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Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c7.s7.7

Die Hymnen des Rigveda, Bd. I: Metrische und textgeschichtliche Prolegomena c7.s7.7

Language
German

c7.s7.7

Die hier erwähnten Beispiele werden hinreichen, den Fall zu exemplificiren, dass eine im wahren Riktext ausschliesslich auftretende Gestalt eines Wortes in der Tradition ebenso ausschliesslich durch eine andre, jüngere verdrängt worden ist. Wir sahen, wie im Atharvaveda bei einigen der besprochenen Fälle sich Schwankungen, die offenbaren Characteristica einer Uebergangsperiode finden. Man kann es danach a priori nur als wahrscheinlich ansehen, dass ähnliche Schwankungen auch im Rigveda auftreten werden: wo dann natürlich die Abgrenzung derartiger Fälle gegen solche, in denen lediglich eine freiere Handhabung des Metrums vorliegt, nur mit mangelhafter Sicherheit vorgenommen werden kann. Die statistischen Verhältnisse und daneben die sprachgeschichtliche Erklärlichkeit der etwa für die Restitution in Frage kommenden Formen sind die Momente, von welchen die Entscheidung allein abhängen kann, während dieselben doch selbstverständlich oft genug zur Herbeiführung einer sicheren Entscheidung unzureichend sind. Eine gewisse Wahrscheinlichkeit glaube ich z. B. der Annahme eines Stammes jâna neben jana beilegen zu müssen ¹). Beispielsweise für die Form janân haben wir folgende Stellen, welche eine lange erste Sylbe verlangen würden: I, 173, 8; II, 20, 2; III, 46, 2; V, 33, 2; VI, 10, 5; 20, 1; 49, 15; 67, 3; 68, 5; dagegen eine Kürze verlangend I, 50, 3. 6; 64, 13; 120, 11; II, 2, 10; VIII, 19, 14; 32, 22; 60, 16; X, 14, 12 (9 gegen 9 Stellen). Für die Form janâḥ: mit Länge der ersten Sylbe I, 89, 10; IV, 38, 9; VI, 11, 4; 51, 11; dazu vielleicht auch II, 24, 10; X, 53, 5; dagegen mit der Kürze I, 102, 5; III, 2, 5; VIII, 1, 3; 5, 38; 40, 7; 43, 29; 46, 32; 74, 6 (4 bis 6 gegen 8 Stellen)¹). Zwar mahnen Beobachtungen wie die oben S. 11 Anm. 1 über den Gebrauch von avase, avasaḥ etc. mitgetheilten zur Vorsicht; immerhin scheint mir bei jana der Widerspruch zwischen Metrum und überlieferter Wortgestalt doch ein zu häufiger, als dass die Annahme einer blossen metrischen Freiheit wahrscheinlich wäre; kurze Worte wie janāḥ und janān hätten sich ohne Schwierigkeit überall ohne Verletzung des Metrums in den Vers bringen lassen. Konnte wirklich jănāḥ so häufig an Stelle eines Spondeus im Ausgang der Triṣṭubh gebraucht werden, warum wurde z. B. das noch weit häufigere manaḥ nie so gebraucht? Warum weisen bei diesem Wort alle überhaupt characteristischen Stellen — ihre Zahl ist 37 — ausnahmslos²) auf die Kürze der ersten Sylbe hin? Mir scheint also, dass mit demselben Recht, wie wir aus den Materialien des Atharvaveda das Nebeneinanderstehen von mṛḍ- und mṛḍ- für die Zeit dieses Veda zu schliessen haben, so für den Ṛigveda das Nebeneinanderstehen von jāna- und jana- vermuthet werden darf³).

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