Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c6.s1.71
Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c6.s1.71
- Language
- German
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Wie schon gesagt, umfassen die Himmels- und Höllenregionen je 7 Rajju Höhe. Diesen ungeheuren Massen entsprechen aber nicht die Höhenangaben für die einzelnen Himmels- und Höllenräume. Nach der Lehre der Śvetāmbara beträgt die Dicke der Böden bei den einzelnen Himmelsetagen von unten nach oben von Rajju zu Rajju 2700 bis 2100 Yojana ¹). Von Rajju zu Rajju nimmt also die Bodenstärke nach obenhin um je 100 Yojana ab, während umgekehrt die Höhe der Vimāna entsprechend um je 100 Yojana zunimmt. Nach den Digambara nimmt bei den 11 Himmelsregionen die Höhe der Vimāna von unten nach oben ab in Form einer arithmetischen Progression, deren Anfangsglied 1121 und deren Differenz 99 Yojana beträgt ²). Das Endglied, die Höhe der Vimāna in Anuttara, beträgt demnach nur 131 Yojana. Ähnlich verhält es sich mit den Höllenregionen. Nach den Angaben der Jaina-Schriften haben die eigentlichen Höllenregionen folgende Höhenmasse: Ratnaprabhā ist 180 000 Yojana hoch, Śarkarāprabhā 132 000 (Digambara: 32 000), Vālukāprabhā 128 000 (Digambara 28 000), Paṅkaprabhā 120 000 (Digambara: 24 000), Dhūmaprabhā 118 000 (Digambara: 20 000), Tamaḥprabhā 116 000 (Digambara: 16 000) und Tamastamaḥprabhā 108 000 (Digambara 8 000) Yojana ³). Die Höhe der Zwischenräume der einzelnen Etagen beträgt nach den Śvetāmbara — die Anschauungen der Digambara sind stark abweichend — bei allen Höllenregionen gleichmässig 3 000 Yojana ⁴).
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Die Summe der Zwischenräume für die 13 Etagen von Ratnaprabhā beträgt also demnach 39 000 Yojana, bei allen tieferen Höllenregionen der Anzahl ihrer Etagen entsprechend weniger. Die Differenz dieser Summen von den oben angeführten Zahlen — bei Ratnaprabhā beträgt dieselbe 141 000 Yojana ⁵) — verteilen sich nun auf die Aussenböden und Zwischenschichten in den einzelnen Etagen. Da die Dicke der Aussenböden bei den 6 oberen Höllenregionen uur je 1 000 Yojana beträgt ⁶), so entfallen die übrigen Yojana auf die Zwischenschichten — bei der untersten Höllenregion, die nur eine Etage hat, auf die Aussenböden —, deren Dicke je nach der Anzahl der Etagen zwischen 9 700 und 52 500 Yojana schwankt ⁷). Da aber diese verhältnismässig kleinen Zahlen nicht den unendlich grossen Rajju-Räumen entsprechen, hat die Spekulation wiederum zu einem Hilfsmittel gegriffen. Sie hat die einzelnen Höllen- und Himmelsregionen durch Schichten von immenser Höhe von einander getrennt. Jede Höllenregion ruht auf einer 20 000 Yojana dicken Schicht zähen Wassers und diese wieder auf Schichten von zähem Winde, dünnem Winde und dem Luftraum, von denen jede, nach den Digambara, unendlich viele Yojana hoch sein soll ⁸). Bei den Himmelsregionen darf man nach den nicht ganz vollständigen Angaben etwas Ähnliches voraussetzen.
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Es wird berichtet, dass die Himmelsregionen Saudharma und Īśāna zähes Wasser, Sanatkumāra und Mābendra zähen Wind, Brahmaloka ebenfalls zähen Wind (Digambara zähes Wasser und zähen Wind), Lāntaka bis Sahasrāra zähes Wasser und zähen Wind und die über diese hinaus den Luftraum als Grundlage haben sollen ⁹). Auch für diesen Schichten muss wohl eine imaginäre Höhe von unzählbar vielen Yojana angenommen werden, sollen die bescheidenen Dimensionen der Himmelregionen mit den immensen Rajju-Räumen irgendwie in Einklang gebracht werden. Da nun die mitgeteilten Grössenangaben der einzelnen Himmels- und Höllenregionen innerhalb natürlicher Grenzen bleiben, während anderseits die Dimensionen der sie trennenden Schichten der Elementarstoffe ins Masslose gehen, so dürfen jene, wenn auch nicht als ursprünglichen Bestandteil, so doch als älteres Element des jainistischen Weldbildes betrachtet werden, während diese als jüngeres Produkt der Spekulation die ältere natürlichere Form desselben entstellen. Die Einschiebung dieser Trennungsschichten musste die ursprünglich vorgestellte Halbkugelform von Ober- und Unterwelt zerstören und in die abnorme Trichterform verzerren. Mögen nun die Fugen dieses Spekulationsbaues möglichst verdeckt sein, immerhin lässt sich noch erkennen, dass die natürliche Kugelform ursprünglich auch einmal das beherrschende Moment der jainistischen Kosmographie gewesen ist.