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Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s8.18

Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s8.18

Language
German

v1.c8.s8.18

Die Stelle beweist, wie leicht man es in jener alten Zeit mit der brahmanischen Abstammung nahm, während doch später — in den Gesetzbüchern — immer wieder betont wird, daſs nur der Brahmane den Veda lehren und nur ein Mitglied der drei höchsten Kasten im Veda unterrichtet werden darf. In den Upaniṣads aber wird uns auch wiederholt erzählt, daſs Könige oder Krieger im Besitze des höchsten Wissens sind, und daſs Brahmanen zu ihnen in die Lehre gehen. So geht der Brahmane Gautama, Vater des Śvetaketu, zum König Pravāhaṇa, um sich von ihm über das Jenseits belehren zu lassen. Und es wird erzählt, daſs dem König das Verlangen des Gautama sehr peinlich gewesen sei. Denn die Lehre, die er zu verkünden hatte, war vorher nie zu den Brahmanen gedrungen, »und darum eben ist in allen Welten die Herrschaft dem Kriegerstande zugefallen«. Schlieſslich teilt ihm aber der König doch die Lehre mit, — und zwar ist es die Lehre von der Seelenwanderung, die hier, wo sie zuerst klar und deutlich auftritt, sich als eine der brahmanischen Theologie ursprünglich fremde, aus dem Kriegerstande hervorgegangene Lehre erweist¹). Daſs aber auch die Hauptlehre der Upaniṣads, die Lehre vom Ātman, dem All-Einen, in nicht-brahmanischen Kreisen entstanden ist, beweist eine andere Stelle, wo fünf hochgelehrte Brahmanen sich zu dem weisen Uddālaka Āruṇi begeben, um von ihm die Lehre vom Ātman zu erfahren. Der aber überlegte bei sich: »Diese groſsen Herren und groſsen Gelehrten werden mich fragen, und ich werde ihnen nicht auf alles antworten können. Wohlan! Ich will sie auf einen anderen hinweisen.« Und er verweist sie auf den König Aśvapati Kaikeya, zu dem sie dann tatsächlich in die Lehre gehen²).