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Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c32.s2: § 7. Ātreya-Hārīta

Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c32.s2

Language
German

§ 7. Ātreya-Hārīta

c32.s2.1

— Ātreya, d. h. der Sohn des Atri, auch Punarvasu genannt, ist ohne Frage einer der berühmtesten medicinischen Ṛṣis; so wird er schon in der Bowerhs. 1, 8 als der erste der mit der Aufsuchung und Prüfung der Heilkräuter beschäftigten Weisen der Vorzeit genannt, ähnlich S. 1, 1, A. 1, 1, 2, auch C. 1, 1, 3. Gleich nach Ātreya nennt die Bowerhs. Hārīta. Insofern könnte die Annahme begründet erscheinen, dass uns in der dem Ātreya oder Hārīta (H.) zugeschriebenen Saṃhitā das älteste medicinische Werk erhalten sei¹. Andrerseits ist aber der Name allein nicht beweisend, und speciell unter den angesehenen Namen des Ātreya und Hārīta bergen sich auf dem Gebiete der Rechtslitteratur mehrere moderne Fälschungen². Haas erklärt die medicinische Ātreya-Saṃhitā »für die erbärmlichste Schmiererei auf diesem Gebiete«³. Doch sind die beiden Gründe, die er hierfür hauptsächlich anführt: die Theorie von der Erbsünde und das Vorherrschen unsauberer Heilmittel (Urin, Koth u. dgl.) wohl zur Begründung dieses harten Urteils nicht ausreichend, da gerade die Lehre vom *karmavipāka* (vgl. § 3) und die Anwendung der verschiedensten ekelerregenden Substanzen (s. Kau. Sū.) schon der vedischen Medicin eigentümlich ist. Allerdings sagt H. am Schluss seines Werkes, dass in den vier Weltaltern successive Atri, C., Su. und Vāgbhaṭa die massgebenden Autoren seien, verrät also hierdurch seine Bekanntschaft mit Vāgbhaṭa und die Anteriorität desselben. Doch könnte die Echtheit dieses Schlussteils angefochten werden, wie überhaupt der Text des H. sehr schlecht überliefert ist und sowohl die Hss. als die Drucke stark differiren, auch Commentare und alte datirte Hss. ganz zu fehlen scheinen⁴. Das ganze Werk bedarf noch einer genaueren Untersuchung, immerhin enthält es in seinen 6 *sthāna*, die freilich von sehr ungleichem Umfang sind, ein vollständiges System der Medicin mit vielen eigenartigen Angaben über Krankheiten und Heilmittel, die daher im Nachstehenden manchmal, doch mit Vorsicht benutzt sind.

c32.s2.2

¹ Goldstücker in Mrs. Mannings Ancient and Mediaeval India (London 1869) I, 339–42, wo auch ein kurzer Auszug aus H. gegeben wird. Hierauf gehen wohl auch die analogen Anschauungen bei Sinh Jee 29 zurück.

c32.s2.3

² Recht und Sitte § 8 f.

c32.s2.4

³ ZDMG. 31, 650.

c32.s2.5

⁴ Vgl. IO. 929 und die beiden, wesentlich verschiedenen Ausgaben von Binod Lal Sen (Calcutta [1887], 32, 420 S.) und Jairam Raghunath (Bombay 1892, mit Gujerati-Übersetzung, 39, 812 S.). Noch weit stärker differirt hiervon die L. 2633 beschriebene »Ātreya-saṃhitā«. Vgl. auch Cordier, Origines 83.

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