Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c8.s5.t4: 2. Die jüngeren Anschauungen des Buddhismus über die Höllen
Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c8.s5.t4
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- German
2. Die jüngeren Anschauungen des Buddhismus über die Höllen
c8.s5.t4.1
Während man in der ältesten Zeit des Buddhismus nur sieben Höllen kannte, nahm man in jüngerer Zeit acht Haupt- oder grosse Höllen ³) und eine Anzahl von Ussada- (Utsada-) oder Neben-Höllen an, die die Haupthöllen umlagern sollen. Mahāvastu ⁴) redet von acht grossen und 16 Nebenhöllen. Nach der Anschauung der Jātaka (Kommentar) ⁵) hat jede Haupthölle 16 Nebenhöllen, und zwar je vier an jeder Seite, also zusammen 128 Nebenhöllen. In den jüngeren Berichten wird die Anzahl der Nebenhöllen oft bis ins Ungeheure potenziert. Hinsichtlich der Grösse der Haupthöllen schwanken die Angaben sehr. Nach dem Jātaka (Kommentar) ⁶) beträgt die Grösse von Avīci, der untersten Hölle, mit den Nebenhöllen 10 000 Yojana. Diese Zahl gibt Hardy ⁷) für alle Höllen an. Die Angaben, die Beal den Werken der chinesischen Buddhisten entnimmt, differieren stark von einander. Nach dem Mahāvastu ¹) haben die Höllen nach jeder Richtung hin nur eine Ausdehnung von 100 Yojana. Nach dem gleichen Text und den Jātaka (Kommentar) ²) sind sie viereckig, haben an jeder Seite je vier Türen und sind in einzelne Abteilungen abgetrennt. Der Fussboden ist von Eisen und glüht, und ein neun Yojana breiter eiserner Wall umgibt eine jede Hölle ³). Alle Höllen haben ein schauerliches Aussehen. Im Folgenden geben wir eine Schilderung der einzelnen Höllenabteilungen, sowie eine Angabe der Verbrechen, die den Aufenthalt in irgendeiner derselben nach sich ziehen.
c8.s5.t4.2
³ Beal: Catena S. 56 ff.
c8.s5.t4.3
⁴ 1 S. 244.
c8.s5.t4.4
⁵ S. 271.
c8.s5.t4.5
⁶ 5 S. 271.
c8.s5.t4.6
⁷ Manual S. 26.
c8.s5.t4.7
¹ S. 9, 3 S. 454.
c8.s5.t4.8
² 5 S. 272.
c8.s5.t4.9
³ Jātaka (Comm.) 5 S. 272.
c8.s5.t4.10
1. Samjīva.
c8.s5.t4.11
Nach der Schilderung der Jātaka (Kommentar) ⁴) zerstückeln die Höllenknechte die Verdammten mit glühenden Waffen verschiedener Art. Diese leben sofort wieder auf, um alsdann dieselben Leiden von neuem zu erdulden. Nach dem Mahāvastu ⁵) bearbeiten sich die Verdammten mit Äxten und Beilen, wobei sie kopfunten dahängen. Dann wachsen ihnen eiserne Nägel wie Schwerter von selbst an den Fingern und hiermit zerfleischen sie sich wütend. Sind sie bewusstlos geworden, so erweckt ihnen ein kalter Windhauch wieder das Leben, worauf sich dieselben Leiden wiederholen. Von diesem Wiederbeleben soll die Hölle ihren Namen haben.
c8.s5.t4.12
⁴ 5 S. 270 ff.; s. auch bei den weiteren Höllen.
c8.s5.t4.13
⁵ 1 S. 4 ff., 3 S. 454 ff.; s. auch bei den weiteren Höllen.
c8.s5.t4.14
Sie ist bestimmt für Feindselige, Gegenkönige, Räuber und Krieger, die hier in ganz besonderer Weise ihre feindseligen Gesinnungen einander zeigen. Nach Beal sollen hier Menschen bestraft werden, die in ihrem vergangenen Leben (in feindseliger Weise?) in Gedanken, Worten und Werken gesündigt haben.
c8.s5.t4.15
2. Kālasūtra.
c8.s5.t4.16
Nach den Jātaka binden die Höllenknechte die Verdammten an einander, werfen sie auf den glühenden Fussboden und zerstückeln sie mit glühenden Beilen, nachdem sie eine „schwarze Schnur“ (Kālasutta) darübergelegt haben. Nach dem Mahāvastu werden die Körper derselben mittelst eines Kālasūtra an einander gereiht (Beal S. 61: . . . lashed with burning iron wires . . .) und dann mit Beilen und andern Mordinstrumenten bearbeitet. Sind sie in Stücke zerschlagen, so erstehen sie wiederum zu neuem Leben. Während Sénart Kālasūtra als ein Marterinstrument („un certain instrument de supplice“) ⁶) auffassen möchte, übersetzt es L. Feer in der eben angegebenen Weise ⁷).
c8.s5.t4.17
⁶ Mahāvastu 1 S. 373; s. auch S. 384.
c8.s5.t4.18
⁷ Journal Asiatique S. 8, T. 20, S. 192. Über den Ausdruck Kālasūtra und die verschiedenen Übersetzungsversuche s. F. W. K. Müller in: Ethnologisches Notizblatt I, H. 3, S. 23 ff.
c8.s5.t4.19
Diese Hölle ist bestimmt für Lügner, schlechte Söhne, schlechte Frauen usw.
c8.s5.t4.20
3. Samghāta.
c8.s5.t4.21
In dieser Hölle werden die Sünder herdenweise zwischen glühende Berge aus Eisen getrieben, die sich dann einander nähern und jene zerquetschen, was der Hölle den Namen gegeben hat.
c8.s5.t4.22
Hier büssen alle die, die Lebewesen getötet oder gequält, auch jene, die Lauseier oder Läuse usw. mit den Nägeln zerdrückt haben.