Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c8.s6: 6. Kapitel. Die Zwischenwelt-(lokāntarika-)Räume
Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c8.s6
- Language
- German
6. Kapitel. Die Zwischenwelt-(lokāntarika-)Räume
c8.s6.1
Immer je drei Weltsysteme stossen mit den Aussenwänden an einander und lassen zwischen sich einen Raum frei, dessen Durchschnittsfläche ein aus drei Bogen gebildetes Dreieck darstellt. Dieser Raum heisst Zwischenweltsraum oder Lokāntarika. Da es unendlich viele Welten gibt, so gibt es auch unendlich viele Zwischenweltsräume. Sie sind in tiefste Finsternis gehüllt und werden weder durch Sonnen- noch Mondstrahlen erhellt¹ (Aṅguttara-Nik. 2 S. 130: yā pi tā lokantarikā, aghā asaṃvutā andhakārā andhakāratimisā yatha p'imesaṃ candimasuriyānaṃ... ābhā nānubhonti, wörtlich Samyutta-Nikāya 5 S. 454)². Die Finsternis ist viel intensiver und furchtbarer als jede andere Finsternis auf der Welt (Samyutta-Nikāya 5 S. 454: mahā vata so bhante andhakāro sumahā vata so bhante andhakāro, atthi nu kho bhante etamhā andhakārā añño andhakāro mahantataro ca bhayānakataro cā ti). Infolgedessen können die Wesen, die, wie Aṅguttara-Nikāya 2 S. 130 angedeutet wird³, in ihnen leben, einander und die Cakravāla- und übrigen Ring-Gebirge nicht erkennen⁴. Nur wenn die vier grossen Weltwunder geschehen, werden die Zwischenwelträume hell erleuchtet. Diese vier Weltwunder sind die Herabkunft des Bodhisattva aus dem Tuṣita-Himmel und der Eintritt desselben als Embryo in den Schoss der Mutter (Aṅguttara-Nikāya 2 S. 130: Yadā... bodhisatto Tusitā kāyā cavitvā sato sampajāno mātu kucchiyaṃ okkamati...), die Geburt aus dem Schosse der Mutter (yadā bodhisatto... mātu kucchismā nikkhamati...), die Erlangung der vollkommenen Erkenntnis (yadā Tathāgato anuttaraṃ sammāsambodhim abhisambujjhati...) und endlich das Drehen des Gesetzesrades, d. i. die Verkündigung der neuen buddhistischen Lehre durch den Buddha (... anuttaraṃ dhammacakkaṃ pavatteti...)⁵. Nach Jātaka 1 S. 76 werden diese Räume bei den angegebenen Gelegenheiten so sehr erhellt, als wenn sieben Sonnen leuchteten (sattasuriyappabhāya pi anobhāsitapubbā ekobhāsā ahesum).
c8.s6.2
¹ Lalita-Vist. S. 351, 410. Mahāvastu I S. 229. Divyāvadāna S. 204.
c8.s6.3
² Divyāvadāna S. 204 bringt diese Stelle fast wörtlich in Sanskrit.
c8.s6.4
³ Siehe ebenfalls die eben angegebene Stelle des Divyāvadāna.
c8.s6.5
⁴ Lalita-Vist. S. 227.
c8.s6.6
⁵ Divyāvadāna S. 204 f.
c8.s6.7
Nach jüngeren Angaben sind die Zwischenwelträume von den südlichen Buddhisten zu den furchtbarsten Höllen erhoben worden. Der Aufenthalt in denselben dauert nach Hardy ein Kalpa⁶, nach anderen Angaben aber ewig⁷ in Anbetracht der schweren in ihnen zu sühnenden Verbrechen. Die Verdammten nehmen hier einen gewaltigen hässlichen Körper an und führen den Namen Preta ¹). Alle Wesen mit Ausnahme der Bodhisatva sollen zu einer Existenz in diesen Räumen verurteilt sein. Nähere Einzelheiten über diese Punkte findet man in Hardy: Manual S. 58 f. und Koeppen 1 S. 241 ff.
c8.s6.8
⁶ Hardy: Manual S. 58.
c8.s6.9
⁷ Koeppen 1 S. 242.
c8.s6.10
¹ Hardy: Manual S. 58.
Linked texts (5)
- Vālasutta — Pāli
- Dutiyamettāsutta — Pāli
- Jātaka — Pāli
- Mahāvastu — Sanskrit
- Divyāvadāna — Sanskrit