Geschichte der indischen Litteratur v3.c22.s7.7
Geschichte der indischen Litteratur v3.c22.s7.7
- Language
- German
v3.c22.s7.7
Der Inhalt des Kāmasūtra erscheint uns zum größten Teil als obszön; aber die Inder haben das Sexualleben immer mit größerer Offenheit besprochen, als wir es gewohnt sind. In den Schlußversen versichert uns Vātsyāyana, daß er das Werk »in Keuschheit und höchster Andacht« verfaßt habe, weil es für das Weltgetriebe von Nutzen sei, und daß seine Zusammenstellung nicht die Leidenschaft zum Ziele habe. Denn »wer das wahre Wesen dieser Wissenschaft erkannt hat, der ist ein Mensch, der seine Sinne bezähmt, indem er auf die den drei Lebenszielen Dharma, Artha und Kāma in der Welt zukommende Stellung achtet. Darum wird der Verständige, der in dieser Wissenschaft bewandert ist, wenn er sich geschlechtlich betätigt, Dharma und Artha in Betracht ziehen und sich nicht übermäßiger Leidenschaft hingeben«. Wir brauchen diese Worte nicht allzu ernst zu nehmen, müssen aber doch zugestehen, daß das Kāmasūtra durchwegs im Stile eines trockenen Lehrbuches geschrieben ist¹). Mit derselben Pedanterie wie in anderen Lehrbüchern wird auch hier eifrigst eingeteilt, klassifiziert und definiert, und nichts wäre unangebrachter als etwa ein Vergleich mit der »ars amatoria« des Ovid.
Cites (1)
- Kāmasūtra — Vātsyāyana Mallanāga, Sanskrit