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Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c8.s1.t2.81

Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c8.s1.t2.81

Language
German

c8.s1.t2.81

Die uns vorliegenden 11 Angas, ferner 11 von den 12 Upângas und einige andere Werke sollen, wie schon bemerkt, nach der Tradition von Mahâvîras Schüler Sudharmâ verfaßt worden sein. Sie sollen mündlich weiter überliefert und nach der Schlußredaktion durch Devarddhi, 980 Jahre nach Mahâvîra, schriftlich fixiert und in vielen Handschriften verbreitet worden sein. Angenommen, die Angabe über die späte Fixierung des Kanons ist richtig, so würde es in der Tat höchst fraglich erscheinen, ob uns in den kanonischen Texten wirklich authentische Nachrichten über Mahâvîra und seine Lehre vorliegen. „Man denke sich mal den Fall,“ — sagt Albrecht Weber ¹⁶ — „was würden wir wohl von Christus wissen, wenn das Neue Testament bis zum Jahre 980 A. D. (resp. ca. 950, da wir nach Christi Geburt, die Jainas dagegen nach Vîras Tode rechnen) noch nicht schriftlich existiert hätte und wir dafür auf eine unter Papst Sylvester II. stattgehabte Kodifikation der Traditionen über ihn beschränkt wären, denen keine frühere schriftliche, sondern nur mündliche Überlieferung zugrunde läge!“ Die Angabe über die späte Kodifizierung des Kanons braucht uns jedoch nicht von vornherein mit Mißtrauen gegen die Echtheit seiner Überlieferung zu erfüllen. Denn diese Nachricht braucht nicht zu besagen, daß die heiligen Schriften bis zur Zeit des Konzils von Valabhî niemals niedergeschrieben worden seien, sondern nur, daß ihr Text erst damals endgültig festgelegt und in größerem Umfange durch Abschriften verbreitet worden sei. Diese Auffassung hat viel Wahrscheinlichkeit für sich, weil die Schreibkunst, wie sich aus dem Vorhandensein von Jaina-Inschriften aus dem 2. Jahrhundert vor Chr.