Das Ramayana: Geschichte und Inhalt nebst Concordanz der gedruckten Recensionen c2.1
Das Rāmāyaṇa: Geschichte und Inhalt nebst Concordanz der gedruckten Recensionen c2.1
- Language
- German
c2.1
Zwischen der ausführlichen Begründung meiner Ansichten über das Râmâyaṇa in vorliegendem Buche und der ersten programmartigen Formulirung derselben in dem „Festgruss an Otto von Böhtlingk“ liegen fünf Jahre. Während derselben ist das Râmâyaṇa nie für längere Zeit meinem Arbeitstisch, noch die mit ihm verknüpften Probleme meinen Gedanken fern geblieben. Wenn also die von mir vertretenen Ansichten mit manchen bisher verbreiteten im Widerspruch stehen, so bitte ich ich bei der Beurteilung meiner Arbeit zu berücksichtigen, dass ich sie wohl vorbereitet erst nach langjähriger Prüfung veröffentliche. Aber selbst der doppelte Zeitraum würde nicht genügt haben, hätte ich alle Voruntersuchungen, deren Mangel ich lebhaft empfand, selbst erledigen wollen. Späterer Detailforschung verbleibt hier ein ergiebiges und dankbares Arbeitsgebiet. Selbst die wichtigste Voruntersuchung, die Aussonderung der Zusätze, habe ich nur bis zu einem gewissen Grade gefördert; hätte ich sie zu Ende führen und mitteilen wollen, ich hätte einen ganzen Band füllen können — schwerlich aber viele Leser für ihn gefunden. Schneller und sicherer als durch lange Beschäftigung mit dem stark interpolirten Text der indischen Diaskeuasten würde man eine Anschauung von dem Gedichte Vâlmîki's aus einem einfachen Abdruck des gereinigten Textes gewinnen können; und für viele Partien würde die Reconstruction des Textes — natürlich vom Wortlaut abgesehen — mit ziemlicher Sicherheit vorgenommen werden können. Aber die Grösse des Textes, der nach Ausscheidung aller erkennbaren Zusätze immerhin noch acht- bis zehntausend Çloken umfassen würde, und der subjektive Charakter, der jeder Rekonstruktion anhaftet, lassen leider die Ausführung eines solchen Planes als unmöglich erscheinen.