Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s6.t2.7
Geschichte der indischen Litteratur v2.c16.s6.t2.7
- Language
- German
v2.c16.s6.t2.7
Wenn wir aber sagen, daß das Mahāvastu in der Hauptsache die Lebensgeschichte des Buddha für die Lokottaravādins erzählt, so ist damit der Inhalt des Werkes lange nicht erschöpft, noch auch von dessen Komposition eine Vorstellung gegeben. Denn weitentfernt, ein litterarisches Kunstwerk zu sein, ist das Mahāvastu vielmehr ein Labyrinth, in dem man nur mit Mühe den Faden einer zusammenhängenden Erzählung vom Leben des Buddha entdecken kann. Fortwährend wird diese Erzählung durch andere Stoffe unterbrochen, insbesondere durch zahlreiche Jātakas und Avadānas, aber auch durch dogmatische Sūtras. Ein Anordnungsprinzip ist nicht zu erkennen. Oft wird nicht einmal der Versuch gemacht, auch nur einen losen Zusammenhang zwischen den verschiedenen Bestandteilen herzustellen. Ferner wird überaus häufig eine und dieselbe Geschichte, sei es eine Episode aus dem Leben des Buddha oder ein Jātaka, zweimal hintereinander erzählt, zuerst in Prosa und dann noch einmal — bald mehr, bald weniger abweichend — in Versen. Aber auch an verschiedenen Stellen kehren dieselben Episoden mit geringfügigen Abweichungen mehrmals wieder. So wird die Legende von Buddhas Geburt nicht weniger als viermal erzählt²). Auch die Sprache ist keine einheitliche. Zwar ist das ganze Werk, sowohl die Prosa als auch die Verse, in »gemischtem Sanskrit« geschrieben, aber dieser Dialekt nähert sich dem Sanskrit bald mehr bald weniger. In letzterem Falle ist er altertümlicher³).
Cites (1)
- Mahāvastu — Sanskrit