Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c37.s2.4
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c37.s2.4
- Language
- German
c37.s2.4.1
körperliche Anstrengungen oder starke Erhitzung nach einer reichlichen Mahlzeit, ein kaltes Bad bei Hitze, Ermüdung oder ängstlicher Erregung, sexueller Verkehr bei Indigestion, Verfehlungen gegen einen Brahmanen oder den geistlichen Lehrer u. a., auch in einer früheren Geburt begangene Sünden. Vorzeichen sind: die Haut sehr glänzend und rauh anzufühlen, starke oder gar keine Schweissabsonderung, Verfärbung, Hitze und Jucken in der Haut, Taubheit einzelner Körperstellen, auffallend starke Schmerzhaftigkeit von Wunden oder Geschwüren, leichte Entstehung und langsame Heilung derselben und Zurückbleiben einer rauhen Stelle auch nach der Heilung, dunkle Färbung des Blutes, Gänsehaut, roter Ausschlag, Schmerzen, Mattigkeit u. a. Gewöhnlich werden 18 Arten von *kuṣṭha* unterschieden und in 7 schwere und 11 leichte Formen eingeteilt, im Einzelnen differiren jedoch die Aufzählungen. Nach M. gibt es folgende schwere Formen: 1. *kapāla*, mit schwarzen oder rötlichen, trockenen, rauhen Flecken wie Scherben (*kapāla*), vielen Schmerzen, sehr gefährlich. 2. *audumbara*: die Flecken oder Beulen sind einer Feige (*uḍumbara*) gleich, mit Schmerzen, Hitze, Röte und Jucken verbunden, die Leibhaare werden braun. 3. *maṇḍala*: die Flecken sind weiss oder rot, hart, feucht, glänzend, kreisrund (*maṇḍala* »Kreis«), schwer heilbar, zusammenhängend. 4. *ṛkṣajihva*: die Flecken sind rauh, am Rande rot, in der Mitte dunkel, schmerzhaft, wie eine Bärenzunge (*ṛkṣajihva*) geformt. 5.
c37.s2.4.2
*puṇḍarīka*: die Flecken sind an den Rändern hellrot, in der Mitte rot, erhaben, gleich einer roten Lotusblüte (*puṇḍarīka*). 6. *sidhma*: die Flecken sind weiss oder kupferfarbig, klein, geben beim Zerreiben Staub, treten zumeist an der Brust auf und gleichen der Blüte der Flaschengurke. Nach DUTT ist Pityriasis, die Kleienflechte mit mehlartigen Schüppchen, gemeint. 7. *kākaṇa*, gleicht in der Farbe dem Samen von *kākaṇantikā* (Abrus precatorius, der in der Mitte schwarz, an den Rändern rot ist), eitert und schmerzt heftig; diese Form ist unheilbar. Während diese sieben schweren Formen wenigstens grösstenteils auf echte Lepra bezogen werden können, gehen die elf leichten anscheinend auf die verschiedensten sonstigen Hautkrankheiten. Sa. *ekakuṣṭha*: die Haut ist schweisslos, die Flecken sind gross und sehen wie Fischschuppen aus. 8b. *carman*: die Haut ist rauh anzufühlen wie die des Elephanten. Ersteres Leiden ist nach DUTT Ichthyosis, letzteres Hypertrophie der Haut. 9. *kitibha*: dunkel gefärbte Narben, rauh anzufühlen und hart, nach DUTT Keloid, der in derben, meist aus Narben entstehenden Wulsten besteht. 10. *vaipādikā*: heftig schmerzendes Aufspringen der Hände und Füsse, nach D. Psoriasis am Fuss. 11. *alasaka*: die Haut ist mit juckenden, roten Knötchen bedeckt, Schwindflechte. 12. *dadrumaṇḍala*: juckende, rote, erhabene Flecken. Nach D. ist Ringwurm gemeint, doch deutet nichts auf eine Erkrankung der Kopfhaut. 13.
c37.s2.4.3
*carmaḍala*: die Haut ist rot, schmerzhaft, es bilden sich juckende und eiternde Bläschen, die gegen Berührung empfindlich sind, Impetigo. 14. *pāmā*: winzige, aber zahlreiche Bläschen, mit Ausfluss, Jucken und Brennen verbunden, Ekzem oder nässende Flechte. 15. *kacchu*: ebenso, aber mit heftig brennenden Pusteln an den Händen und Hinterbacken, schmerzhaft, Krätze. 16. *visphoṭa*: dunkelrote Schwellungen mit dünner Haut, Beulen. 17. *śatārus*: rote oder dunkelfarbige, zahlreiche, mit Hitze und Schmerzen verbundene Geschwüre, Furunkel. 18. *vicarcikā*: juckende, dunkle, stark nässende Flecken oder Beulen, Psoriasis (nach D.), oder nässende Flechte. Weitere Unterscheidungen beziehen sich auf den Sitz der Krankheit in einem der sieben Elemente des Körpers, indem nur die in der Haut, im Blut oder Fleisch sitzenden Formen heilbar sind. Im Fett entsteht insbesondere Lahmheit der Hände, Unfähigkeit zu gehen, Abfall der Glieder, Ausbreitung der Wunden von einem Körperteil zum anderen. In Mark und Knochen entsteht Einfallen oder Abfall der Nase, Rötung der Augen, in den Wunden bilden sich Würmer, die Stimme verfällt. Im Samen des Vaters, sowie im Menstrualblut der Mutter befindlich, vererbt sich die Lepra auf beider Nachkommen. Allgemein ist *kuṣṭha* tödlich, wenn Würmer, Durst, Hitze, Verdauungsschwäche auftreten, die drei Grundsäfte gestört sind, die Geschwüre aufbrechen und ausfliessen, die Augen rot, die Stimme heiser, Arzneimittel (wegen Schwäche) nicht mehr anwendbar sind.
c37.s2.4.4
Nach Su. 2, 5, 15 ff. ist *kuṣṭha* die schlimmste aller Krankheiten, und wer daran stirbt, bekommt sie in einer künftigen Geburt wieder. Auch ist *kuṣṭha* ebenso wie Fieber, Schwindsucht, Ophthalmie und die epidemischen Krankheiten (»Pocken u. dgl.« Co.) durch häufige Berührung, den Atem, Zusammenspeisen, -liegen oder -sitzen, Kleider, Kränze und Salben übertragbar. Das Übergreifen von *kuṣṭha* von der Haut aus auf die übrigen Elemente des Körpers ist mit der allmählichen Ausbreitung der Wurzeln eines Baums in der Erde zu vergleichen. Die höchst zahlreichen Recepte gegen *kuṣṭha*, darunter namentlich die verschiedensten Abkochungen mit Butter und Öl, gehen sowohl auf innerliche als äusserliche Behandlung. Im Allgemeinen soll einmal in jedem Halbmonat ein Brechmittel, einmal in jedem Monat ein Abführmittel, alle drei Tage ein Nasenmittel und alle sechs Monate ein Aderlass zur Anwendung kommen (A. 4, 19, 96 = S. 4, 21, 120 = Su. 4, 9, 41 = Vṛ. 51, 138). Der Kranke soll auch Diät halten, fromme Gebräuche und Askese üben, seine Haare und Nägel kurz halten, Überanstrengung, Verkehr mit Frauen, Fleisch und geistige Getränke meiden, so wird er geheilt (C. 2. 5; 6, 5; Su. 2, 5; 4, 9; S. 3, 14; 4, 21; A. 3, 14; 4, 19; M. 294—305; Bhn 2, 4, 18 ff., V. 647 ff.; Vṛ. 51).