Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c7.s3.t1: 1. Mahâvîras Nachfolger
Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c7.s3.t1
- Language
- German
1. Mahâvîras Nachfolger
c7.s3.t1.1
Wie die Überlieferung erzählt, gewann Mahâvîra durch seine Lehrtätigkeit 14000 Mönche, 36000 Nonnen, 159000 Laienanhänger und 318000 Laienanhängerinnen. Eine jede der vier Gruppen, dieser vier „Tîrthas“, d. h. Komponenten der Jainakirche, stand unter der Leitung bewährter Persönlichkeiten.
c7.s3.t1.2
Die Mönche wurden geführt von elf Ganadharas oder Vorstehern, die je mehrere hundert Munis unter sich hatten. Der oberste Ganadhara hieß Gautama Indrabhûti, die anderen Agnibhûti, Vâyubhûti, Akampita, Ârya Vyakta, Ârya Sudharmâ, Manditaputra, Mauryaputra, Acalabhrâtâ, Metàrya, Prabhâsa. Vorsteherin der Nonnen war Mahâvîras Base Candanâ; die Laienbrüder unterstanden Shankhashataka, die Laienschwestern der Sulasâ und Revatî.
c7.s3.t1.3
Von den elf Ganadharas, in deren Händen die Oberleitung der Gemeinde lag, gingen neun schon zu Lebzeiten des Meisters in das Nirvâna ein. Gautama Indrabhûti erlangte in der Nacht, in welcher Mahâvîra starb, die Allwissenheit und stand deshalb der Gemeinde nicht mehr als Lehrer des vom Tîrthankara Überlieferten vor; er wurde zwölf Jahre nach seinem Herrn erlöst. So war nur Sudharmâ noch übrig, um die Kirche zu leiten. Er übte dieses Amt bis zum Tode Gautama Indrabhûtis aus, dann wurde er selbst ein Kevalî und gab es an seinen Schüler Jambûsvâmî ab; er lebte dann noch acht Jahre, bis er in die Seligkeit einging. Jambûsvâmî stand der Kirche bis zum Jahre nach dem Tode seines Vorgängers vor, dann erlangte auch er die Allwissenheit und schließlich, 64 Jahre nach Mahâvîra, das Nirvâna. Mit ihm verließ der letzte Allwissende des Zeitalters die Welt, ging der letzte Heilige in die Seligkeit ein, fortan konnte niemand mehr die Vollendung erreichen.
c7.s3.t1.4
Wenn die Oberhäupter der Gemeinde, welche auf die drei Kevalis folgten, auch selbst nicht mehr die Allwissenheit besaßen, so hatten sie doch noch eine genaue Kenntnis der vom Tîrthankara verkündeten Lehren, wie sie von seinem unmittelbaren Schüler Indrabhûti gehört und von Sudharmâ im Wortlaut festgelegt worden waren. Als Kenner aller heiligen Schriften heißen diese fünf aufeinanderfolgenden Kirchenlehrer Shrutakevalis. Die Leitung der Kirche ging von den Shrutakevalis dann auf sieben oder elf einander folgende Lehrer über, die nur noch einen Teil der kanonischen Werke kannten, von diesen dann wieder auf andere, deren Kenntnisse noch geringer waren. Das meiste, was über die Kevalis und ihre Nachfolger berichtet wird, ist sehr sagenhaft. Da sich die Angaben über sie zum Teil stark widersprechen, indem die Shvetâmbaras andere Namen nennen als die Digambaras, läßt sich schwer ausmachen, wieviel an den Überlieferungen Geschichte und wieviel Mythus ist. Die wichtigsten Legenden über die Kevalis und Shrutakevalis werden weiter unten mitgeteilt werden.