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Geschichte der indischen Litteratur v3.c22.s7.4

Geschichte der indischen Litteratur v3.c22.s7.4

Language
German

v3.c22.s7.4

Das älteste auf uns gekommene Lehrbuch der Liebeskunst, das Kāmasūtra³) des Mallanāga Vātsyāyana, ist ganz offenbar nach dem Muster des Kauṭilīya-Arthaśāstra gemacht. Wie dieses ist es in einem sich dem Bhāṣyastil nähernden Sūtrastil abgefaßt, und jedes Kapitel endet mit einigen Ślokas. Auch die Anordnung des ganzen Buches ist ähnlich¹). Die beiden Werke stimmen auch darin überein, daß sie trotz voller Anerkennung der brahmanischen Religion und Moral, des Dharma im Sinne des Brahmanismus, doch ihre Theorien ohne jede Rücksicht auf diesen Dharma — gewissermaßen »jenseits von Gut und Böse« — aufstellen. Wenn Vātsyāyana die Künste und Kniffe lehrt, durch die ein Lebemann ein Mädchen gewinnen oder die Frau eines anderen »erobern« kann, so kann man ihn geradezu als einen »Machiavelli« der Liebe bezeichnen. Das Kāmasūtra spricht da z. B. von den Freunden des Liebhabers und den Liebesbotinnen nicht viel anders als das Arthaśāstra von den Freunden des Königs, den Spionen und Gesandten.

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