behaupten wollen, aber insofern lässt sich doch in Bezug auf den Bâu desselben über den von jenen beiden Forschern geleisteten Verzicht auf die Erkenntniss irgend welcher Ordnung hinauskommen, als eine Gliederung nach meist zweiversigen Strophen durch eine Reihe von Indicien, wie ich glaube, zu erheblicher Wahrscheinlichkeit gebracht werden kann — Strophen, in welchen der Pragâthatypus bei sehr freier und unregelmässiger Handhabung doch einem für diesen Typus und seine Varietäten geschärften Auge mit unverkennbarer Deutlichkeit überall sichtbar wird. Das Schema der Pâdas ist das folgende:
c4.s4.t1.47
² Bd. III S. 64, vergl. 68.
c4.s4.t1.48
1. 2 (Prâtiṣ. 1020) aba; aaba. — 3. 4 (Prâtiṣ. 1021) aaaa; baa. — 5-7 aba; baba; baba. — 8. 9 aaa; baba. — 10. 11 aba; aba¹). — 12-14 aaa; baba; baba. — 15. 16 aba; baba.
c4.s4.t1.49
¹ Das Ende des zweiten Pâda von Vers 11 wäre vielleicht vor, nicht hinter suṣastibhiḥ anzunehmen. Dieser Auffassung nach hätte der Vers die Form aab.
c4.s4.t1.50
Ich habe in diesem Schema bereits angedeutet, wo mir die Strophenabschnitte zu liegen scheinen. Der Gedankenzusammenhang des Liedes giebt hier wie so häufig nur einen unvollkommenen Anhalt für deren Aufsuchung ²); um so bezeichnender sind die Combinationen der Metra. Von den sieben Strophen, die wir unterscheiden, fangen vier mit einer Kakubh (aba) an, die übrigen drei mit ungemischten Combinationen des Elements a (Gâyatrî, Anushṭubh): alle also mit Formen, die entweder in einem regelmässigen Pragâtha-typus oder doch in einer wiederholt begegnenden Nebenform als erste Verse der Strophe auftreten. An einer andern als der ersten Stelle findet sich in unserm Sûkta weder eine Kakubh ¹) noch ein allein aus achtsylbigen Pâdas gebildeter Vers; vielmehr überwiegen an den andern Stellen die mit b anhebenden Combinationen ²). Sechsmal enthält das Lied Satobṛihatîs, die zum Theil auf die zweite Stelle der Strophe — den regelmässigen Platz der Satobṛihatî — fallen, zum Theil zu zweien neben einander als zweiter und dritter Vers auftreten: die einzige in diesem Sûkta begegnende Art dreiversiger Strophen, mit doppelter Setzung der Satobṛihatî, eine Form, die nach den oben verzeichneten Erweiterungsbildungen des Pragâtha nicht für unwahrscheinlich gehalten werden wird. So bewegen sich die von uns angenommenen Strophen in ziemlich engem Spielraum um die feststehenden Pragâtha-typen; die letzte stellt direct einen dieser Typen dar; die Abweichungen der übrigen liegen fast durchweg in Richtungen, die bereits anderweitig von uns beobachtet sind. Damit dürfte die Ordnung in dem auf den ersten Blick hoffnungslosen metrischen Chaos dieses Liedes hergestellt sein, soweit hier überhaupt in einem sehr relativen Sinne von Ordnung die Rede sein kann.
c4.s4.t1.51
² Ganz belanglos sind die Indicien dieser Art doch nicht. Man beachte, dass Vers 1 und 2 als Frage zusammengehören. In V. 5-7 steht die Vorstellung des Regens, den die Marut bringen, im Vordergrund. 8-9: Kommt, ohne euch hemmen zu lassen. 10. 11 Wiederholungen der Ausdrücke ṣardha und gaṇa. Die Verse 8. 10. 12 lassen deutlich einen von dem Vorangehenden sich loslösenden Neuanfang erkennen.
c4.s4.t1.52
¹ Ausser in Vers 11, wenn dort etwa doch an der überlieferten Fassung festzuhalten wäre; vergl. die vorletzte Anmerkung.
c4.s4.t1.53
² Befremdend ist nur, oder wäre in einem regulärer gebauten Liede, die Bṛihatî in der ersten Strophe (V. 2). Die Einfügung eines Wortes, welches dieselbe in eine Satobṛihatî verwandelt (wie etwa aitân ratheshu || priśhatîshu tasthushaḥ, worauf V, 60, 2 führen würde) lässt sich hier kaum wagen. Vergl. auch VIII, 46, 6. 7 und 10. 11.
c4.s4.t1.54
Mit V, 53 einigermaassen vergleichbar ist VIII, 46, 1-20 ¹). Das Schema wird in folgender Weise aufzustellen sein:
c4.s4.t1.55
¹ Dies ist der erste der vier Abschnitte von VIII, 46; der zweite Hauptabschnitt umfasst V. 25-28, zwei Bârhata Pragâthas an Vâyu: auf jeden dieser beiden Abschnitte folgt eine Dânastuti (21-24; 29-33, s. oben S. 103). Von Vers 28 kann natürlich nicht, wie in Ludwig's Uebersetzung, die Construction nach 29 hinübergreifen.
c4.s4.t1.56
1-3 aaa; aaa; aaa (Gâyatrî-trica). — 4. 5 (Prâtiṣ. 1010) aaa; baa. — 6. 7 (Prât. ebend.) aaa; aaba. — 8. 9 aaaa; baba. — 10. 11²) aaa; aaba (vergl. 6. 7). — 12. 13 abab; bb. — 14-16 meist unsicher; viele unregelmässige resp. verderbte Pâdas. — 17. 18 baaba??³) baa*ax⁴). — 19. 20 aab*a; aa triṣṭ. a.
c4.s4.t1.57
² Hier und im Folgenden entfernen wir uns von den Theilungen des Prâtiṣâkhya (Vers 11-12: Sûtra 1016; 13-14: 1019; 16-17: 1018 — wo bleibt Vers 15?). Dass die Autorität desselben in derartigen Fragen von Unfehlbarkeit weit entfernt ist, zeigt sich z. B. darin, dass dasselbe aus I, 51, 15-52, 1; 53, 11-54, 1; V, 56, 9-57, 1 Pragâthas macht (Sûtras 1015. 1030 fg.)!
c4.s4.t1.58
³ Ich versuche durch Umstellung von mịḷhushe (hinter gîrbhir) einigermaassen richtige Pâdas zu gewinnen.
c4.s4.t1.59
⁴ x ist eine Gruppe von vier Sylben mit jambischem Rhythmus (pra adhvare).
c4.s4.t1.60
Abgesehen von dem nicht zu verkennenden Trica 1-3 und von der dunkeln Verstriade 14-16 ordnet sich alles nach zweiversigen Strophen, die besonders von Vers 4 bis 11 in ihrem Bau gut characterisirt sind: auf einen ersten Vers, der nur das Element a enthält, folgt ein zweiter aus a und b gemischter; die Verspaare 6. 7 und 10. 11 halten sich gegenseitig durch ihren identischen Bau; die nur einmal (V. 9) begegnende Satobṛhatî steht an ihrer richtigen Stelle. Auch die Aushebungen aus diesem Sûkta im Sâmaveda ⁵) und der Gedankenzusammenhang ¹) passen zu unsrer Strophentheilung.
c4.s4.t1.61
⁵ Vier Verse erscheinen in der Sammlung der Yonis (1. 4. 10. 14); sie stehen sämmtlich an der Spitze der von uns angenommenen Strophen.
c4.s4.t1.62
¹ Fast jede unsrer Strophen wird durch deutliche Einheit des Gedankens zusammengehalten und von den benachbarten abgegrenzt. — Grassmann's Operationen haben vor der früher von Procrustes angewandten Methode nur das voraus, dass der moderne Kritiker Glieder, die er an der einen Stelle abgehauen hat, an einer andern anheilen zu lassen sich bemüht.
c4.s4.t1.63
Weitere Beispiele anomaler Pragâthabildungen liefern die beiden Lieder VIII, 10 und 22. Von den drei Pragâthas, aus welchen das erstere besteht, ist der letzte regelmässig; die beiden andern zeigen die Form: a a b a; b a b b ²). — a a a a; a a b b. In VIII, 22 finden sich zwischen normalen Pragâthas zwei Verspaare, die durch jene Umgebung wie durch ihr eignes Aussehen als irreguläre Pragâthas erwiesen werden: 7. 8 a a b a; a a a a. — 11. 12 a b a, b a b b (vergl. VIII, 10, 2).
c4.s4.t1.64
² Grassmann will durch Tilgung von indrâvishṇú die normale Satobrihatî herstellen — wenn nur der Vers in einer Umgebung stände, welche normalen Bau vorauszusetzen das Recht gäbe. Vergl. übrigens VIII, 22, 12.
c4.s4.t1.65
In VIII, 103 findet sich nach verschiedenen andern Pragâthaformen in Vers 12. 13 ein Pragâtha, in welchem neben Jagatîreihen (b) eine Trishtubhreihe (t), und ebenso neben vollständigen achtsylbigen Pâdas (a) verkürzte Pâdas von sieben Sylben (a') begegnen (man bemerke die Proportion a : a' = b : t): b a' a, b a' t a.
c4.s4.t1.66
Schliesslich sei auf VIII, 19, 34. 35 hingewiesen. Dieser Pragâtha besteht aus einer Ushnih mit folgender Satobrihatî. Wenn sich auch allenfalls durch Umstellung des überlieferten Avasâna aus der Ushnih eine metrisch wenigstens erträgliche Kakubh machen liesse, scheint mir doch eben an dieser Stelle des Rigveda, an welcher eine besondere Vorliebe für das Ushnih-Metrum hervortritt, die überlieferte Anomalie wohl haltbar zu sein.
2. Verbindungen viersylbiger Pâdas
c4.s4.t2.1
Viersylbige Pâdas, die nie für sich allein zu Versen zusammentreten, auch nie an der Spitze einer Reihe erscheinen, finden sich bisweilen angelehnt an Gâyatrî-, seltener an Jagatîreihen. Sie zeigen jambische Gestalt ¹) und stellen sich so in Corresponsion zu dem jambischen Rhythmus des Versausgangs, an den sie sich anschliessen ²). Vielfach ist durch ein ganzes Sûkta oder einen Trica hindurch an der entsprechenden Stelle eines jeden Verses derselbe viersylbige Pâda wiederholt; besonders häufig sind es hervortretende Schlagworte, an einen Gott gerichtete Vocative u. dergl., die einen solchen Pâda bilden ³).
c4.s4.t2.2
¹ Dieser Satz erleidet dieselben Einschränkungen, wie die Vorschrift jambischen Ausgangs für die Gâyatrî-Reihe; vergl. V, 24, 4 sakhibhiaḥ; I, 84, 7-9 indro' aṅga.
c4.s4.t2.3
² Nach der trochäisch ausgehenden Trishṭubh finden sie sich nicht.
c4.s4.t2.4
³ Z. B. śatakrato, śacîpate, vicarṣaṇe; oder auch ati dviṣaḥ, ni shu svapa, u. dergl. mehr.
c4.s4.t2.5
Im Einzelnen sind folgende Fälle zu verzeichnen:
c4.s4.t2.6
a. Viersylbige Pâdas in Verbindung mit vier achtsylbigen Reihen (einer Anushtubh). Die vier Sylben wiederholen sich Vers für Vers hinter der Anushtubh (a a a a x): VII, 55, 2-4; X, 126. Ebenso ohne Wiederholung des Wortlauts in x: VIII, 97, 11. 12 (vergl. Sâmav. vol. III p. 544 fg. Bibl. Ind.); desgl. mit der Form a a a * a x: VIII, 46, 18. Oder hinter jedem der beiden letzten Anushtubh-Pâdas stehen die vier Sylben: so die bekannten Refrains der Vimadas vi vo made und vivakshase X, 21; 24, 1-3; 25. Oder endlich allein hinter dem vorletzten Anushtubh-Pâda: VIII, 62, 7-9. Indem dieser vorletzte Pâda zusammen mit dem viersylbigen Anhang dem Aussehen eines zwölfsylbigen (Jagatî-) Pâda ähnlich wird, entsteht der Schein, als ob der ganze Vers eine Bṛhatî (aaba) bilde, und als solche wird er in der That von der indischen Tradition benannt ¹).
c4.s4.t2.7
¹ Vergl. zu diesem Verse noch unten S. 113 Anm. 2.
c4.s4.t2.8
b. Viersylbige Pâdas im Anschluss an drei achtsylbige Reihen.
c4.s4.t2.9
α. Der häufigste Fall ist, dass der viersylbige Pâda am Ende steht. Der so entstehende Vers (aaax, wobei x den viersylbigen Pâda bezeichnet) verhält sich zur Uṣṇiḥ (aab) genau so, wie der vorher beschriebene zur Bṛhatî; und so wird dieser Vers nicht nur von der indischen Terminologie als Uṣṇiḥ benannt, sondern er findet sich in der That an einigen Stellen mit der Uṣṇiḥ in dem früher erörterten Sinn dieser Bezeichnung promiscue gebraucht. Die Unterscheidung der beiden Uṣṇiḥ-Typen für jeden einzelnen Vers ist nicht durchweg mit Sicherheit möglich; wo aber Reihen von Versen vorliegen, kann es kaum zweifelhaft bleiben, ob, was auf die beiden ersten Pâdas folgt, dem einen Typus mit einem Wortende nach der vierten oder fünften, oder dem andern mit einem Wortende nach der achten Sylbe zugehört; ob dem Gâyatrî-Rhythmus entsprechend die sechste Sylbe stehend lang, oder ob sie, nach den Gesetzen der Jagatî-Reihe, überwiegend kurz ist. So stehen sich beispielsweise gegenüber eine Uṣṇiḥ von dem Typus aaax (IX, 106, 3):
c4.s4.t2.10
asyed indro madeshu â
grâbham gṛbhṇita sânasim
vajram ca vṛishaṇam bharat
sam apsujit —
c4.s4.t2.11
und eine Uṣṇiḥ von der Form aab (das. 14):
c4.s4.t2.12
ayâ pavasva devayuḥ
madhor dhârâ’ aṣrikshata
rebhan pavitram || pari eshi viṣvataḥ.
c4.s4.t2.13
Vielfach hat der Pâda x, bisweilen ausser ihm auch der vorangehende letzte Pâda a durch ein Lied oder einen Tṛca hindurch denselben refrainartigen Wortlaut ¹). — Als Beispiel der Vermischung der beiden Uṣṇiḥ-Formen kann III, 10 erwähnt werden. Vers 6 zeigt den unverkennbaren Jagatî-Ausgang: mahe vâjâya || draviṇâya darṣataḥ.
c4.s4.t2.14
¹ So ist z. B. in VIII, 12 Tṛca für Tṛca der Pâda x wiederholt, im neunten und zehnten Tṛca auch der letzte achtsylbige Pâda.
c4.s4.t2.15
Aber ebenso unverkennbar haben die übrigen Verse den achtsylbigen Pâda mit der Erweiterung von vier Sylben: 7 hotâ mandro vi râjasi ati sridhaḥ. 8 bhavâ stoṭribhyo’ antamaḥ suastaye, u. s. w.
c4.s4.t2.16
Auf einen Einfluss des Jagatî-Typus mag es auch zurückzuführen sein, wenn VIII, 13, 15 unter lauter Versen von der Form a a a x sich der folgende findet, mit dem über die Scheide von a nnd x hinüberreichenden Abhinihita Sandhi: yad vâ samudre’ andhaso ’vited asi ²).
c4.s4.t2.17
² Von der Uṣṇiḥ-Form a a a x fällt ein gewisses Licht zurück auf die vorher (S. 111) bereits erwähnten Verse VIII, 62, 7-9 a a x a. Die übrigen Tṛcas von VIII, 62 bestehen aus Anuṣṭubhs, deren jede durch den Refrain-Pâda bhadrâ’ indrasya râtayaḥ zu einer Paṅkti erweitert ist. Derselbe Pâda steht auch in Vers 7-9 stehend hinter dem x am Versende. Es ist also nicht vollkommen genau, diese Verse a a x a als durch x erweiterte Anuṣṭubhs aufzufassen; in der That sind es Uṣṇiḥs (a a a x), erweitert durch einen Refrain-Pâda a.
c4.s4.t2.18
β. Der viersylbige Pâda in Verbindung mit drei achtsylbigen Reihen nimmt eine andre Stellung als das Ende ein. So in den beiden Tṛcas VIII, 98, 7-12. Der zweite (10-12) ist der regelmässigere; er zeigt stehend die Form a a x a. Der erste hat diese Form nur in Vers 7 ³), während in Vers 8 das x am Ende steht und Vers 9 aus b a a besteht, wobei b unverkennbar als Aequivalent von a + x gilt. Wie wir eine Nebenform der Bṛihatî a a x a, und der Uṣṇih a a x kennen gelernt haben, kann a a x a in demselben Sinne als eine Nebenform der Kakubh bezeichnet werden.
c4.s4.t2.19
³ Lies kâmân = kâmaan.
c4.s4.t2.20
c. Viersylbige Pâdas neben zwei achtsylbigen Reihen. Dieser Fall liegt V, 24 und X, 172 vor ¹), wo die Form a a x erscheint. Wie in dem zuletzt besprochenen Ṭrica ist jedoch die Stellung des x keine vollkommen feststehende; X, 172, 3 kann ohne Gewaltsamkeit nur als a x a aufgefasst werden.
c4.s4.t2.21
¹ Vergl. Sâmaveda vol. I p. 898 fg., 902 Bibl. Ind. Man bemerke, dass die viersylbigen Anhänge in einigen unter den dort gegebenen Liedgestalten mit besonders reichlichen Verzierungen ausgestattet, in andern weggelassen sind.
c4.s4.t2.22
d. Viersylbige Pâdas neben J a g a t î - R e i h e n oder Mischungen von J a g a t î - und G â y a t r î - R e i h e n. Hierher gehören die beiden Lieder VIII, 36. 37. Sie stehen unter einander in genauer Parallelität; jedes hat sieben Verse, von denen der letzte eine an beiden Stellen — bis auf kleine, unzweifelhaft beabsichtigte Unterschiede — gleichlautende Jagatî ist. Die ersten je sechs Verse zeigen unter einander in ihrem Bau grosse Aehnlichkeit, aber nicht vollkommene Gleichheit; man sieht deutlich, wie in diesen Combinationen schon das nur annähernd Gleiche als gleichwerthig empfunden worden ist. Der grösste Theil des Textes ist durch jedes der beiden Lieder Vers für Vers wiederholt; wir setzen das betreffende Stück in dem hier aufzustellenden Schema in Klammern:
c4.s4.t2.23
36, 1-6 b[ax, abxa]. 37, 1 bx[b^2), bxa]. 37, 2-6 b[b^2), bxa].
c4.s4.t2.24
² Statt dieses b könnte auch x a anzunehmen sein.
c4.s4.t2.25
Genau die nämliche Differenz in Bezug auf das Erscheinen oder Nichterscheinen des einen x wie in VIII, 37 findet sich auch II, 22. Hier haben wir: Vers 1 b x b x b x [b x ¹)]. Vers 2. 3 b x b x b [b x ¹)].
c4.s4.t2.26
¹ Dass die Zurückführung der Worte sainam saṣcad devo devam satyam indram satya' induḥ auf die Form bx nur gezwungen möglich ist, lässt sich nicht leugnen. Vielleicht sind es zwei Gâyatrîreihen mit trochäischem Rhythmus.
c4.s4.t2.27
Schwierig ist Vers 4, wo die Worte pravâciam kṛitam eine sechssylbige Reihe zu bilden scheinen. Führt man sie durch Tilgung des überflüssigen kṛitam ²) auf die zu erwartende viersylbige Form zurück, so erhält man das Schema abx, bx, bax.
c4.s4.t2.28
² Die Construction ist dann: tava tyad ... apaḥ ... pravâciam, yad etc.
c4.s4.t2.29
Die Verbindung bbx endlich liegt VIII, 46, 15 in einer an abnormen Bildungen besonders reichen Umgebung vor.
3. Anderweitige Verbindungen verschiedenartiger Pâdas in demselben Verse
c4.s4.t3.1
Verbindungen von Triṣṭubh-Reihen mit Reihen andrer Art innerhalb desselben Verses begegnen im Ṛigveda, wie bereits erwähnt wurde, nie oder doch so gut wie nie mit dem Character des Normalen, so dass sie in stehender Wiederholung durch ein Lied durchgingen. Die häufigste Verbindung dieser Art würde allerdings in der Zahl der betreffenden Fälle manchen Versformen, die wir regelmässig nennen müssen, ohne Zweifel weitaus vorangehen, aber auch sie trägt den Character einer Licenz, die man sich in weitestem Umfang gestattete, aber welche in geregelter Wiederkehr zu verwenden kaum Sinn gehabt hätte und auch nicht versucht worden ist. Ich spreche von den Versen aus gemischten Triṣṭubh- und Jagatîreihen, wie sie, in verschiedenen Theilen des Veda mit sehr verschiedener Häufigkeit, in allen denkbaren Combinationen der beiden Elemente sich finden, jedoch kaum irgendwo so durchgehend, dass der Character eines Sûkta, als in Trishtubh oder in Jagatî verfasst, dadurch zweifelhaft werden kann. Gelegentlich vermischt sich die in Rede stehende Erscheinung mit einer verwandten, von welcher weiter unten die Rede sein muss, dem Wechsel nämlich ganzer Trishtubh-Verse und ganzer Jagatî-Verse in demselben Liede. Es kann als eine Fortsetzung oder Modification dieser letzteren Erscheinung angesehen werden, wenn der Scheidepunct zwischen den Gebieten des trochäischen und des jambischen Reihenausgangs gelegentlich in das Innere eines Verses hineinfällt, der dann ein Nebeneinander von Trishtubh- (t) und Jagatî- (b) Elementen darstellt. So hängt z. B. die Form von I, 53, 10, bttt, unverkennbar damit zusammen, dass die neun ersten Verse des Liedes in reinem, ungemischtem Jagatî-Metrum gedichtet sind, während der Schlussvers (11), wie bei Jagatî-Liedern häufig der Fall, eine Trishtubh ist: Vers 10 stellt sich in seinem ersten Pâda zu dem was vorangeht, in seinen drei letzten Pâdas zu dem was folgt. Ebenso ist das Schema von VI, 75, 7, bttt, offenbar durch das Vorhergehen einer Jagatî, das Nachfolgen von Trishtubh-Versen hervorgerufen. — An andern Stellen ist es eine stehende Formel des Liedschlusses oder eine sonstige stereotype Wendung, deren Gebrauch am Ende eines Verses den Wechsel zwischen elfsylbigen und zwölfsylbigen Reihen motivirt; so z. B. VII, 54, 1 die Formel şam no bhava || dvipade şam catushpade am Ende einer Trishtubh; II, 43, 3 der stehende Versschluss der Gritsamadas, bṛihad vadema || vidathe suvîrāḥ, am Ende einer Jagatî. In weitaus den meisten Fällen aber — besonders häufig finden sich dieselben im zehnten Buch — handelt es sich bei dem Wechsel von Jagatî- und Trishṭubhreihen einfach um eine Licenz, die weiterer Erklärung weder bedürftig noch fähig ist.
c4.s4.t3.2
Von den Combinationen aus Gâyatrî- und Trishṭubhreihen (a und t), zu welchen wir uns jetzt wenden, erklärt sich ein Theil eben aus der besprochenen Freiheit in Bezug auf die Vertauschung von Jagatî und Trishṭubh: Formen, welche aus der Verbindung der Elemente a und b bestehen, gehen, indem t für b eintritt, in Verbindungen von a und t über. So verbinden sich Trishṭubhreihen, welche Jagatîreihen vertreten, mit achtsylbigen Pâdas in dem Metrum Bṛihatî (z. B. VII, 16, 5; VIII, 46, 20), SatoBṛihatî (z. B. VIII, 54, 8; 103, 13; IX, 107, 9), Ushṇih (I, 150, 1. 3; VIII, 25, 18; 26, 22), Atyashṭi (z. B. I, 127, 1; IX, 111, 1). Das in X, 93 herrschende Metrum bbaa (s. oben S. 101) wird mehrfach¹ durch ttaa vertreten; für b bba VIII, 35 findet sich t b b a (Vers 6. 13-15) und b t b a (10-12).
c4.s4.t3.3
¹ In Vers 1 und 4. Der vermuthlich verderbte Vers 14 könnte das Schema t t b a haben.
c4.s4.t3.4
Regelmässig durchgeführt ist eine Verbindung der Elemente t und a nur in einem einzigen Sûkta, X, 22, dessen Verse die Form t a a a haben². Sonst begegnen derartige Verbindungen nur in ganz vereinzelten Fällen, in welchen der Dichter aus dem Trishṭubh-Rhythmus in den der Gâyatrî oder aus diesem, wo derselbe für den auszudrückenden Gedanken nicht den genügenden Raum bot, in jenen verfallen ist. So findet sich X, 126, 5 a a t a x für das sonst in jenem Lied herrschende Metrum a a a x; der Text trägt entschieden das Gepräge der guten Ueberlieferung. Zwischen Trishṭubhversen erscheint I, 164, 42 die Form t t a a; V, 33, 7, X, 81, 2 a t t t; zwischen vermischter Trishṭubh und Jagatî I, 162, 14 batt ¹). Die in Trishṭubh verfassten Ritualsprüche über den drapsa skanna (X, 17, 11-13) verfallen zum Schluss in Gâyatrî; so entsteht in Vers 13 die Form taaa ²). In III, 21, 4. 5 liegt ein Hinübergleiten aus der Trishṭubh in die Pragâtha-form vor: ttta; baba. Das Lied, in welchem diese Anomalie begegnet, ist überhaupt ein Sammelplatz wechselnder Versmaasse; vielleicht wäre es richtiger, dasselbe gar nicht als »Lied«, sondern als eine Sammlung ritueller Sprüche über einen bestimmten Detailpunct des Opferrituals (die stokas) zu bezeichnen. Einen ähnlichen Character tragen die sîtâ-Sprüche IV, 57: und auch unter ihnen findet sich eine ähnliche Combination von Gâyatrî- und Trishṭubh-Elementen, taa Vers 5 ³). Liedern aus gemischten Versmaassen gehören endlich die Verse an I, 88, 5 ttat (so vielleicht auch in Vers 1 herzustellen); daselbst Vers 6 ttaa; V, 19, 5 attt; auch IX, 67, 30, die Combination einer Trishṭubhreihe mit den beiden
c4.s4.t3.5
² Dies ist offenbar die Norm; b a a a in Vers 3. 11, a a a a V. 7 sind Abweichungen von derselben.
c4.s4.t3.6
¹ Das Schema ttat (zwischen reinen Trishṭubhs) erscheint in der überlieferten Gestalt von I, 122, 5:
c4.s4.t3.7
² Denkbar, aber keineswegs gefordert ist die Herstellung der Form aaaa durch Tilgung von skanno, das aus dem skandati der vorangehenden Verse interpolirt sein könnte.
c4.s4.t3.8
³ Die Fassung dieses Verses im Taitt. Âr., a a a (Weglassung von jushethâm) ist ein verfehlter Besserungsversuch.
c4.s4.t3.9
â vo ruvaṇyum || auṣijo huvadhyai
ghosheva ṣamsam || arjunasya namṣe
pra vaḥ pûṣṇe dâvana’ â (âñ überlief.)
achâ voceya || vasutâtim agneḥ.
c4.s4.t3.10
Der Zusammenhang zeigt eben da, wo die achtsylbige Reihe statt der elfsylbigen erscheint, eine Lücke, welche auf Textverderbniss hinweist. Man erwartet einen Imperativ, wie Vers 4 pra vo napâtam || apâm kṛiṇudhvam. Von demselben müsste der Dativ pûṣṇe abhängen, und so scheinen es Stellen wie die folgenden zu sein, an welche die Ergänzung sich anlehnen müsste: VIII, 89, 3 pra va’ indrâya . . . brahma arcata; VII, 31, 1 pra va’ indrâya mâdanam . . . gâyata; I, 37, 4 pra vaḥ ṣardhâya ghṛishvaye . . . brahma gâyata; VIII, 32, 27 pra va’ ugrâya niṣṭure . . . brahma gâyata, u. s. w. Also könnte hinter pûṣṇe etwa arcata oder gâyata einzuschieben sein. Für dâvana’ â im Trishṭubh-Ausgang vergl. dama’ â VII, 42, 4.
c4.s4.t3.11
S. 39 besprochenen neunsylbigen Pâdas, mag hier erwähnt werden.
c4.s4.t3.12
Ueber Combinationen von Trishṭubh- und Virâj-reihen ist oben S. 73. 97 fg. gesprochen worden.
Cites (9)
- Ṛgvedasaṃhitā — Sanskrit
- Kṛṣṇayajurvedasaṃhitā — Sanskrit
- Gobhilagṛhyasūtra — Gobhila, Sanskrit
- Ṛgvedaprātiśākhya — Śaunaka, Sanskrit
- Kṛṣṇayajurvedasaṃhitā — Sanskrit
- Hiraṇyakeśigṛhyasūtra — Hiraṇyakeśin, Sanskrit
- Taittirīyāraṇyaka — Sanskrit
- Śuklayajurvedasaṃhitā — Sanskrit
- Sāmavedasaṃhitā — Sanskrit