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Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c10.s2.t3.23

Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c10.s2.t3.23

Language
German

c10.s2.t3.23

Eigenartig sind die Verhältnisse in Südindien. Hier soll sich, wenn die folgenden Mitteilungen den Tatsachen entsprechen, ein erblicher Priesterstand herausgebildet haben, aus welchen auch die Asketen hervorgehen. W. Francis macht darüber im „Gazetteer“ des South Arcot District die folgenden Angaben 71: Es gibt drei Priesterklassen. Die zahlreichste von diesen ist die der Arcakas (Vâdyârs). Diese nehmen die Riten in den Tempeln vor. Ein Laie kann kein Arcaka werden, denn diese sind eine Klasse für sich. Laien speisen wohl mit Arcakas, doch findet kein Konnubium unter ihnen statt, die Arcakas haben deshalb große Schwierigkeit, für ihre Söhne passende Bräute zu finden, und bezahlen oft 200 bis 300 Rupien für diese. Ein Arcaka kann zur nächsthöheren Priesterklasse emporsteigen und ein Annam oder Annuvriti (Anuvirati) werden, eine Art Mönch (?), der heiraten darf, aber gewisse besondere Vorschriften in seinem Wandel befolgen muß. Diese Annams können wieder zu den höchsten dieser drei Klassen aufrücken und Nirvânis oder Munis werden, Mönche, die ein eheloses, weltabgeschiedenes Leben führen. Die Mönche scheren ihr Haupt und tragen rote Gewänder; sie führen ein Messinggefäß und ein Bündel Pfauenfedern, mit denen sie den Ort, an dem sie sich niedersetzen wollen, vorher fegen, um keine Insekten zu beschädigen. Alle Jainas begrüßen sie in respektvoller Weise durch „Namaskâra“; sie werden auf Kosten der Gemeinde unterhalten. . . . An der Spitze der Jainas steht ein Hohepriester (Mahâdhipati), der von den Vertretern der größten Jaina-Dörfer gewählt wird. Derselbe reist, von einem Gefolge von Anhängern umgeben, in einem Palankin zwischen den Hauptorten auf Kosten der Gemeinde umher, schlichtet Kastenstreitigkeiten und bestraft und exkommuniziert Leute, die sich etwas zuschulden kommen ließen. Die Aufsicht, die er über seine Anhänger ausübt, ist sehr streng und steht in scharfem Kontrast zu der schwindenden Autorität vieler Hindu-Gurus.“