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Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c10.s3.t2.41

Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c10.s3.t2.41

Language
German

c10.s3.t2.41

Die beiden wichtigsten Digambara-Sekten der Gegenwart sind die der Vishvapanthîs oder Vishapanthîs (Bispanthîs), wie sie heute zumeist genannt werden, und Terâpanthîs. Über ihre Entstehung ist bereits auf Seite 72 gesprochen worden. Die Hauptunterschiede zwischen beiden Sekten sind die folgenden: Die Vishapanthîs erkennen Bhattârakas (S. 350) als geistige Führer an, stellen Bilder von Kshetrapâlas, von Göttern wie Bhairava u. a. in ihren Tempeln auf, bestreichen die Idole mit Safran, schmücken sie mit Blumen, bringen ihnen Süßigkeiten dar, verehren sie des Nachts mit Gaben und schwenken vor ihnen Lichter. Die Terâpanthîs erkennen keine Bhattârakas an, stellen keine Bilder von Kshetrapâlas im Tempel auf, bringen vor den Idolen keine Blumen und Süßigkeiten dar, salben sie nicht mit Safran, verehren sie nachts nicht mit Gaben und Lichtern, sondern begnügen sich mit der Rezitation des Ârâtrika-patha 83. Nach J. L. Jaini verehren die Vishapanthîs in sitzender, die Terâpanthîs in stehender Stellung; die Terâpanthîs sitzen nur, wenn sie die Perlen ihres Rosenkranzes unter leisem Hersagen von Mantras abzählen 84. Die Terâpanthîs stellen, wie sich aus all diesem ergibt, eine Reformsekte dar, die sich gegen eine Anzahl von Riten richtet, welche ihrer Auffassung nach nicht dem echten Jainatum angehören; mit den Terâpanthîs der Shvetâmbaras haben sie nichts zu tun. Der Gegensatz zwischen Vishapanthîs und Terâpanthîs ist so groß, daß die Anhänger der einen Sekte nicht die Tempel der anderen besuchen.