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Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c11.s3.t2.3

Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c11.s3.t2.3

Language
German

c11.s3.t2.3

Daß Jainismus und Buddhismus einander in vieler Hinsicht ähneln, ist eine Tatsache, die schon dadurch aufs klarste hervortritt, daß brahmanische Schriftsteller sie vielfach miteinander verwechseln. In vielen Punkten herrscht zwischen ihnen völlige Übereinstimmung: beide leugnen die Autorität der Veden und bekämpfen die brahmanische Priesterherrschaft und das brahmanische Opferwesen. Beide negieren das Dasein eines höchsten persönlichen Gottes und umgeben eine Anzahl von zu bestimmten Zeitpunkten aufgetretenen Heilfindern mit einem ausgedehnten Kultus, dessen äußere Formen sich in vielen Dingen (Bildwerke, Stûpas, Caityas)¹⁹ gleichen. Beide bezeichnen ihre Propheten mit den gleichen Ehrennamen (Arhat, Buddha, Jina), schreiben ihnen dieselben Schönheitsmerkmale zu und versehen sie mit den gleichen Zeichen und Symbolen, eine Tatsache, die schon das Interesse von Hiuen Tsiang erregte²⁰. Beide erkennen eine Reihe von Cakravartîs (Weltbeherrschern) an und legen diesen die nämlichen Attribute bei. Beide Lehren vertreten ferner das Prinzip der Ahinsâ und verkünden zum Teil die gleichen ethischen Gebote; bei beiden sind Mönchs- und Nonnenorden das Rückgrat der Gemeinde. Der Eindruck der Ähnlichkeit beider wird noch dadurch verstärkt, daß ihre Propheten, Mahâvîra und Buddha, Zeitgenossen waren und in derselben Landschaft Bihâr wirkten, daß in der Geschichte des Lebens dieser beiden Männer die gleichen Orte und Personen erwähnt werden und einige Leute, die den beiden Religionsstiftern nahestanden, zufällig dieselben Namen trugen, weil diese Namen eben unter den Kshatriyas von Magadha damals Mode waren (Mahâvîras Vater hieß Siddhârtha, dies war auch Buddhas Name als Prinz; Mahâvîras Gattin hieß Yashodâ, Buddhas Gemahlin Yashodharâ u. a.).