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Geschichte der indischen Litteratur v3.c21.s5: Die hervorragendsten Dichter der späteren Jahrhunderte

Geschichte der indischen Litteratur v3.c21.s5

Language
German

Die hervorragendsten Dichter der späteren Jahrhunderte

v3.c21.s5.1

Unter den kaschmirischen Königen Cippaṭajayāpīda (826 bis 838) und Avantivarman (855—883) lebte der epische Dichter Rājānaka Ratnākara, der Verfasser des Haravijaya, der Vakroktipañcāśikā und zahlreicher Verse in den Anthologien³).

v3.c21.s5.2

³ Verse von ihm sind übersetzt von Aufrecht, ZDMG 36, 372 ff. Vgl. Peterson, Subh. 96 ff.; Jacobi, WZKM 2, 212 ff.; 5, 25 ff.; Rājatarangiṇī 5, 34; V. S. Apte, Rājaśekhara, his Life and Writings, Poona 1886, p. 16 f.; Bühler, Report 42 ff. und Stein, Rājatarangiṇī Transl., Vol. I, p. 95 f.

v3.c21.s5.3

Am Ende des 9. und am Anfang des 10. Jahrhunderts unter den Herrschern von Kanauj, Mahendrapāla und Mahīpāla, lebte der Dramatiker Rājaśekhara⁴), der sich selbst den Lehrer des Königs Mahendrapāla und Zeitgenossen des Kṛṣṇaśaṅkaravarman nennt. Verse von Rājaśekhara werden häufig in den Anthologien zitiert, darunter besonders zahlreiche für die Litteraturgeschichte wichtige Verse über verschiedene Dichter, die vielleicht aus einem ihm zugeschriebenen Werk über Poetik stammen¹).

v3.c21.s5.4

⁴ Vgl. Fleet, Ind. Ant. 16, 175 ff.; Kielhorn, Ep. Ind. 1, 1889, 171; Bhaṭṭanātha Svāmin (Ind. Ant. 41, 1912, 143) setzt ihn zwischen 884 und 959 an. Aus einer Inschrift geht hervor, daß er zu Beginn des 11. Jahrhunderts ein angesehener Dichter war; s. Kielhorn, Ep. Ind. 1, 253 f., 270. Nach Hultzsch (Ind. Ant. 34, 1905, 177 ff.) war Rājaśekhara kein Brahmane, sondern ein Kṣatriya und der Lehrer des Mahendrapāla nur in den schönen Künsten. Mahendrapāla regierte von 899—907; s. D. R. Bhandarkar, Ep. Ind. 9, 27. Über Rājaśekhara handeln ausführlich V. S. Apte a. a. O.; Sten Konow, Karpūramañjarī Ed., p. 173 ff.; Thomas, 80 ff. Zitiert wird Rājaśekhara im Kommentar zum Daśarūpa, in Bhojas Sarasvatīkaṇṭhābharaṇa, von Ruyyaka, Kṣemendra, Abhinavagupta und in Somadevas Yaśastilaka.

v3.c21.s5.5

¹ S. aber oben S. 32 A. 2. Eine Zusammenstellung dieser Verse findet sich in der Einleitung zur Ausgabe der Karpūramañjarī, in Km. 4. Vgl. Peterson, Subh. 101; Konow, Karpūramañjarī Ed., p. 196 f.; Zachariae, GGA 1887, S. 89 A.

v3.c21.s5.6

Im 11. Jahrhundert spielt die Stadt Dhārā in Mālava eine große Rolle in der Litteratur. Hier herrschte der König Muñja (974—995)²), der ein großer Schirmherr der Dichter, ein Freund der Litteratur und selbst auch ein Dichter war. Ihm folgte sein jüngerer Bruder Sindhurāja Navasāhasāṅka. Als Hofdichter dieser beiden kennen wir Padmagupta, den Verfasser des Navasāhasāṅkacarita. Viel berühmter als Dichterfreund ist Muñjas Neffe Bhoja (1018--1060)³). Von seiner Liebe zur Litteratur und seiner Freigebigkeit gegen die Dichter und Gelehrten werden zahlreiche Sagen und Anekdoten erzählt, ähnlich wie von dem Vikramāditya der Sage. Ihm selbst werden viele gelehrte Werke (über Poetik, Medizin usw.) und auch Dichtungen zugeschrieben. Viele Strophen von ihm werden in den Anthologien angeführt⁴). Merkwürdigerweise ist bis jetzt kein bedeutender Dichter bekannt, der tatsächlich an dem Hof dieses Königs gelebt hätte.

v3.c21.s5.7

² Er hat auch die Namen Vākpati II, Utpalarāja, Amoghavarṣa, Pṛthivīvallabha und Śrīvallabha. Vgl. Smith, Early History 395. Vielleicht gehören manche der dem »Vākpati« zugeschriebenen Verse in den Anthologien diesem König an; s. Thomas 103.

v3.c21.s5.8

³ So nach Smith, Early History 395 f. Vgl. Bühler, Ep. Ind. 1, 222 ff.; Vikramāṅkadevacharita, Introd., p. 23, und Stein, Rājataraṅgiṇī Transl., Note zu 7, 190—193. Inschriften von Bhoja sind 1019 und 1021 datiert; s. D. R. Bhandarkar, Ind. Ant. 1912, 201. Liste der ihm zugeschriebenen Werke bei Aufrecht, CC I, 418; II, 95.

v3.c21.s5.9

⁴ Vgl. Aufrecht, ZDMG 27, 67 ff.; Thomas 63 ff.

v3.c21.s5.10

Im 11. und 12. Jahrhundert ragt Kaschmir ganz besonders als Sitz der Litteratur und Wissenschaft hervor. Hier lebte um 1070—1090 der Dichter Bilhaṇa, der Sohn des Jyeṣṭhakalaśa, berühmt als Verfasser lyrischer, epischer und dramatischer Dichtungen. Er verließ unter der Regierung des Kalaśa (1064—1088)

v3.c21.s5.11

wahrscheinlich 1065 Kaschmir, besuchte verschiedene indische Höfe und wurde schließlich Hofdichter des Fürsten Vikramāditya VI von der Westl. Cālukya-Dynastie, für den er das Vikramāṅkadevacarita schrieb¹), als Harṣa von Kaschmir noch ein Prinz war (zwischen 1081 und 1089).

v3.c21.s5.12

¹ Vgl. Rājatar. 7, 938; Peterson, Subh. 66 ff.; Pischel, KG 208; Duff 128; Bühler, Vikramāṅkadevacharita, Introd. p. 20 ff., und Fleet, Ind. Ant. 20, 1 ff., 93 ff., 266 ff., 280 f. (über die Chronologie der Cālukyas).

v3.c21.s5.13

In Kaschmir lebte und wirkte auch der Vielschreiber Kṣemendra²), der auf fast allen Gebieten der Litteratur tätig war. Er schrieb Epen und Dramen, er kürzte Mahābhārata und Rāmāyaṇa ab, er brachte Kādambarī und Bṛhatkathā in Verse, er schrieb religiöse Dichtungen und eine Reihe von Lehrgedichten mit dick aufgetragener Moral, er verfaßte Werke über Poetik, Metrik, Politik und machte auch vor der Pornographie nicht halt. Einige seiner Werke sind 1037, 1050, 1052 und 1066 datiert. In seinen früheren Jahren war er ein eifriger Verehrer des Śiva, bekehrte sich aber später zum Viṣṇuismus und schloß sich der Lehre der Bhāgavatas an. Ohne selbst Buddhist zu werden, war er weitherzig genug, auch buddhistische Legenden dichterisch zu bearbeiten.

v3.c21.s5.14

² Vgl. über ihn Bühler, Report 45 ff.; Peterson, Report 1882—1883, p. 46 ff.; JBRAS, Vol. 16, Extra Number p. 4 ff.; Subh. 26 ff.; Lévi, JA 1885, s. 8, t. VI, 397 ff., und Stein, Rājātaraṅgiṇī Transl. II, p. 375 f. Nicht erhalten sind uns die Epen Muktāvalī und Lāvaṇyavatī, das Drama Citrabhārata und die Chronik Rājāvalī, die von Kalhaṇa (Rājatar. 1, 13) wegen ihrer Unzuverlässigkeit scharf getadelt wird.

v3.c21.s5.15

Etwas später als Kṣemendra, zwischen 1063 und 1081, schrieb Somadeva³), der Meister der Erzählungskunst, seinen berühmten »Ozean der Erzählungsströme«. Unter dem König Jayasiṃha von Kaschmir (1128—1149) lebte der Dichter Maṅkha, der zwischen 1135 und 1145 sein episches Gedicht Śrīkaṇṭhacarita schrieb⁴). Und um 1148 schrieb Kalhaṇa, der größte, um nicht zu sagen der einzige große Historiker, den Indien hervorgebracht hat, seine berühmte Chronik von Kaschmir, die Rājatarangiṇī.

v3.c21.s5.16

³ Somadeva schrieb sein Werk zur Unterhaltung der Königin Sūryamatī, die sich im Jahre 1081, als ihr Gemahl Ananta durch Selbstmord endete, mit ihm verbrannte; s. Bühler, Über das Zeitalter des kaśmirischen Dichters Somadeva, Wien 1885 (SWA).

v3.c21.s5.17

⁴ Bühler, Report 50 ff.

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Einen Mittelpunkt von Dichtkunst und Gelehrsamkeit bildete im 12. Jahrhundert auch der Hof des Königs Lakṣmaṇasena von Bengalen¹), der 1119 zur Regierung kam. An seinem Hofe lebten Umāpatidhara²), Dhoī³), der Spruchdichter Govardhana und vor allem Jayadeva, der hochberühmte Dichter des Gītagovinda.

v3.c21.s5.19

¹ Vgl. R. Pischel, Die Hofdichter des Lakṣmaṇasena (AGGW 39, 1893), und M. Chakravarti, JASB, N. S. 2, 1906, 157 ff.

v3.c21.s5.20

² Umāpati oder Umāpatidhara schrieb ein Candracūḍacarita, das uns nicht erhalten ist. Zahlreiche Verse von ihm finden sich in den Anthologien; s. Aufrecht, ZDMG 40, 1886, 142 f. Wahrscheinlich ist er auch der Verfasser einer poetischen Inschrift des Vijayasena, des Großvaters von Lakṣmaṇasena; s. Kielhorn, Ep. Ind. 1, 305 ff.

v3.c21.s5.21

³ Über Dhoī (oder Dhoyī, oder Dhoyīka, mit dem Titel Kavirāja) handelt M. Chakravarti, JASB, N. S. 2, 1906, 15 ff.

v3.c21.s5.22

An dem Hofe der Könige Vijayacandra und Jayacandra von Kanauj in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts lebte wahrscheinlich Śrīharṣa, der Dichter des Epos Naiṣadhacarita⁴).

v3.c21.s5.23

⁴ Daß der Name des Dichters Śrīharṣa und nicht Harṣa ist, geht daraus hervor, daß er sich in den Unterschriften der Gesänge des Naiṣadhacarita »Śrīśrīharṣa« nennt. Er nennt ebendaselbst seinen Vater Hīra und seine Mutter Māmalladevī und erwähnt die Titel mehrerer von ihm verfaßten Werke, von denen nur das philosophische Werk Khaṇḍanakhaṇḍakhādya erhalten ist. Seine Zeit hat Bühler (JBRAS 10, 1871, 31 ff.; 11, 1874, 279 ff.) auf Grund der Angaben in Rājaśekharas Prabandhakośa bestimmt. K. T. Telang (Ind. Ant. 2, 71 ff.; 3, 81 ff.) und Rāma Prasād Chanda (Ind. Ant. 42, 1913, 83 f., 286 f.) bezweifeln Rājaśekharas Zuverlässigkeit und wollen Śrīharṣa ins 9. oder 10. Jahrhundert setzen. Vgl. D. R. Bhandarkar ib. p. 83 n.; Peterson, Subh. 136 f. und Krishnamacharya 44 ff.

v3.c21.s5.24

Nur die hervorragendsten Namen sollten hier verzeichnet werden. Daß neben ihnen eine endlose Zahl von Dichtern zweiten Ranges tätig war, und daß auch noch später, nach dem 12. Jahrhundert bis auf unsere Tage mehr oder weniger bedeutende Dichter auftraten, wird in den folgenden über die einzelnen Gattungen der Dichtkunst handelnden Kapiteln gezeigt werden.

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