Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c33.s4: § 25. Form und Quantität der Arzneien
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c33.s4
- Language
- German
§ 25. Form und Quantität der Arzneien
c33.s4.1
— Von den Mixturen der indischen Ärzte vor c. 1600 Jahren gewähren die zahlreichen Recepte der Bowerhs. eine lebendige Anschauung. Die meisten dieser Recepte bestehen aus einer beträchtlichen Anzahl verschiedener Ingredienzen und sind mit volltönenden Titeln geschmückt wie die »Citronenpillen der beiden Dioskuren« (*āśvinī mātuluṅgaguḍikā*), das »Ambrosia von zerlassener Butter« (*amṛtaprāśaṁ nāma ghṛtam*), die »elixirartige zerlassene Butter« (*rasāyanikaṁ nāma ghṛtam*), die »zehn Arzneistoffe enthaltende zerlassene Butter« (*daśāṅgaṁ nāma ghṛtam*), ein »Öl zur Beseitigung von Runzeln und grauen Haaren« (*valīpalitanāśanaṁ tailam*) u. dgl. Viele dieser Namen sowohl als auch die Recepte selbst kehren in der späteren medicinischen Litteratur wieder.
c33.s4.2
Auch in der Bereitung der Arzneien hat sich im Laufe der Jahrhunderte nur wenig geändert, ich nenne einige Hauptformen¹, die fast alle schon in B. nachweisbar sind: *ghṛta*, zerlassene Butter, in der Pflanzenstoffe abgekocht sind, mit einem Zusatz von Wasser, Milch u. dgl., meist zu innerlichem Gebrauch. *taila*, ebensolche Abkochungen in Öl, meist äusserlich zu gebrauchen.
c33.s4.3
*kaṣāya*, *kvātha*, Säfte, Abkochungen, besonders Decocte von 4—16 Teilen Wasser mit 1 Teil Arznei und Einkochung der Mischung bis auf ein Viertel. *vaṭikā*, *guṭikā*, Pillen, Kugeln. *modaka*, süsse ungekochte Pillen. *puṭapāka*, geröstete vegetabilische Arzneistoffe; man macht aus den Stoffen einen Teig, wickelt ihn in Blätter ein, die man zusammenschnürt und mit einer Lage von Lehm umgibt, worauf das Ganze geröstet, dann die Schale zerbrochen und die geröstete Arznei entweder als Pille oder Pulver oder ein Extract davon als Saft mit Honig u. dgl. verabreicht wird. *cūrṇa*, Pulver, die in einem Mörser gestossen und dann in einem Tuche durchgesiebt werden. *kalka*, Teig, Paste von auf einem Stein zerstampften Pflanzenstoffen. *svarasa*, natürlicher Saft, der durch das Stossen frischer Kräuter in einem Mörser entsteht. *leha*, *lihya*, *avalehya*, Leckmittel, Latwergen, bestehend aus zähen Extracten aus Pflanzenstoffen mit einem Zuckerzusatz. *yavāgū*, Mehlbrühen mit einem Zusatz von Arzneistoffen. *ariṣṭa*, *āsava*, Liqueur, ein gegohrener Trank aus Honig, Sirup und Wasser mit verschiedenen Arzneistoffen; eine Abart hiervon ist *cūrṇāriṣṭa*, Liqueur mit einem Pulver vermischt. *kāñjika*, saurer gegohrener Reisschleim. *-guḍa*, *-lavaṇa*, Mixturen mit Sirup und Salz.
c33.s4.4
Über die Dosen, in denen die einzelnen Arzneistoffe zu mischen und die Mixturen zu verabreichen sind, lässt sich den medicinischen Werken, schon den Recepten der Bowerhs., Manches entnehmen. Im Allgemeinen stimmen die medicinischen Gewichte mit denjenigen der Rechtslitteratur überein. Das wichtigste kleinere Gewicht ist *guñjā*, die Samenkörner von Abrus precatorius, entsprechend der modernen Ratti der Apotheker und Juweliere. Doch gab es im Einzelnen starke locale Verschiedenheiten². Den Kindern sind kleinere Dosen zu geben.
c33.s4.5
¹ Vgl. Dutt, Mat. Med. 9—16. —
c33.s4.6
² B. p. 13. 78, Anm.; Colebrooke, Essays 2. 528 ff.; Bühler, Anm. zu Manu 8, 134; Dutt, l. c. 7. 9. 151; Sachau, Alberuni's India 1, 162 f.