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Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c7.s7.2

Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c7.s7.2

Language
German

c7.s7.2

Nicht ganz selten erscheinen im überlieferten Text declinirte oder conjugirte Stämme durch alle ihre Formen hindurch in einer vom Metrum als fehlerhaft erwiesenen Gestalt. Fälle dieser Art lassen sich wenigstens bei häufigeren Worten meistens hinreichend von denjenigen unterscheiden, in welchen die überlieferte Form die richtige und vielmehr auf Seiten des Metrums eine Licenz anzunehmen ist. Knüpft sich der Anstoss an ein bestimmtes Wort, und findet sich etwa, dass dasselbe nach seiner traditionellen Gestalt dem Metrum nirgends als an prosodisch indifferenten Stellen genügt, so wird die Kritik sich nicht bedenken, eine veränderte Ansetzung der Wortform aufzusuchen. Sie wird andrerseits einen solchen Versuch da ablehnen, wo ein Wort nur gelegentliche, mehr oder minder allen Worten gemeinsame Verletzungen des Metrums aufweist, und wo in der überwiegenden Menge der Fälle das Versmaass die überlieferte Prosodie des betreffenden Wortes zulässt oder sogar verlangt: wobei natürlich ein zweifelhaftes Mittelgebiet zwischen dieser und der vorher aufgestellten Gruppe von Fällen nicht vollkommen wird beseitigt werden können. Längst bekannte und durchaus feststehende Fälle der falsch überlieferten Stammgestalt betreffen das Wort pâvaka, welches vielmehr als pavâka anzusetzen ist ¹), ebenso chadis (welches im Ṛv. X, 85, 10 richtig überliefert ist) für das überlieferte chardis. Sodann mehrere Worte, in welchen für langen ṛi-Vocal stehend der kurze überliefert ist ²): so mṛiḍ-, dṛiḷha, tṛiḷha, in welchen Worten die prosodische Beobachtung und die morphologische Betrachtung — es muss Ersatzdehnung vorliegen — einander auf’s Beste unterstützen ³). Man kann den Thatbestand nicht, wie gelegentlich geschehen ist, so ausdrücken, dass »im Veda ṛi nicht nur den kurzen, sondern auch den langen Vocal bezeichnet.« Vielmehr ist die Form, die mṛiḍ-, dṛiḷha hiess, irrig als mṛiḍ-, dṛiḷha überliefert worden, weil sie in der Zeit der Ueberlieferer wirklich mṛiḍ-, dṛiḷha lautete. Der Atharvaveda ist ein Denkmal des Zeitalters, in welchem neben der alten Prosodie (ṛī) die moderne (ṛi) sich festsetzte; die Länge des Vocals ist dort nach Ausweis des Metrums vertreten bei mṛiḍ- I, 20, 1; V, 6, 5-7; X, 1, 22; XI, 2, 28; XVIII, 3, 16, bei dṛiḷha XI, 5, 11; die Kürze andrerseits bei mṛiḍ- V, 4, 7; XII, 1, 46. 47; XIX, 44, 4; 55, 2; bei dṛiḷha V, 30, 1; IX, 3, 3. — Von nicht geringerer sprachlicher Wichtigkeit als die Form dṛiḷha sind eine Reihe von Verbalformen der neunten Conjugation, wo das Metrum über das überlieferte śṛiṇânaḥ VIII, 101, 9 hinweg zu der Form śriṇânaḥ führt; ebenso śriṇîtana IX, 11, 6 (überliefert śṛiṇîtana); priṇanti IX, 74, 4; apriṇât VIII, 23, 16; priṇânaḥ

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