Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c6.196.3
Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c6.196.3
- Language
- German
c6.196.3
Denn der Unterricht in der liturgischen Technik schuf sich als Vehikel seine eignen Texte²); das alte Liedercorpus aber pflanzte man, wie auch die Entwicklung der Liturgik verlaufen mochte, als etwas Feststehendes von Geschlecht zu Geschlecht fort. Es ist wohl begreiflich, dass auf dem Wege dieser von hoher Sorgfalt gehüteten Ueberlieferung die Riktexte weniger gelitten haben, als auf den Seitenlinien, welche neben jenem Hauptwege einhergingen, bei ihrer Hinüberleitung in andre, neu sich bildende Zweige der Schultradition. Die Feststeller dieser Tradition, die ohne solche altüberkommene, umfassende Grundlage der Ueberlieferung, wie der Rigveda sie gab, überall selbst schaffend aufzutreten hatten, die das Alte, das sie sich aneigneten, aus seinem Zusammenhang lösten und mit Neuentstandenem untermischten, fühlten sich offenbar in ganz andrer Weise als es bei den blossen Ueberlieferern des Alten der Fall sein konnte, berechtigt, dem Rigvers, den sie als Sâmantext oder als Yajusspruch niederlegten, die Gestalt zu geben, welche ihnen gut schien. Die controlirende Instanz, die innerhalb der Schule dem Wissenden in denen, von welchen ihm sein Wissen kam, und in der Masse der neben ihm stehenden gleichfalls Wissenden gesetzt war, fiel da fort, wo neue Schulen sich bildeten, die auf die Kenntniss der Riktexte im vollen Zusammenhang verzichteten, und deren Begründer eine nicht durch Gleichberechtigte eingeschränkte Autorität genossen.