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# Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c7.20

Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c7.20

- **Language:** German

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Erwägungen andrer Art kommen hinzu, die freilich für sich allein keine volle Beweiskraft besitzen würden, aber doch im Stande sind, das anderweitig gefundene Resultat wesentlich zu unterstützen: die Betrachtung der Praxis, welche die Theologen des Brâhmaṇa-Zeitalters in ihren eignen Versen hinsichtlich der bei der vedischen Textdiaskeuase in Frage kommenden Puncte beobachtet haben. Es wäre allerdings principiell unrichtig anzunehmen, dass die Textordner den alten Texten nur solche Lautgesetze aufdrängen konnten, welche in der poetischen Praxis ihrer eignen Zeit thatsächlich anerkannt waren. Man sieht leicht, dass die phonetische Speculation über Vorhandenes, namentlich wenn sie von Männern gehandhabt wurde, die für ungesunde, in der Luft schwebende Einfälle so zugänglich waren wie die vedischen Grammatiker, sich nicht ohne Weiteres an dieselben Wege zu binden brauchte, welche die phonetische Behandlung neuen, selbstgeschaffenen Stoffes im gleichen Zeitalter einschlug. Wollten wir, um die Entstehungszeit der dem Veda aufgedrängten Sandhiregeln zu ermitteln, in der späteren Literatur nach Texten suchen, für welche jene Regeln genau zuträfen, so würden wir dieselben nirgends finden. Im Prâtiśâkhya selbst fehlt es nicht an Stellen, an welchen Śaunaka's eigne Verse mit den von ihm ausgesprochenen Gesetzen im Widerspruch stehen. Aber ein nicht zu vernachlässigendes Element des Richtigen bleibt doch übrig in dem Gedanken, dass bei den mit dem Vedatext beschäftigten Grammatikern und den gleichzeitigen selbst producirenden Verskünstlern verwandte Anschauungen über Fragen der phonetischen Behandlung zu erwarten sind. Die vornehmste Veranlassung für jene Grammatiker, in den Veda irgend welche für denselben thatsächlich nicht passende Lautgesetze hineinzutragen, wird doch immer die gewesen sein, dass die literarische Sprache ihrer eignen Zeit jene Gesetze mehr oder minder anerkannte. In dem Grade dieser Anerkennung, in der Schrankenlosigkeit der Durchführung solcher Gesetze mochte die grammatische Speculation der lebendigen poetischen Praxis voraneilen oder hinter ihr zurückbleiben. Sie mochte an manchen Puncten auf Seitenwege gerathen, deren willkürliche Richtung sich jeder Erklärung von unsrer Seite entzieht. Aber im Grossen und Ganzen können wir darum doch kaum auf einem falschen Wege sein, wenn wir eine Diaskeuase, die dem Veda gewisse in der jüngeren Literatur thatsächlich geltende Regeln der lautlichen Behandlung aufzwingt, nicht in ein Zeitalter setzen mögen, welches von der Befolgung jener Regeln noch weit entfernt war. Und entfernt genug in der That war die Praxis der Versmacher aus der Brâhmaṇaperiode von dem unnatürlichen Extrem, bis zu welchem die spätere Zeit und in ihr die vedische Diaskeuase gegangen ist. Man befand sich allerdings auf einem Wege, der zu diesem Extrem führte, aber wir brauchen unter den in den Brâhmaṇas vorkommenden und unzweifelhaft aus dem Brâhmaṇa-Zeitalter, theilweise sogar aus den jüngeren Regionen dieses Zeitalters herrührenden Versen nicht lange zu suchen, um noch immer recht zahlreichen Beispielen der alten, naturwüchsigen Wortformen mit i und u statt des späteren y und v, mit Hiatus statt der Contraction zu begegnen. Nur Weniges sei aus der Fülle der vorhandenen Materialien herausgegriffen. Das Metrum verlangt i statt y z. B. Ait. Brâhm. VIII, 23 aṣvân baddhvâya medhiân; VII, 17 (Ṣunaḥ-ṣepa-Legende) nâpâgâḥ ṣaudrân niâyàt, sauhârdiàya me ṣriyai; Ṣatap. Brâhm. XIV, 4, 3, 34 (Kaṭh. Up. II, 4, 9) yataṣ codeti sûriaḥ, u. dergl. mehr. Am Wortende vor folgendem Vocal wird i verlangt Ṣatap. Br. X, 5, 2, 18 anne bhâti apaṣritaḥ etc. Statt v wird u verlangt Ṣatap. Br. XIV, 4, 3, 1 due devân abhâjayat; XIV, 4, 3, 34 (Kaṭh. Up. II, 4, 13) sa evâdya sa u ṣuaḥ. Hiatus zwischen a und a, a und â, â und a wird durch das Metrum erfordert: Ait. Br. V, 30 akṛitvâ anyad upayojanâya; VII, 17 yathaiva Âṅgirasaḥ san; VII, 18 Jahnûnâm ca adhipatye, etc. etc.

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