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Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c36.s6: § 59. Bleichsucht und Gelbsucht

Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c36.s6

Language
German

§ 59. Bleichsucht und Gelbsucht

c36.s6.1

— Unter dem Namen *pāṇḍu*, *pāṇḍuroga*, *pāṇḍvāmaya* »krankhafte Blässe« werden verschiedene in Indien besonders häufige krankhafte Veränderungen der Hautfarbe zusammengefasst, wie auch das vedische *hariman* vielleicht nicht ausschliesslich auf die »Gelbsucht« zu beziehen ist. Es gibt nach Su. vier Arten von *pāṇḍuroga*, die auf den Grundsäften beruhen; die anderen Autoren nennen noch eine fünfte Art, die durch Essen von Erde entsteht. Saure, salzige, allzu heisse, nicht zu einander passende oder unzuträgliche Nahrungsmittel, Schlafen bei Tag, Überanstrengung, sexuelle Ausschweifungen, Unterdrückung der natürlichen Ausscheidungen, Störungen des Gemüts durch Sorge, Furcht und andere Schädlichkeiten stören die Grundsäfte, besonders die Galle, und rufen verschiedene Färbungen der Haut hervor: bleich, gelb, grünlich, doch überwiegt die Blässe. Der Kranke ist arm an Fett und Blut, kraftlos, seine Sinne erschlafft, die Glieder wie zerrieben, die Augenlider geschwollen, matt, reizbar, er spuckt häufig aus, spricht wenig, hat keinen Appetit, scheut die Kälte, seine Haare fallen aus, die Verdauung ist gestört, er fiebert, atmet schwer, hat Ohrensausen und Schwindel. Eingeleitet wird die Krankheit durch Rauheit und Aufspringen der Haut, Herzklopfen, Appetitmangel, Neigung zum Ausspucken und zum Essen von Erde, gelbe Färbung des Urins und der Stühle, Aufhören der Schweisssecretion, Verdauungsschwäche, Mattigkeit, Ermüdung u. a. Die speciellen Symptome bei Wind sind: die Haut, die Augen, die Adern, die Nägel, Kot und Harn schwarz, rauh, braun, Schmerzen, Stechen und Zittern in den Gliedern u. a. Bei Galle: die Augen, Nägel u. s. w. gelb, Hitze, Durst, Fieber, Durchfall, Schweiss, übler Geruch, bitterer Geschmack u. a. Dies ist nach DUTT¹ die Gelbsucht. Bei Schleim: die Haut, Augen, Adern u. s. w. weiss, Müdigkeit, Schwere, Heiserkeit, Husten, Schleimfluss, Gänsehaut, Asthma, Erbrechen u. a. Dies ist nach DUTT¹ Anämie. Bei den drei Grundsäften: Combination obiger Symptome. Bei Essen von Erde: je nach der Beschaffenheit der Erde wird einer der drei Grundsäfte gestört, es folgt Verfall der Körperkraft und der Verdauung, die Haut wird bleich, die Sinne stumpf, die Augenlider, Wangen, der Mund, der Nabel, der Penis, die Füsse schwellen an, die Stühle sind dünn und enthalten Würmer, Blut und Schleim. Dies ist nach DUTT¹ Bleichsucht. Eine besonders schlimme Form der Gelbsucht ist *kāmalā*, charakterisirt durch intensiv gelbe Färbung der Haut, der Augen, Nägel, des Harns und Kots, und besonders des Gesichts, mit Mattigkeit, Schwäche, Durst, Hitze, Verdauungslosigkeit, Mangel an Esslust, Stumpfheit der Sinne. Durch Vernachlässigung von *kāmalā* entsteht die gefährliche Krankheit *kumbhakāmalā*, mit starker Schwellung und Schmerzen in den Gelenken. Eine andere Abart von *pāṇḍuroga* heisst *halīmaka*, mit grünlicher oder dunkelgelber Färbung der Haut, Schwindel, Durst, schleichendem Fieber, Abneigung gegen Frauen, Schwäche, Mattigkeit, schlechter Verdauung, Abmagerung u. dgl.

c36.s6.2

¹ Nidāna p. 54. Nach CHEVERS, Diseases of India 714 sind fast alle Hindu-Frauen mehr oder weniger anämisch.

c36.s6.3

Alle diese Krankheitszustände können unheilbar werden und zum Tode führen. So ist *pāṇḍuroga* unheilbar nach langem Bestehen, wenn die Haut rauh ist, der Kranke alles gelb sieht, wenn die Verdauung gehemmt und spärlich oder schleimiger gelblicher Durchfall vorhanden ist, wenn die Zähne, Nägel und Augen blass sind, wenn er an den Enden des Körpers geschwollen und in der Mitte dünn ist, oder wenn der After, der Penis und die Hoden geschwollen sind, wenn er bewusstlos ist, zugleich Durchfall und Fieber hat u. s. w. Für die heilbaren Formen werden zahlreiche Recepte, zum Abführen, Vomiren u. s. w. gegeben, unter denen ich hier nur, der Vergleichbarkeit mit der europäischen Behandlung der Bleichsucht wegen, verschiedene Eisenpräparate hervorheben will (C. 6, 16; Su. 6, 44; S. 3, 13; 4, 18; A. 3, 13; 4, 16; M. 100—6; Vr. 8). Über eine interessante vedische Sympathiekur bei Gelbsucht, wobei dieselbe in an das Lager des Kranken gebundene gelbe Vögel gezaubert wird, s. BLOOMFIELD, SBE. 42, 264. 566; Kau. Sü. 26, 18 (CALAND).

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