Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c9.s2.t13: C. Dhātakīkhaṇḍa
Die Kosmographie der Inder nach den Quellen dargestellt c9.s2.t13
- Language
- German
C. Dhātakīkhaṇḍa
c9.s2.t13.1
Der Kontinent Dhātakīkhaṇḍa, vielfach auch Dhātakīsaṇḍa (Dhāyaīsaṇḍa), umgibt das Lavaṇoda-Meer und wird wieder vom Kāloda-Meer eingeschlossen ¹). Er ist 400 000 Yojana breit und hat einen äusseren Umfang am Kāloda-Meere von etwas weniger als 4 110 961 Yojana. Der Umfang am Lavaṇoda-Meere beträgt 1 581 139 Yojana und der Umfang in der Mitte des Kontinentes 2 846 050 Yojana. Er ist rings von einem Walle umgeben, der in gleicher Weise wie der des Jambūdvīpa mit Lotusterrasse und Gebüsch verziert ist. An den Kardinalpunkten liegen die vier Tore Vijaya usw., in der stereotypen Weise.
c9.s2.t13.2
Zwei gewaltige Gebirge, 500 Yojana hoch, 1000 Yojana breit und 400 000 Yojana lang durchqueren im Süden und Norden den Kontinent und teilen denselben in zwei gleiche Hälften. Sie heissen Iṣvākāra-(Lokaprakāśa:) Iṣukāra-)Gebirge, weil sie die Gestalt von Pfeilen haben. Auf der Gipfelfläche eines jeden erheben sich je vier Kuppen aus Edelstein.
c9.s2.t13.3
Beide Hälften des Kontinentes werden in ähnlicher Weise wie der Jambūdvīpa durch je sechs Gebirgsstreifen in je sieben Zonen eingeteilt. Die Breite der Gebirgsstreifen ist am Lavaṇoda-Meere die gleiche wie am Kāloda-Meere, und zwar doppelt so gross wie die der entsprechenden Gebirge in Jambūdvīpa. Die Höhe ist bei beiden die gleiche. Auch die Namen sind die gleichen. Die Dimensionen der Gebirge sind also folgende:
c9.s2.t13.4
| Namen der Gebirge | Höhe der Gebirge | Länge der Gebirge | Breite der Gebirge |
| Himavat | 100 Yojana | 400 000 Yojana | 2 105⁵/₁₉ Yojana |
| Mahāhimavat | 200 " | 400 000 " | 8 421¹/₁₉ " |
| Nisadha | 400 " | 400 000 " | 33 684⁴/₁₉ " |
| Nīla | 400 " | 400 000 " | 33 684⁴/₁₉ " |
| Rukmin | 200 " | 400 000 " | 8 421¹/₁₉ " |
| Śikharin | 100 " | 400 000 " | 2 105⁵/₁₉ " |
c9.s2.t13.5
Gesamtsumme 88 421¹/₁₉ Yojana
c9.s2.t13.6
Zieht man die Summe aus den Breiten der zweimal sechs Gebirge und der zwei Iṣvākāra-Gebirge (2 × 88 421¹/₁₉ Yoj. + 2000 Yoj.) von den drei Umfängen des Kontinentes ab, so erhält man die Summen der drei (äussere, mittlere und innere) Breiten der zweimal sieben Zonen. Das Verhältnis der Breite der Zonen zu einander ist in jeder Hälfte des Kontinentes das gleiche wie in Jambūdvīpa, also wie 1 : 4 : 16 : 64 : 16 : 4 : 1. Teilt man nun die erhaltenen drei Summen durch die doppelte Summe dieser Verhältniszahlen (212), so erhält man die Einheitszahlen für die äussere, mittlere und innere Breite der Zonen, nach denen die übrigen Zahlen sehr leicht berechnet werden können. Wir erhalten also folgende Tabelle:
c9.s2.t13.7
¹ Jīvābhigamasūtra Bl. 75a ff.; Lokaprakāśa S. 744 ff.; Jambūdvīpasamāsa S. 33 ff.; Trailokyadīpikā Bl. 47b ff.; Trailokyasāra Bl. 59a.
c9.s2.t13.8
Dimensionen.
c9.s2.t13.9
Die Iṣvākāra-Gebirge teilen den Kontinent in zwei Hälften.
c9.s2.t13.10
Die geographische Gestaltung der beiden Hälften des Kontinentes.
c9.s2.t13.11
Die Gebirge u. ihre Dimensionen.
c9.s2.t13.12
| Namen der Zonen | Aussere Breite | Mittlere Breite | Innere Breite |
| Bharata | 18 547¹⁵⁵/₂₁₂ Yojana | 12 581³⁶/₂₁₂ Yojana | 6 614¹²⁹/₂₁₂ Yojana |
| Haimavata | 74 190¹⁹²/₂₁₂ " | 50 324¹⁴⁴/₂₁₂ " | 26 458⁹²/₂₁₂ " |
| Harivarṣa | 296 763¹⁴⁸/₂₁₂ " | 201 298¹⁵²/₂₁₂ " | 105 833¹⁵⁶/₂₁₂ " |
| Videha | 1 187 054¹⁶⁸/₂₁₂ " | 805 194¹⁸⁴/₂₁₂ " | 423 334²⁰²/₂₁₂ " |
| Ramyaka | 296 763¹⁴⁸/₂₁₂ " | 201 298¹⁵²/₂₁₂ " | 105 833¹⁵⁶/₂₁₂ " |
| Hairanyavata | 74 190¹⁹²/₂₁₂ " | 50 324¹⁴⁴/₂₁₂ " | 26 458⁹²/₂₁₂ " |
| Airāvata | 18 547¹⁵⁵/₂₁₂ " | 12 581³⁶/₂₁₂ " | 6 614¹²⁹/₂₁₂ " |
c9.s2.t13.13
Die Zonen und ihre Dimensionen.
c9.s2.t13.14
Bergseen u. Ströme.
c9.s2.t13.15
Auf den Gebirgen liegen in der Mitte ihrer Scheitelfläche gewaltige Seen, aus denen die zweimal vierzehn Hauptströme des Kontinentes entspringen. Die Seen sind ebenso wie die Seen des Jambūdvīpa mit Lotussen verziert, und der Lauf der Ströme gestaltet sich in gleicher Weise in jenem, nur sind die Dimensionen bei Seen und Strömen mit Ausnahme der Tiefe — nach der Trailokyadīpikā¹) auch diese — doppelt so gross wie die entsprechenden Dimensionen im Jambūdvīpa. Die Namen sind ebenfalls die gleichen.
c9.s2.t13.16
Der geographische Aufbau der Varṣa ist der gleiche wie im Jambūdvīpa, nur sind die Dimensionen aller in Betracht kommender Einzelheiten erheblich grössere, und auch in den äusseren Formen zeigen sich einige Abweichungen, die in der Ringgestalt des Kontinentes grösstenteils ihren Grund haben. Die Hauptabweichungen sind folgende.
c9.s2.t13.17
Vaitāḍhya-Gebirge.
c9.s2.t13.18
Die Vaitāḍhya-Gebirge, die die Varṣa Bharata und Airāvata in gleichgrosse Hälften einteilen, haben die gleiche Breite und Höhe wie die entsprechenden Gebirge im Jambūdvīpa, ihre Länge ist gleich der Breite des Kontinentes. Weil die Nordseite der Gebirge ebenso gross ist wie die Südseite, so liegen auf jeder Seite gleichmässig 55 Städte der Vidyādhara.
c9.s2.t13.19
Beschreibung der Mandara's.
c9.s2.t13.20
In der Mitte jedes Varṣa Videha erhebt sich je ein Mandara oder Meru, jedoch sind die Dimensionen derselben erheblich kleiner wie die des Mandara im Jambūdvīpa. Die Gesamthöhe jedes dieser Berge beträgt 85 000 Yojana, von denen aber 1000 Yojana auf das unterirdische Fundament entfallen, so dass er über dem Erdboden nur 84 000 Yojana hinausragt. Der Durchmesser beträgt an der Basis 9500, am Erdboden 9400 und an der Spitze 1000 Yojana. Die Differenz der stetigen Abnahme beträgt also ¹/₁₀ der Höhe. Am Fusse jedes Mandara breitet sich rund um denselben je ein Hain Bhadraśāla aus. Die äussere Form desselben stellt genau wie im Jambūdvīpa ein gleichmässiges Rechteck dar. Die Länge östlich und westlich vom Mandara beträgt 107 879 Yojana, die Gesamtlänge von Osten nach Westen also 2 × 107 879 + 9400 (Breite des Mandara) = 225 158 Yojana. Die Breite beträgt nur ¹/₈₈ der Länge östlich oder westlich des Mandara, d. i. ¹⁰⁷⁸⁷⁹/₈₈ = 1225⁶⁹/₈₈ Yojana. 500 Yojana über dem Erdboden liegt auf einer 500 Yojana breiten ringförmigen Stufe des Mandara der Hain Nandana. 55 500 Yojana über dem Hain Nandana liegt auf einer zweiten 500 Yojana breiten Stufe der Hain Saumanasa. 28 000 Yojana über dem Saumanasa liegt auf der Scheitelfläche der Hain Paṇḍaka, 494 Yojana breit. In der Mitte steht ein Aufsatz (cūlikā), 12 Yojana hoch, an der Basis 12 und an der Spitze 6 Yojana breit. Die Ausstattung aller dieser Haine ist die gleiche wie im Jambūdvīpa.
c9.s2.t13.21
¹ Bl. 47b.
c9.s2.t13.22
Die an den Mandara anschliessenden Vakṣāra-Gebirge in der Form von Elefanten- zähnen haben folgende Dimensionen. Ihre Breite beträgt am äussersten Ende 1000 Yojana, und die Länge der beiden Vidyutprabha und Gandhamādana je 356 227 und die der beiden Saumanasa und Mālyavat, die ja nach dem Kāloda-Meere zu liegen und infolgedessen länger sind, je 569 259 (Jambūdvīpasamāsa: 569 159) Yojana.
c9.s2.t13.23
Pūrvavideha und Aparavideha werden in der gleichen Weise wie im Jambūdvīpa in Provinzen (vijaya) eingeteilt, und östlich und westlich schliessen sich die beiden Wälder De- vāraṇya und Bhūtāraṇya an. Jeder von diesen Wäldern hat eine Breite von 5844 Yojana, und Pūrvavideha und Aparavideha haben eine Breite von je 81 577 Yojana.
c9.s2.t13.24
Der Kontinent hat den Namen Dhātakīkhaṇḍa, weil hier viele Dhātakī-Bäume, Dha- takī-Wälder und Dhātakī-Gebüsche sind. In jeder der beiden Hälften von Dhātakīkhaṇḍa steht in Uttarakuru in der Nähe des Nīla-Gebirges je ein Dhātakī-Baum, wie der Jambū-Baum im Jambūdvīpa, mit den beiden Göttern Sudarśana (Trailokyadīpikā ¹): Prabhāsa) und Priya- darśana mit einer Lebensdauer von einem Palyopama ²).
c9.s2.t13.25
¹ Bl. 49 b.
c9.s2.t13.26
² Jīvābhigamasūtra Bl. 761 b f.; Lokaprakāśa S. 763.
Cites (4)
- Jīvājīvābhigama — Ardhamāgadhī Prakrit
- Tiloyasāra — Nemicandra Siddhāntacakravartin, Śaurasenī Prakrit
- Saṃgahaṇīrayaṇa — Śrīcandrasūri, Māhārāṣṭrī Prakrit
- Lokaprakāśa — Kṣemendra, Sanskrit