Geschichte der indischen Litteratur v3.c22.s2.147
Geschichte der indischen Litteratur v3.c22.s2.147
- Language
- German
v3.c22.s2.147
Ähnlich wie die Prākritgrammatiker haben auch die Grammatiker des Pāli¹) in Ceylon und Birma ihren Stoff ausschließlich aus der Litteratur geschöpft und in ihrer Methode sich sklavisch an die Vorbilder der Sanskritgrammatik gehalten. Die älteste, uns erhaltene Pāligrammatik ist das Kaccāyanappakaraṇa²), »die Grammatik des Kaccāyana«. Von den Prākritgrammatikern unterscheidet er sich wesentlich dadurch, daß er das Pāli nicht vom Sanskrit ableitet, sondern als selbständige Sprache behandelt, trotzdem er sich der Terminologie der Sanskritgrammatik bedient und seine Sūtras nach ihrem Muster gebildet hat. Außer Pāṇini und seinen Nachfolgern, insbesondere der Kāśikā, hat er auch das Kātantra benützt. Da Buddhaghosa die Grammatik des Kaccāyana nicht kennt, ist sie jedenfalls erst nach dem 5. Jahrhundert, vielleicht erst im 11. Jahrhundert entstanden. Zur Grammatik gehört auch ein Kapitel über Uṇādi-Suffixe, das aber mit den Uṇādisūtras des Pāṇini nicht übereinstimmt, und ein Wurzelverzeichnis, Dhātumañjūsā³). Außer zahlreichen Kommentaren zur Grammatik des Kaccāyana gibt es auch verschiedene Neubearbeitungen. Eine solche ist die Rūpasiddhi oder Padarūpasiddhi⁴) des Buddhappiya Dīpaṃkara aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Eine neue grammatische Schule wurde von dem Thera Moggallāna begründet, der wahrscheinlich unter Parakkamabāhu I (1153—1186 n. Chr.) schrieb. In seiner Grammatik (Saddalakkhaṇa mit einer Vutti) hat er außer den älteren Pāligrammatiken, dem Pāṇini und dem Kā- tantra auch das Cāndravyākaraṇa viel benützt¹). Und wie in Ceylon, so beschäftigte man sich auch in Birma seit dem 11. Jahrhundert eifrig mit der Pāligrammatik. Nicht nur Mönche, sondern auch Könige, Minister und selbst Frauen lernten Grammatik und schrieben grammatische Werke²). Besonders geschätzt, auch von den Gelehrten in Ceylon, ist die im Jahre 1154 verfaßte Saddanīti des Aggavaṃsa aus Arimaddana in Birma. Er lehnt sich aber im wesentlichen auch an Kaccāyana und die Sanskritgrammatiken an.
Cites (5)
- Saddanīti — Aggavaṃsa, Pāli
- Cāndravyākaraṇa — Candragomin, Sanskrit
- Kātantra — Śarvavarman, Sanskrit
- Moggallānavyākaraṇa — Moggallāna (grammarian), Pāli
- Mahārūpasiddhi — Dīpaṅkara alias Buddhapriya Thera, Pāli