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Geschichte der indischen Litteratur v3.c22.s2.2

Geschichte der indischen Litteratur v3.c22.s2.2

Language
German

v3.c22.s2.2

Die Grammatik, von den Indern Vyākaraṇa genannt, ist wahrscheinlich diejenige Wissenschaft, in der sich am frühesten aus den alten Brahmanenschulen eigene Fachschulen entwickelt haben. Den Indern selbst gilt die Grammatik als die erste und wichtigste aller Wissenschaften. Erst wenn man die Grammatik gelernt hat, kann man an das Studium der anderen Wissenschaften gehen¹). Nach Ānandavardhana²) sind die Grammatiker die vornehmsten Gelehrten, »weil die Grammatik die Grundlage aller Wissenschaften ist«. Die Grammatik ist auch diejenige Wissenschaft, in der die Inder das Hervorragendste geleistet und sich dauernde Verdienste auch um die abendländische Sprachwissenschaft erworben haben. Sie haben zuerst die Wortformen des Sanskrit analysiert³), den Unterschied zwischen Wurzel und Suffix erkannt, die Funktionen der Suffixe bestimmt und im ganzen ein grammatisches System ausgebildet, »das an Genauigkeit und allmählich erreichter Vollständigkeit in der Welt seinesgleichen sucht«⁴). Sie haben auch genaue Beobachtungen des Sprachgebrauchs, seiner Verschiedenheit nach Ort und Zeit, gemacht, wobei sie nicht nur die Litteratur, sondern auch das gesprochene Sanskrit (bhāṣā) berücksichtigten.