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Geschichte der indischen Litteratur v3.c21.s2.19

Geschichte der indischen Litteratur v3.c21.s2.19

Language
German

v3.c21.s2.19

Die für die indische Poetik und Ästhetik grundlegende Lehre von den Rasas oder »Stimmungen« wurde zuerst im Nāṭyaśāstra entwickelt⁴). Das Wort rasa bedeutet eigentlich »Geschmack«. Sowie gewisse Speisen den Geschmack des Süßen, des Saueren, des Bitteren usw. hinterlassen, so sollen die auf der Bühne dargestellten Gemütszustände (bhāva) im Zuhörer gewisse Stimmungen auslösen. Und zwar unterscheidet Bharata acht solche Rasas: die durch die Liebe (śṛṅgāra), durch das Lächerliche (hāsya), durch das Mitleid (karuṇā), durch das Schreckliche (raudra), durch das Heldenhafte (vīra), durch die Furcht (bhayānaka), durch den Widerwillen (bībhatsā) und die durch das Wunderbare (adbhuta) hervorgerufene Stimmung⁵). In dieser Lehre von den Stimmungen steckt ohne Zweifel ein anerkennenswertes System der Ästhetik, wie in der zu ihnen gehörigen Lehre von den Gemütszuständen (bhāva) ein wertvolles Stück Psychologie enthalten ist. Wenn man hingegen die ebenso genauen und gewissenhaften wie langweiligen und langwierigen Klassifikationen der Fabel (vastu, itivṛtta), der Arten von Helden (nāyaka) und Heldinnen (nāyakī) und manche andere Abschnitte des Werkes liest, so zeigt sich doch, daß wir es mit einer ziemlich unfruchtbaren Wissenschaft zu tun haben, der es mehr um das Klassifizieren und Schematisieren als um die Erforschung von Tatsachen oder Gesetzen zu tun ist. Das gilt auch für die Poetik.

Cites (1)