Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c11.s2.t5.9
Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c11.s2.t5.9
- Language
- German
c11.s2.t5.9
Wenn einer eine Wallfahrt zu einem Tîrtha antreten will, so hat er sich vorher durch Fasten, Meditieren u. a. auf das heilige Werk gebührend vorzubereiten. Auf der Pilgerreise selbst hat er eine Reihe von Observanzen zu erfüllen, so soll er nur einmal am Tage Nahrung zu sich nehmen, auf der Erde schlafen, Keuschheit bewahren und nur zu Fuß gehen. Wenn diese Gebote unterwegs nicht eingehalten werden, so geht der Pilger dadurch eines Teils des ihm winkenden transzendenten Lohns verlustig; so ist z. B. der Lohn, den der erntet, der die Reise in einem Fahrzeug zurücklegt, nur halb so groß als der Lohn dessen, der sie ganz zu Fuß macht. An der heiligen Stätte angelangt, gibt sich der Pilger frommen Übungen hin, verehrt die Tîrthankaras in den einzelnen Tempeln und spendet reichlich für religiöse Zwecke. An manchen Orten stellen bestimmte Handlungen hervorragenden Lohn in Aussicht. In Shatrunjaya beispielsweise muß der Gläubige die Tausende von Stufen, die auf den Berg hinaufführen, 99mal auf- und abwärtssteigen und die einzelnen Heiligtümer in einer bestimmten Ordnung umwandeln. Wenn dieses in der richtigen Weise geschehen ist, was an drei Monate in Anspruch nimmt, und der Pilger, der während der letzten Tage weder Speise noch Trank zu sich genommen hat, schließlich am Haupttempel anlangt, so stellen die dortigen Priester ein Tîrthankara-Bild auf einen silbernen Thron unter einem Baldachin im Hofe. Vor diesem bringt der Wallfahrer dann elfmal die achtfache Pûjâ dar, während Hymnen gesungen werden und Knaben rituelle Tänze ausführen. Die Ausführung dieser Zeremonien, die sehr kostspielig ist, stellt hervorragenden Lohn in Aussicht⁸⁸.