Geschichte der indischen Litteratur v3.c22.s2.89
Geschichte der indischen Litteratur v3.c22.s2.89
- Language
- German
v3.c22.s2.89
Unter den grammatischen Werken, die, ohne sich von Pāṇini unabhängig machen zu können, doch neue Systeme der Grammatik zu schaffen suchten, ist wohl das Kātantra¹) des Šarvavarman das älteste. Wenigstens spricht manches dafür, daß diese Elementargrammatik, die es sich zur Aufgabe macht, dem Lernenden ein leichteres Regelbuch als das des Pāṇini in die Hand zu geben, in einem der ersten Jahrhunderte n. Chr. entstanden ist²). Das Werk bestand wahrscheinlich ursprünglich aus vier Büchern zu je vier Pādas, war aber schon zur Zeit des Kommentators Durgasiṃha durch Zusätze erweitert, die sich in unserem Text und auch in der tibetischen Übersetzung finden. Das Kātantra geht von den Sūtras des Pāṇini aus, die häufig wörtlich übernommen sind. Auch die Terminologie stimmt größtenteils mit der des Pāṇini überein. Doch werden die vedische Sprache und die Akzente nicht berücksichtigt. Diese Grammatik ist in Kaschmir und im östlichen Bengalen noch heute verbreitet und muß durch Jahrhunderte in jener Gegend Indiens beliebt gewesen sein, so daß sie auch nach Tibet und Zentralasien gebracht worden ist³). Von der weiten Verbreitung des Kātantra zeugt auch der Umstand, daß es von dem Pāligrammatiker Kaccāyana benützt wurde und für die einheimischen Grammatiker der Draviḍasprachen maßgebend war ¹).
Linked texts (1)
- Kātantra — Śarvavarman, Sanskrit