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Der Jainismus: Eine indische Erlosungsreligion c8.s2.t1.7

Der Jainismus: Eine indische Erlösungsreligion c8.s2.t1.7

Language
German

c8.s2.t1.7

Haribhadra war ein Brahmane, der alle Wissenschaften studiert hatte. Er gelobte, Schüler desjenigen Meisters zu werden, der etwas wisse, von dem er noch nichts verstände. Einst hörte er eine Jaina-Nonne einen Spruch rezitieren, dessen Inhalt ihm nicht klar war. Von ihm befragt, wies sie ihn an einen Jaina-Lehrer, und dieser bekehrte ihn zur Lehre Mahâvîras. Haribhadra studierte darauf alle heiligen Schriften und wurde schließlich selbst ein Sûri (Meister). Zwei Neffen von ihm, Hansa und Paramahansa, wurden seine Schüler. Um die Buddhisten mit ihren eigenen Waffen schlagen zu können, gingen sie, als buddhistische Mönche verkleidet, in ein buddhistisches Kloster, damit sie dort die Lehren der Irrgläubigen studierten. Die Buddhisten beargwöhnten jedoch die Zugehörigkeit der beiden jungen Leute zu ihrem Orden; sie malten deshalb Bilder von Tîrthankaras auf die Stufen am Toreingang, so daß niemand hineingehen konnte, ohne auf diese Bilder zu treten. Die beiden verkleideten Jainas nahmen mit Kreide eine kleine Veränderung an den Bildern vor (wodurch diese aus Jaina-Idolen zu ketzerischen wurden) und traten jetzt ohne Furcht auf die Zeichnungen. Von den Buddhisten entdeckt, mußten Hansa und Paramahansa fliehen und wurden von dem sie verfolgenden Heere des buddhistischen Königs getötet. Außer sich über den Verlust seiner Schüler, beschloß Haribhadra sämtliche 1444 Mönche des buddhistischen Klosters zu töten, indem er sie mit Hilfe seiner Zauberkräfte in einem Kessel mit glühendem Öl siedete. Rechtzeitig von diesem Plan durch seinen Guru (oder seine Mutter) zurückgehalten, bereute er die große Sünde, die er hatte begehen wollen, und schrieb, um sie zu sühnen, 1444 dem Ruhm der Jaina-Lehre geweihte Bücher. Neben einigen Darstellungen der Jaina-Dogmatik und Ethik verfaßte Haribhadra auch Schriften, die sich mit den verschiedensten philosophischen Lehren seiner Zeit beschäftigen und diese in objektiver Weise darstellen.