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Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s6.t2: Das Mahāvastu

Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s6.t2

Language
German

Das Mahāvastu

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Als noch zur alten Schule des Hīnayāna gehörig ist hier zuerst das Mahāvastu, »das Buch der großen Begebenheiten«, zu nennen²). Das Werk bezeichnet sich selbst als ein Buch »des Vinayapiṭaka nach dem Text der zu den Mahāsāṅghikas gehörigen Lokottaravādins«. Die Mahāsāṅghikas, d. h. die Anhänger des Mahāsaṅgha, der »großen Gemeinde«, sind nach übereinstimmenden Berichten die ältesten Schismatiker³). Eine Unterabteilung von ihnen bilden die Lokottaravādins, d. h. diejenigen, nach deren Lehre die Buddhas »über die Welt erhaben« (lokottara) sind und sich dem weltlichen Leben nur äußerlich anpassen¹). Ganz in Übereinstimmung mit dieser Lehre wird die Buddhabiographie, die den Hauptinhalt des Mahāvastu bildet, als ein »Avadāna«, eine Wundergeschichte, erzählt. Freilich unterscheidet es sich dadurch wenig von den Texten des Pālikanons, die sich mit dem Leben des Buddha beschäftigen. Hier wie dort hören wir von Wundern, welche die Empfängnis, die Geburt, die Erleuchtung, die ersten Bekehrungen des Buddha begleiten. Mit der Nidānakathā stimmt das Mahāvastu darin überein, daß es das Leben des Buddha in drei Abschnitten behandelt²), von denen der erste mit dem Dasein des Bodhisattva zur Zeit des Buddha Dīpaṅkara beginnt (I, 193 ff.) und von dessen Dasein zur Zeit der anderen früheren Buddhas erzählt. Der zweite Abschnitt (II, 1 ff.) führt uns in den Himmel der Tuṣitagötter, wo der dort wiedergeborene Bodhisattva sich entschließt, im Schosse der Königin Māyā Wiedergeburt zu erlangen, und erzählt von den Wundern der Empfängnis und Geburt des Prinzen, von seinem Auszug aus der Heimat, seinen Kämpfen mit Māra und der Erleuchtung, die er unter dem Bodhibaum erringt. Der dritte Abschnitt (in Band III) endlich erzählt, in den Hauptzügen mit dem Mahāvagga des Vinayapiṭaka übereinstimmend, die Geschichte der ersten Bekehrungen und der Entstehung der Mönchsgemeinde. Und dies ist auch der Grund, weshalb sich das Mahāvastu als zum Vinayapiṭaka gehörig bezeichnet, obgleich es — von einigen wenigen Bemerkungen über die Aufnahme in den Orden abgesehen — so gut wie nichts über den eigentlichen Vinaya, die Ordensregeln, enthält. Es entspricht jenem Teil des Vinayapiṭaka, der die Entstehungsgeschichte des Ordens erzählt¹).

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² Le Mahâvastu, text Sanscrit, publié pour la première fois et accompagné d’introduction et d’un commentaire par É. Senart, I—III, Paris 1882—1897 (mit detaillierter Inhaltsübersicht in den Einleitungen). A. Barth in RHR 11, 1885, 160 ff.; 42, 1900, 51 f. und Journal des savants 1899, 459 ff., 517 ff., 623 ff. E. Windisch, Die Komposition des Mahāvastu in Abhandl. der phil.-hist. Kl. der k. sächs. Ges. d. Wiss. XXVII, Leipzig 1909, S. 467—511. Eine Inhaltsübersicht auch bei Rāj. Mitra, Nep. Buddh. Lit., pp. 115—161.

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³ Das ist das einzig sichere, was wir den einander widersprechenden und unklaren Berichten über die Entstehung der buddhistischen Sekten entnehmen können. Vgl. Kern, Manual of Buddhism 105 ff.

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¹ »’Nichts ist den vollkommen Erleuchteten mit der Welt gleich, sondern alles ist bei den großen Ṛṣis erhaben über der Welt’, Mahāvastu I, 159, 2. Sie waschen sich die Füße, obwohl diesen kein Staub anhaftet, sie setzen sich in den Schatten, obwohl die Sonnenhitze sie nicht drückt, sie nehmen Nahrung zu sich, obwohl sie nie der Hunger plagt, sie gebrauchen Arznei, obwohl die Krankheit bei ihnen nicht vorhanden ist, usw.«, Windisch a. a. O., S. 470. Die Lokottaravādins gehören nach Mahāv. I, 2 dem »Mittelland« (madhyadeśa), d. h. den zwischen dem Himālaya und dem Vindhya-Gebirge gelegenen »sechzehn Ländern« (Mahāvastu I, 198) an.

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² Oben S. 149. Aber die Ausdrücke dūrenidāna, avidūrenidāna und santikenidāna finden sich im Mahāvastu nicht.

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¹ Vgl. oben S. 20 ff. und Windisch a. a. O. S. 473, 476 ff.

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Wenn wir aber sagen, daß das Mahāvastu in der Hauptsache die Lebensgeschichte des Buddha für die Lokottaravādins erzählt, so ist damit der Inhalt des Werkes lange nicht erschöpft, noch auch von dessen Komposition eine Vorstellung gegeben. Denn weitentfernt, ein litterarisches Kunstwerk zu sein, ist das Mahāvastu vielmehr ein Labyrinth, in dem man nur mit Mühe den Faden einer zusammenhängenden Erzählung vom Leben des Buddha entdecken kann. Fortwährend wird diese Erzählung durch andere Stoffe unterbrochen, insbesondere durch zahlreiche Jātakas und Avadānas, aber auch durch dogmatische Sūtras. Ein Anordnungsprinzip ist nicht zu erkennen. Oft wird nicht einmal der Versuch gemacht, auch nur einen losen Zusammenhang zwischen den verschiedenen Bestandteilen herzustellen. Ferner wird überaus häufig eine und dieselbe Geschichte, sei es eine Episode aus dem Leben des Buddha oder ein Jātaka, zweimal hintereinander erzählt, zuerst in Prosa und dann noch einmal — bald mehr, bald weniger abweichend — in Versen. Aber auch an verschiedenen Stellen kehren dieselben Episoden mit geringfügigen Abweichungen mehrmals wieder. So wird die Legende von Buddhas Geburt nicht weniger als viermal erzählt²). Auch die Sprache ist keine einheitliche. Zwar ist das ganze Werk, sowohl die Prosa als auch die Verse, in »gemischtem Sanskrit« geschrieben, aber dieser Dialekt nähert sich dem Sanskrit bald mehr bald weniger. In letzterem Falle ist er altertümlicher³).

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² Windisch, Buddha's Geburt, S. 106, 124 f.

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³ Oldenberg, ZDMG 52, 663.

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Trotz alledem und trotzdem wir aus dem Werke kaum irgend etwas Neues über die Lehre des Buddha, nicht einmal über besondere Lehren der Lokottaravādins erfahren, ist es doch von größter Wichtigkeit dadurch, daß es uns viele alte Überlieferungen und alte Versionen von Texten, die auch im Pālikanon vorkommen, erhalten hat. So wird der Auszug des Prinzen Siddhārtha aus der Heimat (abhiniṣkramaṇa) in höchst altertümlicher Weise — ähnlich wie im Majjhimanikāya (26 und 36) —

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erzählt¹). Ebenso finden wir da alte Versionen der »Predigt von Benares«, des Mahāgovindasutta (Dīghanikāya 19), des Dīghanakhasutta (Majjhimanikāya 74), des Sahassavagga aus dem Dhammapada, des Khuddakapāṭha, der Pabbajjā-, Padhāna- und Khaggavisāṇa-Suttas aus dem Suttanipāta, und einzelner Stücke des Vimānavatthu und des Buddhavaṃsa²). Im altertümlichen Balladenstil sind auch die Gedichte über die Geburt des Buddha gehalten. Sie sind Reste jener altbuddhistischen Balladendichtung, die wir schon so oft kennen gelernt haben.

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¹ II, 117. Unmittelbar folgt eine zweite, spätere Fassung desselben Abhiniṣkramaṇasūtra.

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² Vgl. Oldenberg, ZDMG 52, 659 ff., 665 ff. Windisch, Māra und Buddha, 316 ff., 322 ff.

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Ganz besonders wertvoll ist aber das Mahāvastu als eine Fundgrube von Jātakas³) und anderen Erzählungen. Gut die Hälfte des Werkes besteht aus Jātakas, die teils in reiner Prosa, teils in Prosa mit eingefügten Versen, manchmal zuerst in Prosa und dann noch einmal in Versen erzählt werden. Wieder begegnen wir hier dem Bodhisattva bald als einem weltbeherrschenden König, bald als einem Kaufmannssohn, bald als einem Brahmanen, ebenso wie als Nāgafürsten, als Löwen, Elefanten usw. Viele der Jātakas sind Versionen derselben, welche wir im Pāli Jātakabuch finden, manchmal fast wörtlich übereinstimmend, manchmal mit größeren oder geringeren Abweichungen. So ist das Śyāmakajātaka (II, 209 ff.), die rührende Geschichte von dem Brahmanensohn, den der König Peliyakṣa mit einem Pfeil tötet, nur eine Version des uns bekannten Sāmajātaka. Das Kinnarījātaka (II, 94 ff.) entspricht dem Charakter, wenn auch nicht dem Inhalte, nach den Kinnaramärchen des Jātakabuches. Das Kusajātaka erscheint einmal (II, 420 ff.) in einer vom Pāli ziemlich abweichenden Rezension, ein zweites Mal (III, 1 ff.) in einer metrischen Version, die mit den Pāli Gāthās Übereinstimmungen zeigt⁴).

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³ Sie sind zusammengestellt von S. d'Oldenburg im JRAS 1893, p. 335 ff. und A. Barth im Journal des savants 1899, S. 625 ff. Einige Jātakas aus dem Mahāvastu hat J. Charpentier, Paccekabuddhageschichten 2 ff., 12 ff., 25 ff. besprochen.

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⁴ Oben S. 120 f., 107, 110 f. Die Geschichte von Amarā, der Schmiedstochter (II, 83 ff.) entspricht dem Pāli Jātaka Nr. 387. Das Markaṭajātaka (II, 246 ff.) ist die Fabel vom Affen und Krokodil (Jāt. Nr. 208), oben S. 101, 131 f.

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Die Geschichte von Nalinī, die den Ekaśṛṅga (d. h. »Einhorn«) verführt, ist im Mahāvastu (III, 143 ff.) zu einer sehr frommen Legende abgeschwächt worden, die aber doch noch altertümliche Züge aufbewahrt hat, die in der Prosa des Pāli Jātaka von Isisiṅga geschwunden sind¹).

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¹ Lüders, NGGW 1901, S. 20 ff. und oben S. 119 f.

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Es gibt aber auch viele Jātakas und Avadānas im Mahāvastu, die im Pāli keine Entsprechungen haben. In diesen wird besonders häufig die außerordentliche Opferwilligkeit und Freigebigkeit des Bodhisattva verherrlicht. Als König Arka z. B. schenkt er dem damaligen Buddha 80 000 Grotten (Höhlentempel), aus den sieben Arten von Edelsteinen hergestellt (I, 54). Ein andermal verschenkt er Weib und Kind, nur um einen weisen Ausspruch zu lernen (I, 91 f.). Als Töpfer ist er frömmer denn König Kṛkin, da er kein lebendes Wesen tötet und seine Töpfe auf Kreuzwegen aufstellt, um sie für Hungrige mit Reis und Bohnen zu füllen; und als er hört, daß seine Eltern in seiner Abwesenheit das Stroh, mit dem er kurz vorher seine Hütte frisch gedeckt hatte, dem Buddha geschenkt haben, freut er sich einen Monat lang (I, 317 ff.). Manche der Erzählungen tragen mehr brahmanischen oder purāṇaartigen Charakter. So die Geschichte von Brahmadatta, der kinderlos ist und sich an die Ṛṣis wendet, worauf ihm drei Vögel geboren werden, die mit menschlicher Stimme reden und sehr weise Aussprüche von sich geben (I, 272 ff.)²). Der Rājāvaṃśa, die »Geschichte der Könige« (zu deren Geschlecht Śākyamuni gehört), beginnt ganz nach Art der Purāṇas mit einem Bericht über die Schöpfung (I, 338 ff.). Den Geist der Purāṇas atmet auch das Jātaka (I, 283 ff.), in dem ein Ṛṣi Rakṣita, der Bodhisattva, als Einsiedler solche Wunderkräfte erlangt, daß er mit seinen Händen Sonne und Mond berühren kann. Dem Geist der Purāṇas ist der des Mahāyāna sehr ähnlich, und manche Erzählungen des Mahāvastu zeigen jene Vorliebe für Phantasmagorien — glanzvolle Zauberbilder, die zugleich die Wundermacht der Heiligen dartun und der Verherrlichung der Buddhas dienen sollen —, die den Mahāyānatexten so eigentümlich ist. Von der Art sind z. B. die »Sonnenschirmgeschichten« (chattravastu I, 253 ff.). Nachdem der Buddha die Stadt Śrāvastī von einer schrecklichen, durch Yakṣas verursachten Seuche befreit hat, halten Götter und Geister Sonnenschirme über den Erhabenen, um ihm Ehre zu bezeigen. Dieser aber läßt in gewohnter Liebenswürdigkeit durch seine Zaubermacht unter jedem Sonnenschirm einen Buddha erscheinen, so daß jeder Gott glaubt, daß der Buddha unter seinem Schirme sitze.

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² Die Geschichte erinnert an den Anfang des Mārkaṇḍeya-Purāṇa, vgl. oben Bd. I, S. 468. Auch die Höllenschilderung zu Beginn des Mahāvastu zeigt Anklänge an dasselbe Purāṇa (L. Scherman, Visionslitteratur, S. 36). Der Besuch des Maudgalyāyana (Pāli Moggallāna) in den acht Höllen, sowie seine Wanderung durch die Tierwelt, die Welt der Pretas, der Asuras und der verschiedenen Götterklassen, ist aber auch in der Pālitradition begründet, wo gleichfalls Moggallāna ein Heiliger ist, der Himmel und Hölle und alle Welten durchwandert.

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Und obgleich das Mahāvastu zum Hīnayāna gehört und vieles enthält, was ebenso gut in den Pālitexten der Theravādins vorkommen könnte oder tatsächlich vorkommt, enthält es doch auch manches, wodurch es sich dem Mahāyāna nähert. So finden wir im ersten Band (I, 63—193) einen großen Abschnitt über die zehn Bhūmis oder Stufen, die ein Bodhisattva durchlaufen, und die Beschreibung der Tugenden, die er in jeder der zehn Stufen besitzen muß. In diesen Abschnitt eingeschoben ist eine Buddhānusmṛti (I, 163 ff.), d. i. ein Hymnus auf Buddha, der sich in nichts von den Stotras auf Viṣṇu oder Śiva in den Purāṇas unterscheidet. Im Sinne des Mahāyāna ist es auch, wenn (II, 362 ff.) gesagt wird, die Reinheit des Buddha sei so groß, daß die Verehrung des Erhabenen allein schon zur Erreichung des Nirvāṇa genüge, und daß man sich schon unendliches Verdienst erwerbe, wenn man nur einen Stūpa umwandle und durch Blumenspenden u. dgl. verehre. Daß von dem Lächeln des Buddha Strahlen ausgehen, welche das ganze Buddhagefilde (Buddhakṣetra) durchleuchten (III, 137 ff.), kommt in Mahāyānatexten unzählige Male vor. Mahāyānistisch ist es auch, wenn von einer großen Zahl von Buddhas die Rede ist, und wenn gesagt wird, daß die Bodhisattvas nicht von Vater und Mutter erzeugt werden, sondern durch ihre Eigenschaften unmittelbar entstehen¹).

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¹ Vgl. Windisch, Buddha's Geburt, S. 97 Anm., 100 f. und S. 193 f.

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Die Art der Komposition des Mahāvastu bringt es mit sich, daß die Abfassungszeit des Werkes schwer zu bestimmen ist.

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Viele Umstände weisen auf ein hohes Alter hin, so die Zugehörigkeit zur Lokottaravāda-Schule und die Sprache. Daß das Werk ganz im »gemischten Sanskrit« geschrieben ist, während in den Mahāyānatexten dieser Dialekt mit reinem Sanskrit abwechselt, ist ein Zeichen von größerer Altertümlichkeit. Denn das Sanskrit ist, wie Barth¹) sagt, in den buddhistischen Texten doch nur ein Eindringling. Gewiß alt sind auch jene zahlreichen Stücke, die das Mahāvastu mit dem Pālikanon gemein hat und die auf eine gemeinsame ältere Quelle zurückweisen. So mögen die Gāthās des Khaḍgaviṣāṇasūtra (I, 357 ff.) älter sein als die des entsprechenden Khaggavisāṇasutta im Pāli Suttanipāta. Wenn aber im Mahāvastu diese Verse von 500 sterbenden Pratyekabuddhas gesungen werden, so nimmt sich in deren Mund der Refrain »Er wandle einsam wie das Nashorn« sonderbar genug aus, und es ist nicht wahrscheinlich, daß der Prosarahmen ebenso alt ist wie die Gāthās. Auf die Zeit der ersten Jahrhunderte n. Chr. deuten auch die schon erwähnten mahāyānistischen Züge hin, sowie einige Stellen, die durch Skulpturen der Gandhārakunst beeinflußt zu sein scheinen²). Bis ins 4. Jahrhundert bringen uns Anspielungen auf die Mahāyānasekte der Yogācāras (I, 120), auf die Hunnen, auf die chinesische Sprache und Schrift und die Bezeichnung des Astrologen als »Horāpāṭhaka« (III, 178). Aber der Kern des Werkes ist alt und wahrscheinlich schon im 2. Jahrhundert v. Chr. entstanden, wenn es auch noch im 4. Jahrhundert n. Chr. und vielleicht noch später durch Zusätze und Einschiebungen erweitert worden ist. Denn es ist doch nur die Ausschmückung dem Mahāyāna entlehnt, während sich bloß eine schwache Beimischung von eigentlichen Mahāyānalehren und nichts von der Mahāyānamythologie im Mahāvastu findet.

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¹ Journal des savants 1899, p. 459.

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² Wenn z. B. bei einem Blumenmirakel die Lotusblumen in Form eines Kreises um den Heiligenschein des Buddha herumfallen. Der Heiligenschein ist erst durch griechische Künstler in Indien eingeführt worden. Vgl. A. Foucher JA 1903, s. 10, t. II, p. 208 f. und L'art gréco-bouddhique du Gandhāra, t. I, Paris 1905, p. 622. Auch die vielen Buddhas unter den Sonnenschirmen (oben S. 192) erinnern an Kunstdenkmäler.

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