Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s8.42
Geschichte der indischen Litteratur v1.c8.s8.42
- Language
- German
v1.c8.s8.42
Das Wort Upaniṣad ist nämlich von dem Zeitwort upa-ni-sad, »sich zu jemand nahe hinsetzen« abzuleiten, und es bedeutet ursprünglich das Sich-hinsetzen des Schülers zum Lehrer zum Zweck einer vertraulichen Mitteilung, also eine »vertrauliche« oder »Geheimsitzung«. Aus diesem Begriff der »Geheimsitzung« hat sich dann die Bedeutung »Geheimlehre« — das, was in einer solchen vertraulichen Sitzung mitgeteilt wird — entwickelt¹). Die Inder geben als Synonym des Wortes upaniṣad in der Regel das Wort rahasyam an, welches »Mysterium, Geheimnis« bedeutet. In den Upaniṣadtexten selbst werden öfters die Ausdrücke iti rahasyam und ity upaniṣad nebeneinander in dem Sinne von »so lautet die Geheimlehre« gebraucht. Oft genug finden wir auch in den Upaniṣads selbst die Warnung, irgendeine Lehre einem Unwürdigen mitzuteilen. »Diese Lehre vom Brahman,« heißt es z. B.²), verkünde ein Vater seinem ältesten Sohne oder einem vertrauten Schüler, nicht aber einem anderen, wer es auch sei, selbst wenn ihm dieser die ganze vom Wasser umschlossene, mit Schätzen gefüllte Erde geben sollte.« Sehr häufig wird in den Upaniṣads auch erzählt, wie ein Lehrer um Mitteilung irgendeines Wissens gebeten wird, aber erst auf wiederholtes Bitten und Drängen des Schülers nachgibt und ihm seine Lehre offenbart³).