Geschichte der indischen Litteratur v2.c17.s1.2
Geschichte der indischen Litteratur v2.c17.s1.2
- Language
- German
v2.c17.s1.2
Da ich nur eine Darstellung der buddhistischen Litteratur, nicht eine Geschichte des Buddhismus zu geben hatte, hielt ich es nicht für nötig, auf die Streitfrage nach dem Todesjahr des Buddha näher einzugehen, sondern begnügte mich mit der Angabe, daß ich mit der Mehrzahl der maßgebenden Forscher ein Datum, das nicht weit von 480 v. Chr. entfernt sein kann, für wahrscheinlich halte. Nun ist mir von R. O. Franke¹ der Vorwurf gemacht worden, ich hätte die Abhandlungen von Thomas, Lévi, Fleet und Hultzsch über die Deutung der Zahl 256 in den »neuen Edikten« Ašokas nicht berücksichtigt. Diese Zahl hat man nämlich früher als die Zahl der seit Buddhas Tod verflossenen Jahre aufgefaßt, während die Untersuchungen der genannten Forscher ergaben, daß darunter »256 (Tage und) Nächte« zu verstehen sind, die der König als buddhistischer Mönch zugebracht hat. Diese Erörterungen² waren mir sehr wohl bekannt; ich habe sie nur nicht erwähnt, weil sie, wie Franke selbst sagt, »mit dem Problem der Datierung des Buddha nur indirekt zusammenhängen«. Ich bin auch deshalb nicht darauf eingegangen, weil ich durchaus nicht der Ansicht bin, daß diese Zahl 256 in den Ašoka-Edikten »die einzige ernstlich in Betracht kommende Grundlage für die bisher wahrscheinlichste Datierung« von Buddhas Todesjahr ist, sondern mit einem so ausgezeichneten Historiker Indiens, wie es der mittlerweile verstorbene Fleet³ war, darin übereinstimme, daß wir uns für das Todesjahr des Buddha auf die alten buddhistischen Chroniken einigermaßen verlassen dürfen. Ich glaube — mit Fleet und anderen namhaften Gelehrten, von denen ich nur Oldenberg und W. Geiger nennen will —, daß die Chronisten von Ceylon nicht absichtlich Lügen erzählt und sich alles aus den Fingern gesogen haben. Und wer da weiß, wie die Buddhisten in ihren Erzählungen mit Zahlen umgehen und ihnen die Zahlen 500 und 84 000 viel geläufiger sind als irgendwelche kleinere Zahlen, wird sie um so glaubwürdiger dort finden, wo sie mit so bescheidenen und so wenig abgerundeten Zahlen wie 56 und 218 kommen¹).