Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s8.39
Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s8.39
- Language
- German
v1.c8.s8.39
Es gibt nun noch eine vierte Klasse von Upaniṣads. Wenn aber schon bei den Upaniṣads der beiden vorhergehenden Klassen die Zugehörigkeit zu bestimmten vedischen Schulen sehr zweifelhaft ist, so steht die groſse Masse von Texten, welche dieser Klasse angehören, eigentlich zu den vedischen Schulen in keiner Beziehung mehr, man kann sie kaum mehr zum Veda überhaupt rechnen. Die Inder allerdings bezeichnen alle diese Upaniṣads als zum Atharvaveda gehörig. In Wirklichkeit aber enthalten diese sogenannten »Upaniṣads des Atharvaveda« die Lehren und Anschauungen von Philosophenschulen und sektarischen Gemeinschaften, welche auſserhalb des Veda stehen und einer viel jüngeren Zeit angehören. Man zählte sie zum Atharvaveda, weil dieser Veda schon von Anfang an kein kanonisches Ansehen genoſs und es nahe lag, alles, was nicht orthodoxbrahmanisch war, als zum Atharvaveda gehörig zu bezeichnen. Ferner war ja der Atharvaveda, wie wir gesehen haben, vor allem der Veda der Zauberei und der damit verbundenen Geheimniskrämerei¹). Die eigentliche Bedeutung von »Upaniṣad« — und man hat diese Bedeutung nie vergessen — war aber »Geheimlehre«. Was war natürlicher, als daſs man eine groſse Klasse von Werken, die als Upaniṣads oder Geheimlehren galten, dem Atharvaveda, der ja selbst nichts anderes war als eine Summe von Geheimlehren, angliederte²)!