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Geschichte der indischen Litteratur v3.c21.s2.37

Geschichte der indischen Litteratur v3.c21.s2.37

Language
German

v3.c21.s2.37

Daṇḍin gibt zunächst die Regeln, die für ein Kunstepos (sargabandha, mahākāvya) gelten. Es soll mit einem Segensspruch, einer Huldigung oder auch mit einem Hinweis auf den behandelten Gegenstand beginnen. Den Stoff soll eine Sage, eine Erzählung oder eine wahre Begebenheit bilden, wobei die vier Endziele des Lebens erreicht werden und der Held klug und edel ist. Den Schmuck einer solchen Dichtung bilden Schilderungen einer Stadt, des Meeres, eines Berges, der Jahreszeiten, des Mond- und Sonnenaufganges, von Spielen im Lustgarten oder im Wasser, von Trinkgelagen, Liebesszenen, Festen, einer Hochzeit, der Geburt eines Knaben, von Beratungen, Gesandtschaften, Kriegszügen, Schlachten und Siegen des Helden. Das Epos soll breit und ausführlich erzählen und ganz durchdrungen sein von einer Grundstimmung (rasa) und den entsprechenden Gefühlsäußerungen (bhāva). Es soll aus einer Anzahl nicht gar zu langer Gesänge (sarga) mit wohlklingenden und wohlgefügten Versen bestehen. Daṇḍin spricht dann von der Prosadichtung und deren verschiedenen Arten sowie von den »gemischten Formen«, zu denen das Drama und die Campū gehören. Im Anschlusse daran handelt er von der Verwendung der einzelnen Sprachen und Dialekte in der Kunstdichtung und hierauf von den Stilarten. Er sagt, es gebe eine Menge verschiedener Stilarten, die aber nicht allzu sehr voneinander abweichen. Ein scharfer Unterschied bestehe nur zwischen dem Vidarbhastil und dem Gauḍastil¹). Schmiegsamkeit, Klarheit, Ebenmäßigkeit, Anmut und Zartheit sind Vorzüge des Vidarbhastils, während der Gauḍastil mehr zum Dunklen und Bombastischen neigt, sich in maßlosen Übertreibungen gefällt und besonders auch lange Komposita liebt. Während z. B. ein Dichter im Vidarbhastil etwa sagen würde: