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Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c36.s2.1

Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c36.s2.1

Language
German

c36.s2.1

Die gewöhnliche Bezeichnung des Durchfalls, *atisāra* (vgl. ved. *āsrāva* »Ausfluss«), der noch jetzt als morbus Bengalensis eine häufige Todesursache ist, wird etymologisch so erklärt, dass das Wasserelement im Körper, von gestörtem Wind abwärts getrieben, das Verdauungsfeuer auslöscht und mit den Faeces vermischt und dieselben auflösend stark läuft (*atīva sarati*. Su. 6, 40, 4 = M. 65; vgl. A. 3, 8, 3 f. = S. 3, 8, 279). Als Ursachen solcher Störung werden angegeben: schwere, scharfe, übermässig fette, trockene, heisse, flüssige oder kalte, nicht zu einander passende (wie Milch und Fische) oder schädliche Speisen, wenn man zu viel oder in die Verdauung hinein isst oder allzuviel oder verdorbenes Wasser oder Spirituosen trinkt, ferner Vergiftung, Angst, Kummer, zu langes Baden, Unterdrückung der natürlichen Ausscheidungen, Würmer, Hämorrhoiden u. a. Vorboten sind: Stechen im Herzen, Nabel, After, Unterleib und in den Eingeweiden, ferner Mattigkeit in den Gliedern, Unterdrückung der nach unten abgehenden Winde, Verstopfung, Flatulenz, Indigestion. Die weiteren Symptome wechseln je nach den Arten des Durchfalls, deren gewöhnlich sechs unterschieden werden: 1. Bei gestörtem Wind sind die Stühle braun (M.) oder dunkelfarbig (Su.), spärlich aber häufig, schleimig, schaumig, hart, geräuschvoll und schmerzend, der Harn angehalten, die Eingeweide unruhig, die Hüften und Schenkel indolent, der Mastdarm vorgefallen. 2. Von Galle sind die Stühle gelb, grün, wässerig, dünn, übelriechend, heiss, mit Drang verbunden, auch leidet der Patient an Durst, Ohnmachten, Hitze und Schweiss am Körper, Fieber und Entzündung des Afters. 3. Von Schleim sind die Stühle weiss, klebrig, mit Schleim bedeckt, zähe, unfertig, geräuschlos, häufig, kalt, der Patient ist müde und schläfrig, appetitlos, merkt es nicht wenn er Stuhl gehabt hat, Bauch, After und Blase sind schwer. 4. Von allen drei Grundsäften sind die Stühle verschiedenartig (Su., M., A.), z. B. wie Molken, zerlassene Butter, Mark, Öl, Fett oder Milch gefärbt, oder wasserhell, oder ganz blau, rot, oder schwarz, wie Aas, Eiter oder rohe Fische riechend (C.). Diese Form gilt für besonders gefährlich, ja unheilbar. 5. Wenn Kummer, verbunden mit ungenügender Nahrungsaufnahme, die Ursache ist, geht die Hitze der Thränen in die Gedärme und stört das Blut, das dann mit oder ohne Faeces abgeht. Auch diese Art ist schwer heilbar. 6a. Bei Indigestion (*āma*, *āmājīrṇa*) beunruhigen die Grundsäfte die Eingeweide und bewirken vielfach verschiedenfarbige, schmerzhafte Stühle (Su. M.). 6b. Durch Angst wird der Wind gestört und ruft schnelle, warme, wässerige, fliessende Durchfälle hervor. Nach einer anderen Einteilung ist ähnlich wie beim Fieber zwischen unreifer oder acuter (*āma*) und reifer oder chronischer (*pakva*) Dysenterie zu unterscheiden (C. 6, 19, 4—14; Su. 6, 40, 1—16; S. 3, 8, 279 f.; A. 3, 8, 1—14; M. 64 ff.).

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