Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c4.s1.63
Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c4.s1.63
- Language
- German
c4.s1.63
Dass diese Gestalt der Gâyatrî sich aus der so viel schärfer ausgeprägten, in ihrem Rhythmus ihr direct entgesetzten jambischen Form als eine Abart entwickelt habe, möchte ich bezweifeln. Wenn man die metrischen Reihen des Veda ansieht als im letzten Grunde hervorgegangen aus Reihen, die nur nach ihrer Sylbenzahl, nicht aber nach der Quantität der Sylben bestimmt waren, und deren Rhythmus auch nicht stark genug war, um Weiterentwicklungen nach verschiedenen Richtungen auszuschliessen, so wird man geneigt sein, die trochäische achtsylbige Reihe, wenn diese Bezeichnung der Kürze wegen gestattet ist, als eine neben der jambischen Form stehende, von dieser unabhängige Entwicklung der ursprünglichen prosodisch-indifferenten achtsylbigen Reihe anzuerkennen. Die geringe Ausdehnung des zu metrischer Bestimmtheit gelangten Theiles der Reihe und der sehr wenig intensive Character dieser Bestimmtheit scheinen mir Zeichen der Alterthümlichkeit zu sein, durch welche dies nicht sehr beliebte, in seiner Entwicklung, wie ich meine, auf einem frühen Stadium stehen gebliebene Metrum sich von den übrigen Versmaassen des Veda merklich unterscheidet: aber so weit ruht doch dieses mit jenen auf gemeinsamem Boden, dass seine Unbestimmtheit den vedischen Forscher warnen wird, die wenn auch immerhin grössere Bestimmtheit jener nicht mit Maassstäben zu messen, deren Anwendbarkeit auf die vedische Poesie wir läugnen müssen.