Indische Palaographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c9.s2.1
Indische Paläographie von circa 350 a. Chr. – circa 1300 p. Chr. c9.s2.1
- Language
- German
c9.s2.1
— In den Brāhmī-Inschriften und Münzlegenden findet sich von der ältesten Zeit an bis ca. 590 p. Chr. ausschliesslich, und später bis zum 12. Jahrh. neben dem decadischen Stellensysteme², eine eigentümliche Zahlenbezeichnung, um deren Entzifferung sich insbesondere J. Stevenson, E. Thomas, A. Cunningham, Bhau Daji und Bhagvanlal Indraji verdient gemacht haben³. Dieselbe wird auch ausschliesslich im Bower-MS. und den übrigen MSS. aus Kashgar⁴ gebraucht, sowie (hauptsächlich für die Pagiṅation) neben den decadischen Ziffern, in den alten MSS. der Jaina des westlichen Indien und der Bauddha von Bengal und Nepal bis zum 16. Jahrhundert.⁵ In diesem System werden 1—3 durch Horizontalstriche oder cursive Verbindungen derselben ausgedrückt, 4—9, 10—90, 100 und 1000 je durch ein besonderes Zeichen (gewöhnlich eine Mātṛkā, Mātṛkā mit Vocal oder Ligatur), die dazwischen liegenden sowie die höheren Zahlen aber durch Gruppen oder Verschlingungen dieser Grundzeichen. Zur Bezeichnung der zu Zehnern addirten Einer, der zu Hunderten addirten Zehner und Einer u. s. w. werden die Zeichen für die kleineren Zahlen entweder rechts frei neben, oder vertical unter die höheren gestellt. Die erstere Stellung findet sich in allen Inschriften und auf den meisten Münzen, die letztere in allen Paginirungen von MSS. und auf einigen Münzen⁶. Zur Bezeichnung von 200—300 und 2000—3000 erhalten die Zeichen für 100 und 1000 rechts einen, resp. zwei kleine Striche. Für 400—900 und 4000—70000 (die höchste bis jetzt gefundene Zahl) werden Ligaturen von 100 und 1000 mit den betreffenden Grundzeichen für 4—9 und 4—70 gebildet, bei denen die letzteren rechts von den ersteren stehen. In den Jaina-MSS. findet sich jedoch eine Ausnahme bei 400 (s. u.). Sowohl die Jaina als die Bauddha gebrauchen in der Paginirung für 1—3 regelrecht die decadischen Ziffern (T. IX, C. XIX—XXVI), seltener die Silben E (*eka*) *dvi*, *tri* oder *sva* (1), *sti*, (2), *śrī* (3)⁷, die drei Silben des bekannten, oft im Anfange von Schriftstücken verwendeten Maṅgala, wahrscheinlich mit der Absicht, die Buchstabenbezeichnung consequent durchzuführen. Mitunter kommt in den MSS. der Jaina und Bauddha auch die aus dem decadischen Systeme entlehnte Null, sowie andere Ziffern aus derselben Quelle vor⁸. Ähnliche Mischungen finden sich in einigen späteren Inschriften. So ist das, auch in Worten gegebene, Jahresdatum 183 der Cicacole-Kupferplatte des Devendravarman durch 100 8 *lo* (= *loka* = 3, vgl. § 35 A) ausgedrückt, und der Monatstag 20 durch decadische Ziffern⁹.