Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c7.s2.t32: 1. Die Himmelskörper im allgemeinen
Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c7.s2.t32
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- German
1. Die Himmelskörper im allgemeinen
c7.s2.t32.1
Die Namen der Himmelskörper und die senkrechten Abstände ihrer Bahnen von einander. Der Svarloka, zwischen Sonnenbahn und Polarstern gelegen, ist das Reich der Himmelskörper, deren Bahnen in bestimmten Abständen übereinander liegen, wie in der folgenden Tabelle angegeben werden soll.
c7.s2.t32.2
| Namen der Himmelskörper | Höhe ihrer Bahnen vom Erdboden aus |
| Sonne (Bhānu) | 100 000 Yojana |
| Mond (Śaśin) | 200 000 " |
| Fixsterne (Nakṣatra) | 300 000 " |
| Merkur (Budha), Bhāgav. u. Devībhāg.: Venus | 500 000 " |
| Venus (Uśanas, Śukra), Dev. u. Bhāg.: Merkur | 700 000 " |
| Mars (Aṅgāraka) | 900 000 " |
| Jupiter (Devapurohita, Bṛhaspati) | 1 100 000 " |
| Saturn (Sauri, Śanaiścara) | 1 300 000 " |
| Grosser Bär (Saptarṣayaḥ) | 1 400 000 " (Bhāgav.: 2 400 000 Yojana) |
| Polarstern (Dhruva) | 1 500 000 " (Bhāgav.: 3 900 000 " ) |
c7.s2.t32.3
Die Grösse der Himmelskörper ist nach den übereinstimmenden Angaben des Brahmāṇḍap. Pū. 21. 5 ff., Kūrmap. 41, Liṅgap. 57. 10 ff., 61. 27 ff., Matsyap. 128. 58 ff., Vāyup. 53. 61 ff. folgende:
c7.s2.t32.4
Der Durchmesser der Sonne beträgt 9000 Yojana und ihr Umfang nach der primitiven Annahme der Purāṇa für die Grösse π das Dreifache des Durchmessers. Der Durchmesser des Mondes ist doppelt so gross wie der der Sonne. Ihnen soll der Svarbhānu (Rāhu), der die Sonnen- und Mondfinsternisse hervorruft, gleich sein. Bhārgava (Venus) hat 1/16 der Mondgrösse, Bṛhaspati (Jupiter) ist 1/4 kleiner als dieser. Bhauma (Mars) und Saura (Saturn) haben nur 3/4 der Jupiter-Grösse, und Budha (Merkur) als kleinster Planet ist um 1/4 kleiner als Mars oder Saturn. Die grossen Sterne haben die gleiche Grösse wie Merkur, die kleineren sind 500, 400, 300 und 200 Yojana gross. Nach Mahābhārata VI. 482 ff. hat die Sonne einen Durchmesser von 10000 und einen Umfang von 35800 (30000+5800) Yojana, der Mond einen Durchmesser von 11000 Yojana und einen Umfang von 38900 (33000+5900) Yojana und der Svarbhānu einen Durchmesser von 12000 Yojana und einen Umfang von 42000 (36000+6000) Yojana.
c7.s2.t32.5
Nach dem Bhāgavatap. V. 24. 2 und Devībhāgavatap. VIII. 18. 3 ff. betragen die Angaben für den Durchmesser von Sonne, Mond und Rāhu 10000, 12000 und 13000 Yojana.
c7.s2.t32.6
Den Planeten werden verschiedene Farben zugeschrieben. Nach dem Matsyap. 94. 1 ff. gehört der Sonne die gelbe (padmagarbha), dem Monde die weisse (śveta), dem Mars die rote (rakta), dem Merkur die gelbe (pīta), dem Jupiter die gelbe (pīta), der Venus die weisse (śveta) und dem Saturn die blaue (indranīla) Farbe.
c7.s2.t32.7
Im Bṛhajjātakam 1) II. 5 werden den Planeten im allgemeinen die gleichen Farben beigelegt, nur gilt hiernach die Sonne als der Herr (nātha) der kupferroten (tāmra), Merkur als Herr der grünen (harita, śukavarṇa), Venus als Herr der bunten (citra, nānāvarṇa) und Saturn als Herr der schwarzen (asita, kṛṣṇa) Farbe.
c7.s2.t32.8
Auch bei den Nakṣatra werden in ähnlicher Weise Farbenattribute gelehrt, die aber weiter unten bei der Behandlung dieses Gegenstandes angegeben werden sollen.
c7.s2.t32.9
Wenn sich nun auch all diese Angaben auf bildliche Darstellungen usw. beziehen werden, wie aus der angegebenen Stelle des Matsyap. 2) und aus Bhaṭṭotpola’s Kommentar zum Bṛhajjātakam hervorgeht, so liegen denselben doch zweifellos ältere gemeinorientalische Vorstellungen zugrunde, wie sie auch aus Babylon und den Stätten des vorderasiatischen Kulturkreises vielfach belegt sind 3).
c7.s2.t32.10
Das Bṛhajjātakam nennt ferner an der gleichen Stelle als Beschützer (nātha) der einzelnen Planeten folgende Gottheiten: Sonne: Agni, Mond: Wasser (ambu), Mars: Kārttikeya, Merkur: Viṣṇu, Jupiter: Indra, Venus: Śacī, und Saturn: Prajāpati.
c7.s2.t32.11
Die Schutzgottheiten der Nakṣatra sind bereits oben S. 35 mitgeteilt worden.
c7.s2.t32.12
Alle Himmelskörper bewegen sich in Kreisbahnen um den Meru herum von Osten nach Westen. Aufgang und Untergang der Himmelskörper ist also in Wirklichkeit nur das Hervorkommen und Verschwinden derselben hinter dem Meru. Sie werden als Gottheiten vorgestellt, die auf Wagen, die mit himmlischen Pferden bespannt sind, dahinfahren.
c7.s2.t32.13
¹ Bombay 1886. Bl. 15.
c7.s2.t32.14
² Es werden hier ausserdem bestimmte Eigenschaften der Planetengötter wie Zwei- oder Vierhändigkeit und einzelne Attribute derselben wie Waffen usw. gelehrt.
c7.s2.t32.15
³ Siehe z. B. W. Bousset: Die Himmelsreise der Seele in: Archiv f. Religionswissenschaft. Bd. 4 (1901) S. 238 ff.
c7.s2.t32.16
Die Schnelligkeit der Planeten ist eine verschiedene, Saturn, Jupiter und Mars sind die langsamen und die vier unteren Sonne, Mond, Merkur und Venus die schnellen Planeten.
c7.s2.t32.17
Durch Windseile sind alle Himmelskörper am Polarstern (Dhruva) befestigt und werden durch den Wind Pravaha vorangetrieben, so genannt, weil er längs der Planeten fährt, die sich infolgedessen runddrehen.
c7.s2.t32.18
Unter sämtlichen Himmelskörpern sind Sonne und Mond am wichtigsten und deshalb wird auch am ausführlichsten von ihnen gehandelt.
Linked texts (9)
- Matsyapurāṇa — Vyāsa, Sanskrit
- Devībhāgavatapurāṇa — Sanskrit
- Bhāgavatapurāṇa — Vyāsa, Sanskrit
- Bṛhajjātaka — Varāhamihira, Sanskrit
- Brahmāṇḍapurāṇa — Vyāsa, Sanskrit
- Vāyupurāṇa — Vyāsa, Sanskrit
- Liṅgapurāṇa — Vyāsa, Sanskrit
- Kūrmapurāṇa — Vyāsa, Sanskrit
- Mahābhārata — Vyāsa, Sanskrit