Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c35.s1.1
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c35.s1.1
- Language
- German
c35.s1.1
Die Fortpflanzung beruht auf dem Zusammentreffen von Samen und Menstrualblut. Es ist zwar auch von dem Samen der Frauen die Rede, doch wird ausdrücklich hervorgehoben, dass derselbe auf die Bildung des Fötus keinen Einfluss hat (S. 2, 1). Samen ist der Saft (Chylus, *rasa*), der aus richtig verdauter und in das Mark gelangter Speise entsteht. Wie in der Milch die Butter oder in dem Saft des Zuckerrohrs der Zucker enthalten ist, so der Same in dem samenhaltigen Substrat (*kalā*), das den ganzen Körper durchdringt und besonders in dem Mark, den Hoden und den Brustwarzen seinen Sitz hat. Auch das Menstrualblut entsteht Monat für Monat aus dem Chylus, der Wind treibt das während des Monats angesammelte Blut aus den beiden Gefässen des Mutterleibs schwärzlich und geruchlos aus dem Scheideneingang hinaus (Su. 1, 14, 1 ff.; 3, 4, 17 ff.; 3, 2, 7; S. 2, 1, 195, 198; A. 2, 1, 7). Um einen normalen Fötus hervorzubringen, müssen der Samen und das Menstrualblut rein, d. h. von normaler Beschaffenheit sein. Nicht zeugungskräftig ist der Samen, wenn er durch die *doṣa* oder Blut gestört ist, wodurch er dünn, schaumig, braun, spärlich, schmerzend, langsam ausfliessend, gelb, allzu reichlich wird, im Wasser nicht untersinkt u. s. w. Auch auf den Geruch kommt es an, so ist unheilbare Impotenz zu diagnosticiren, wenn der Samen nach Harn oder Kot riecht. Auch die Rechtsbücher schreiben vor der Hochzeit eine Prüfung der Potenz vor, bei der es u. a. darauf ankommt, dass der Samen im Wasser untersinkt (Nār. 12, 10). Das Menstrualblut kann die gleichen Fehler wie der männliche Samen haben. Als Kur werden besonders Fett- und Schwitzmittel, eine bestimmte Diät und Einspritzungen empfohlen, bei Frauen auch Pasten und Tücher oder Baumwolle (*picu*), die in die Scheide eingeführt werden, und Ausspülungen mit Wasser. Zeugungskräftiger Samen ist flüssig, schleimig, klebrig, schwer, reichlich, süss, weisslich, nach Geruch und Farbe dem Honig gleichend, oder von gleicher Farbe wie Butter und Öl. Das Menstrualblut ist rein, wenn es wie Hasenblut oder Lackfarbe aussieht und in gewaschenen Kleidern keine Flecken zurücklässt (Su. 3, 2, 1—14; S. 2, 1, 196f.; A. 2, 1, 10—19). Übermässiger Blutfluss während oder ausserhalb der Menses heisst *asṛgdara*, *pradara* (§ 49).
Linked texts (3)
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