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Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c7.s2.t1: 1. Kapitel. Die Welt im allgemeinen

Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c7.s2.t1

Language
German

1. Kapitel. Die Welt im allgemeinen

c7.s2.t1.1

(Agnip. 120. 11 ff., Bhāgavatap. V. 25. 1 ff., Brahmāṇḍap. Pū. Bhā. 19. 154 ff., 20. 46 ff., 21. 20 ff., Brahmap. 21. 13 ff., 23. 21 ff., Devībhāgavatap. VIII. 20. 17 ff., Kūrmap. 50 (S. 426), Liṅgap. 45. 1 ff., 53. 43 ff., Matsyap. 123. 48 ff., Padmap. III. 3. 3 ff., Śivap. Dharmas 31. 7 ff., 34. 76 f., Vāyup. 49. 147 ff., 50. 45 ff., 75 ff., Viṣṇup. II. 5. 13 ff., 7. 21 ff., Mahābhārata VI. 178 ff.)

c7.s2.t1.2

Wie der Buddhismus nimmt auch der Brāhmanismus eine unendliche Anzahl von Welten an; allerdings wird in den Texten meist gesagt, dass die Welten nach Tausenden von Millionen zu zählen seien. Diese Welten, Brahma-Eier (brahmāṇḍa) genannt, schweben im endlosen Raum.

c7.s2.t1.3

Jedes Weltall ist für sich selbständig und besteht aus einer Reihe von Schichten, die sich konzentrisch umschliessen. Der innere Weltkern ist von einer Eischale (aṇḍakaṭāha) umgeben wie die Kapittha-Frucht von der Schale. Dieselbe wird rings von einer Schicht dicken Wassers (ghanatoya) umschlossen, diese von einer Schicht dicken Feuers (ghanatejas), diese von einer Schicht dicker Luft (ghanavāta) und diese wieder von einer Ätherschicht (ākāśa). Jede äussere Schicht ist zehnmal so dick wie die nächst eingeschlossene. Diese fünf Schichten, die die Welt umgeben, entsprechen in ihrer Reihenfolge den fünf groben Elementen (mahābhūta) Äther, Luft, Feuer, Wasser und Erde. Die Ätherschicht wird wieder von dem Bhūtādi (d. i. dem Ahaṃkāra, Bewusstsein) und dieser von dem Mahān (d. i. Buddhi, Intellekt) umgeben. Jede dieser Schichten ist wieder je zehnmal so dick wie die vorhergehende. Das Ganze umgibt wiederum das unendliche nichtmanifestierte (ananta avyakta) Urprinzip, die Prakṛti, die die materielle Ursache der Welten bildet.

c7.s2.t1.4

Besonders zu erwähnen ist hier die eigenartige und der jainistischen Anschauung sehr ähnelnde Auffassung von der Weltform in der Nādabindu-Up. 3, 4. Das Weltall wird in Menschengestalt vorgestellt; an den Füssen ist Bhūrloka, an den Knien Bhuvarloka, Svarloka ist in der Hüftgegend, Maharloka in der Nabelgegend, Janarloka in der Herzgegend, in der Halsgegend ist die Tapoloka und zwischen Stirn und Augenbrauen die Satyaloka.

c7.s2.t1.5

Die Prakṛti wird von der Weltseele, dem Ātman, durchdrungen. Beide stehen in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnis zueinander und werden von der Energie (śakti) Viṣṇu’s, der mit der Weltseele identisch ist, umschlossen. Sie ist auch die Ursache der Trennung beider bei der Weltauflösung und ihrer Wiedervereinigung bei der Weltentfaltung.

c7.s2.t1.6

Mit dieser philosophischen Anschauung¹) über die Welt, die ganz auf der Sāṃkhya-Lehre beruht, steht in gewissem Gegensatz die mythologische Auffassung, dass Viṣṇu in der Gestalt der Schlange Śeṣa die Welt wie ein Diadem auf seinem Kopfe trägt, der dann also die Grundfläche für die Unterweltsräume der Pātāla bildet, und dass die Erde mit ihren Wäldern, Bergen, Seen und Flüssen erzittert, wenn er nur die Augen rollt. Am Ende der Welt soll aus seinem Munde das Feuer ausgehen, das die Welten verbrennt.

c7.s2.t1.7

¹ Siehe hierzu auch P. Deussen: Allgem. Geschichte der Philosophie, Bd. 1. 2. 1907², S. 216 ff.

c7.s2.t1.8

Der Weltkern besteht aus den sieben Weltschichten: Bhūr, Bhuvas, Svar, Mahar, Janas, Tapas, Satyam, zuerst genannt in der oben (S. 6) erwähnten Stelle des Taittirīya-Āraṇyaka. Bhūr umfasst die Erde mit ihren Kontinenten und Ozeanen und die Unterweltsräume, die sieben Pātāla und die Höllen. Bei der nachfolgenden Schilderung werden wir jedoch wie in den beiden folgenden Abschnitten die Einteilung der Welt in Mittel-, Ober- und Unterwelt zugrunde legen.

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