Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c10.s2.t3.19
Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c10.s2.t3.19
- Language
- German
c10.s2.t3.19
Der Brauch, nackt in der Einsamkeit zu leben, ist schon in alter Zeit von den Digambara-Asketen nicht streng durchgeführt worden. Bereits Jinasena (9. Jh. n. Chr.) läßt in seinem Âdi-purâna 67 Rishabha prophezeien, es werde eine Zeit kommen, in der die Munis zu Gemeinschaften vereint, nicht mehr in den Wäldern leben würden, und Gunabhadra spricht in seinem „Âtmânushâsana“ von den Asketen, die im bösen Kali-Zeitalter in der Nähe menschlicher Behausungen wohnen würden, wie wilde Tiere, die nachts in die Dörfer eindringen 68. Im 13. Jh. spricht dann Âshâdhara von den Caityavâsî-Digambara-Asketen, die zwar noch nackt gingen wie die Arhats, aber die Gelübde nicht mehr streng hielten, da sie feste Wohnstätten hätten. Zur Zeit der mohammedanischen Herrschaft kam das Nacktgehen der Asketen immer mehr in Abnahme, weil die Muselmânen unbekleidete Munis verfolgten. Vasantakîrti, der im 13. Jh. gelebt haben soll, vertrat daher den Standpunkt, die Asketen sollten, solange sie sich in der Öffentlichkeit zeigten, ein Tuch umschlagen. Die Anhänger dieser Praxis, des Vishvapantha (universellen Pfades) bilden heute eine Sekte der Digambaras. Die Asketen leben in Klöstern unter der Leitung von Bhattârakas. Nach G. Bühler sollen die Bhattârakas beim Einnehmen ihrer Mahlzeit ihre Kleidung ablegen und vollkommen nackt dasitzen, während ein Schüler eine Glocke läutet, um alle Fremden vom Hinzutreten abzuhalten 69.
Cites (2)
- Brahmapurāṇa — Vyāsa, Sanskrit
- Ātmānuśāsana — Guṇabhadra, Sanskrit