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Geschichte der indischen Litteratur v3.c22.s2.52

Geschichte der indischen Litteratur v3.c22.s2.52

Language
German

v3.c22.s2.52

Vararuci gehört zu den berühmtesten Namen der indischen Litteratur oder vielmehr der an litterarische Persönlichkeiten anknüpfenden Sage. Denn tatsächlich kennen wir Vararuci nur als Verfasser der ältesten Prākritgrammatik und mehrerer unbedeutender Werke zur Sanskritgrammatik, sowie als Dichter einiger Strophen, die ihm in den Anthologien zugeschrieben werden. Die Sage aber, wie sie in der kaschmirischen Bṛhatkathā erzählt wurde, und wie sie uns Somadeva im Kathāsaritsāgara berichtet, macht ihn zum Rivalen des Pāṇini und zum Minister des Königs Nanda, und die merkwürdigsten Geschichten werden von ihm erzählt¹). Nicht minder Wunderbares erzählt der Tibeter Tāranātha von Vararuci als einem Zeitgenossen des Nāgārjuna und Hofkaplan des Königs Udayana²). Und wieder eine andere Überlieferung macht ihn zu einem der »neun Edelsteine« am Hofe des Königs Vikramāditya. Wenn wir aber fragen, wie die Berühmtheit des Vararuci als Grammatiker zu erklären ist, so dürfte am wahrscheinlichsten die Annahme sein, daß der Verfasser der Vārttikas, der Vervollständiger der Grammatik des Pāṇini mit seinem vollen Namen Vararuci Kātyāyana geheißen hat. Denn keines der anderen Werke, die uns unter dem Namen des Vararuci überliefert sind, dürfte ihn zu solcher Berühmtheit gebracht haben. Wir müssen vielmehr annehmen, daß der Name Vararuci erst als Verfassername beliebt wurde, nachdem er schon berühmt war, und daß man, wie dies in Indien ja so häufig ist, verschiedenen Werken dadurch zur Berühmtheit verhelfen wollte, daß man sie dem berühmten Manne zuschrieb³). Auch der Vārarucasaṃgraha⁴), eine Sammlung von 25 Kārikās, die sehr kurz über Kasuslehre, Komposita, Verbum und Wortbildung handeln, ist wahrscheinlich nur das Werk eines anonymen Verfassers, der sich mit dem altberühmten Namen Vararuci geschmückt hat.

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